Grüne stellen sich hinter Wüst und AfD-Verbotsprüfung
vor 28 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Die Grünen im Bundestag stellen sich hinter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und unterstützen die Forderung nach einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens. Im Zentrum steht die Frage, wie der Staat seine Demokratie gegen Rechtsextremismus schützt, ohne rechtsstaatliche Grenzen zu überschreiten.
via dts Nachrichtenagentur
Die Grünen im Bundestag unterstützen die Forderung von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nach einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD. Damit erhält der Vorstoß des NRW-Regierungschefs für eine strukturierte Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens Rückendeckung aus einer weiteren Bundestagsfraktion.Grünen-Innenpolitiker stellt sich hinter WüstDer innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, bezeichnete die AfD als Partei, die „ein gefährliches Spiel mit unserer Demokratie“ betreibe. Zugleich betonte er, die Demokratie sei „kein Versuchslabor für Rechtsextremisten“. Wüst habe seiner Einschätzung nach recht, wenn er jetzt konkrete Schritte zur Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens verlange.Emmerich hob hervor, ein solches Verfahren müsse sorgfältig, rechtssicher und auf einer belastbaren Grundlage vorbereitet werden.
Aus seiner Sicht braucht es dafür einen klaren Zeitplan, eine gemeinsame Prüfung von Bund und Ländern sowie konkrete nächste Schritte. Es sei „höchste Zeit“, dass man bei diesem Thema vorankomme.Instrument der wehrhaften DemokratieDer Grünen-Politiker erinnerte daran, dass die Möglichkeit, die Verfassungswidrigkeit einer Partei durch das Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen, ein zentrales Instrument der wehrhaften Demokratie sei.
Die von Wüst geforderte Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll demnach klären, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Verbotsantrag gegen die AfD Aussicht auf Erfolg haben könnte.Im Mittelpunkt steht dabei der verfassungsrechtliche Rahmen, den das Grundgesetz für Parteiverbote vorgibt. Ein etwaiges Verfahren müsste nach den bekannten Hürden der bisherigen Rechtsprechung gründlich vorbereitet und mit umfangreichen Belegen für verfassungsfeindliche Bestrebungen unterfüttert werden.Debatte um mögliche Regierungsbeteiligung der AfDHintergrund der aktuellen Diskussion ist unter anderem die Frage, wie sich eine mögliche Beteiligung der AfD an der künftigen Landesregierung in Sachsen-Anhalt auf die Sicherheitsarchitektur im bundesdeutschen Föderalismus auswirken könnte. In der föderalen Struktur sind Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern eng miteinander verflochten.Eine Regierungsbeteiligung der AfD in einem Land würde die Zusammenarbeit mit Bundes- und anderen Landesbehörden vor neue Herausforderungen stellen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion über ein AfD-Verbotsverfahren und die dafür notwendige Bund-Länder-Abstimmung zusätzliche politische Brisanz.
Die Unterstützung der Grünen-Bundestagsfraktion für die von Hendrik Wüst geforderte Bund-Länder-Arbeitsgruppe markiert eine weitere Verschiebung im Umgang der etablierten Parteien mit der AfD. Seit Jahren diskutieren Verfassungsjuristen und Politik über die rechtlichen Hürden eines Parteiverbots, zuletzt verstärkt vor dem Hintergrund hoher AfD-Umfragewerte und Wahlerfolge in mehreren Bundesländern.Ein AfD-Verbotsverfahren wäre rechtlich nur auf Basis des Grundgesetzes möglich, das dem Bundesverfassungsgericht die Prüfung der Verfassungswidrigkeit von Parteien zuweist. Frühere Verfahren – etwa gegen die NPD – haben gezeigt, dass dafür eine detaillierte und langfristig belegte Dokumentation verfassungsfeindlicher Bestrebungen nötig ist. Genau auf diese vorbereitende Phase zielt die von Wüst angeregte Arbeitsgruppe ab, die Bund und Länder enger verzahnen soll.Föderale Sicherheitsarchitektur im FokusBesondere Brisanz erhält die Debatte durch den Verweis auf eine mögliche Beteiligung der AfD an einer künftigen Landesregierung in Sachsen-Anhalt. In der föderalen Sicherheitsarchitektur wirken Innenministerien, Verfassungsschutzbehörden und Polizeien von Bund und Ländern eng zusammen.
Wenn eine Partei, die von mehreren Landesämtern für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft ist, Regierungsverantwortung in einem Land übernimmt, stellt sich die Frage nach Zugriffsrechten auf sensible Informationen und nach Einflussmöglichkeiten auf Sicherheitsbehörden.Politische Frontlinien und mögliche FolgenDie Unterstützung der Grünen für Wüst zeigt, dass die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren parteiübergreifend geführt wird, auch wenn andere Parteien Vorbehalte haben.
Für Bürgerinnen und Bürger steht dabei nicht nur die juristische Frage im Raum, sondern auch die politische: Wie weit kann der Rechtsstaat gehen, um sich gegen verfassungsfeindliche Tendenzen zu schützen, ohne selbst Freiheitsrechte unverhältnismäßig einzuschränken?
Die angekündigte sorgfältige und rechtssichere Vorbereitung signalisiert, dass ein eventuelles Verfahren nicht kurzfristig zu erwarten ist, sondern als längerfristiger Prozess angelegt wäre.