Grüne: Banaszak wirbt für positiveren Heimatbegriff

heute 08:06 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Grünen-Chef Felix Banaszak will den Begriff Heimat nicht länger vor allem der politischen Rechten überlassen. Gemeinsam mit Ricarda Lang stellt er Zugehörigkeit, Gemeinwohl und demokratische Verwurzelung in den Mittelpunkt.

Ricarda Lang und Felix Banaszak (Archiv)
Ricarda Lang und Felix Banaszak (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Grüne suchen neuen Zugang zur HeimatGrünen-Chef Felix Banaszak wirbt für einen positiveren Heimatbegriff in seiner Partei und will die Grünen stärker als emotionale Heimat für Menschen verstehen. Im Gespräch mit ntv sagte er, weniger Belehrung und mehr Begegnung seien dafür nötig.Banaszak verbindet Heimat mit ZugehörigkeitBanaszak erklärte, Menschen hätten ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Einer atomisierten Gesellschaft dürfe man nicht allein eine kosmopolitische Theorie entgegensetzen.Früher habe er Heimat vor allem kritisch als Heimattümelei betrachtet.

Nach seinem Umzug aus dem Ruhrgebiet nach Berlin habe er jedoch erkannt, dass er ein Kind des Ruhrgebiets und darauf auch stolz sei.Deindustrialisierung als IdentitätsverlustDer Grünen-Chef sieht in der Deindustrialisierung einen Treiber antidemokratischer Politik. Mit dem Arbeitsplatz verlören Menschen häufig auch Identität und einen sozialen Anker.Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sagte, sie könne nachvollziehen, warum der Heimatbegriff der AfD im Osten verfange. Die liberale Moderne habe neben materieller Sicherheit auch Zugehörigkeit und Verwurzelung geschwächt.Abgrenzung von NationalismusBanaszak äußerte sich zurückhaltend zu seiner Liebe zu Deutschland. Er identifiziere sich mit dem Land, habe aber ein ambivalentes Verhältnis zu Nationalstolz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibe dabei zentral.Lang bezeichnete sich als Verfassungspatriotin und verwies auf Rechtsstaat, EU und Grundgesetz. Einen Wettbewerb um die stärkste Deutschlandliebe lehnte sie ab.Frühere Aussage im SommerinterviewBanaszak war für eine Antwort im ARD-Sommerinterview kritisiert worden, in der er auf die Frage nach seiner Liebe zu Deutschland auf Duisburg verwiesen hatte. Im ntv-Podcast räumte er ein, sich damit ein wenig herausgeredet zu haben.
Der Vorstoß von Felix Banaszak markiert eine sprachliche und politische Neujustierung der Grünen.

Der Begriff Heimat war in der Partei lange eng mit Abgrenzung, Nationalismus und einer konservativen Identitätspolitik verbunden.

Nun stellen Banaszak und Ricarda Lang stärker die soziale Funktion von Zugehörigkeit in den Mittelpunkt: Menschen sollen sich in ihrer Stadt, Region und demokratischen Ordnung verankert fühlen.Zugehörigkeit als politische FrageDer Ansatz verbindet kulturelle und materielle Erfahrungen.

Banaszak verknüpft den Verlust von Arbeitsplätzen und industriellen Strukturen mit dem Verlust von Identität und Sicherheit. Gerade in Regionen, die von Deindustrialisierung geprägt sind, kann diese Perspektive für die Grünen relevant sein, weil sie wirtschaftliche, soziale und demokratische Fragen zusammenführt.Für die Partei entsteht daraus ein Spannungsfeld. Ein positiver Heimatbegriff muss Zugehörigkeit ermöglichen, ohne Menschen nach Herkunft oder nationaler Loyalität zu bewerten.

Langs Position des Verfassungspatriotismus verweist auf einen möglichen Anker: Gemeinsame Grundlagen wären dann Rechtsstaat, Grundgesetz, Menschenwürde und europäische Zusammenarbeit statt ethnischer Homogenität.Abgrenzung von der AfDPolitisch zielt die Debatte darauf, den Begriff Heimat nicht allein der AfD zu überlassen.

Zugleich bleibt offen, wie sich die beschriebene Haltung in konkrete Programme übersetzen lässt. Begegnung, Gemeinwohl und Gemeinschaft müssten mit praktischen Antworten auf Strukturwandel, soziale Unsicherheit und regionale Unterschiede verbunden werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenntv: „Lang und Banaszak über Heimat, Hass und Hölle“ (29.10.2026)Der Beitrag dokumentiert das Gespräch von Felix Banaszak und Ricarda Lang über Heimat, Hass und politische Zugehörigkeit. Damit bestätigt er den Schwerpunkt der Meldung, erweitert ihn aber um die gemeinsame Gesprächssituation und weitere politische Themen des ntv-Salons.ntv: „Banaszak: Spüre bei Gedanken an Deutschland keine Liebe“ (29.10.2026)Der Einzelbeitrag konzentriert sich auf Banaszaks Verhältnis zu Deutschland sowie auf Heimatliebe und Nationalstolz. Er bestätigt damit den nationalen Bezug der Debatte, setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt als die Meldung, die stärker den Heimatbegriff und soziale Zugehörigkeit behandelt.Beide Beiträge machen die Verbindung von Heimat, Zugehörigkeit und dem Umgang mit Nationalstolz sichtbar. Der gemeinsame politische Kern liegt in der Suche nach einer demokratischen Alternative zu rechter Vereinnahmung; offen bleibt, welche konkreten politischen Angebote daraus folgen.

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