Generalbundesanwalt klagt mutmaßliche Hamas-Zelle in Berlin und Wien an
heute 13:05 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Generalbundesanwalt hat sieben Männer wegen mutmaßlicher Anschlagspläne für Berlin und Wien angeklagt. Die Gruppe soll im Auftrag der Hamas jüdische und israelische Ziele in Europa ins Visier genommen haben.
via dts Nachrichtenagentur
Der Generalbundesanwalt hat vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin Anklage gegen sieben Männer erhoben, denen die Planung von Terroranschlägen in Berlin und Wien im Auftrag der Hamas vorgeworfen wird. Grundlage sind Ermittlungsergebnisse, die eine über längere Zeit vorbereitete Struktur für Angriffe auf israelische Persönlichkeiten und jüdisches Leben in beiden Städten nahelegen.Mutmaßliche Anschlagspläne in Berlin und WienNach den Erkenntnissen der Ermittler sollen die Männer geplant haben, zwei Jahre nach der Terrorattacke der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 zeitgleich oder in enger Abfolge Ziele in der deutschen und der österreichischen Hauptstadt anzugreifen.
Über eine Operationsbasis in der Türkei sollten laut Anklageschrift militärische Zellen in Europa aufgebaut, geschult und aus dem Ausland gesteuert werden, um sie zu Anschlägen zu veranlassen.Im Fokus standen demnach insbesondere israelische Persönlichkeiten sowie Einrichtungen und Personen des jüdischen Lebens. Die Planung sah vor, Angriffe auf europäischem Boden als Teil eines größeren Vergeltungsszenarios zu inszenieren.Waffenlager und BekennervideoDie Angeklagten, unter ihnen deutsche, dänische und bulgarische Staatsangehörige mit überwiegend libanesischen Wurzeln, sollen Waffen und Munition beschafft und in Berlin sowie Wien gelagert haben.
Dazu zählen nach Angaben aus der Anklageschrift vollautomatische Sturmgewehre, Glock-Pistolen und entsprechende Munition.Am 7. August 2025 soll einer der Beschuldigten in einer Wiener Wohnung ein Bekennervideo aufgenommen haben.
Die Auswertung durch das Bundeskriminalamt zeigt ihn demnach vor einer Hamas-Flagge, vermummt und bewaffnet. In der Videobotschaft kündigt er im Namen der "Qassam-Brigaden" blutige Racheaktionen auf europäischem Boden an.Verfahren vor StaatsschutzsenatDas Verfahren ist beim Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin anhängig. Mit der Anklage gegen die sieben Männer reagiert die Bundesanwaltschaft auf die aus den Ermittlungen abgeleitete Gefährdungslage. Die Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft und müssen sich nun vor Gericht wegen der ihnen vorgeworfenen Vorbereitung von Terroranschlägen verantworten.Der Prozess dürfte sich nicht nur mit den konkreten Tatvorwürfen befassen, sondern auch mit möglichen Hintermännern und Strukturen, die über Deutschland und Österreich hinausreichen.
Die Ergebnisse könnten für die Bewertung der Gefährdung durch islamistische Terrororganisationen in Europa von Bedeutung sein.
Die Anklage gegen eine mutmaßliche Hamas-Zelle in Berlin macht deutlich, wie sehr der Terrorismuskonflikt im Nahen Osten inzwischen auch europäische Metropolen betrifft. Die Bundesanwaltschaft wirft sieben Männern vor, Anschläge in Berlin und Wien vorbereitet zu haben, die sich gezielt gegen israelische Persönlichkeiten und jüdisches Leben richten sollten.
Damit rückt erneut die Frage in den Fokus, wie verletzlich jüdische Einrichtungen und Gemeinden in Europa sind.Hintergrund des VerfahrensDer Bezug auf den 7. Oktober 2023, als die Hamas den Großangriff auf Israel startete, zeigt, dass die mutmaßlichen Täter ihre Planungen offenbar in einen langfristigen zeitlichen Zusammenhang einbetteten.
Zwei Jahre nach diesem Datum sollten demnach koordinierte Attacken in Deutschland und Österreich folgen.
Aus Sicht der Sicherheitsbehörden unterstreicht dies, dass Anschlagsplanungen über lange Zeiträume vorbereitet und international abgestimmt werden können.Bedeutsam ist auch die beschriebene Operationsbasis in der Türkei, über die militärische Zellen in Europa aufgebaut und ferngesteuert worden sein sollen.
Das weist auf transnationale Strukturen hin, die Ermittlungen und Prävention erheblich erschweren.
Die Tatsache, dass die Beschuldigten unterschiedliche Staatsangehörigkeiten besitzen und überwiegend libanesische Wurzeln haben, zeigt zugleich, wie komplex die Gemengelage aus Herkunft, Staatsbürgerschaft und mutmaßlicher Organisationseinbindung ist.Bedeutung für Sicherheitslage und JustizDie Sicherstellung von Waffen und Munition in Berlin und Wien sowie das Bekennervideo aus einer Wiener Wohnung deuten darauf hin, dass nach Einschätzung der Ermittler konkrete Anschlagsvorbereitungen bereits weit fortgeschritten waren.
Für die deutsche Justiz ist das Verfahren ein weiterer großer Staatsschutzfall, in dem nicht nur die individuelle Schuld geklärt werden muss, sondern auch Strukturen und Netzwerke im Umfeld der Hamas sichtbar werden können.
Für die betroffenen Städte steht die Frage im Raum, ob Schutzkonzepte für jüdische Einrichtungen und israelische Ziele weiter verschärft werden müssen.