Gebäudeversicherer warnen vor Finanzkrise durch Policen-Rückzug
heute 08:21 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine anonyme Gruppe hochrangiger Versicherungsmanager warnt vor einem schrittweisen Rückzug der Branche aus besonders gefährdeten Regionen. Das könnte nach Einschätzung der Insider auch Immobilien- und Kreditmärkte destabilisieren.
via dts Nachrichtenagentur
Versicherer ziehen sich stufenweise zurückDie anonyme Gruppe veröffentlichte ein Memo mit dem Titel „Ein Warnruf“.Die beteiligten Führungskräfte arbeiten laut Inside Track in Großbritannien, der Schweiz und der EU.Als mögliche Folge nennt das Memo eine neue weltweite Finanzkrise durch massenhaft unversicherte Immobilien.Insider aus der Versicherungsbranche warnen, dass Gebäudepolicen vielerorts bald praktisch unbezahlbar werden könnten.
Zugleich sehen sie die Gefahr, dass für zahlreiche Immobilien künftig kein ausreichender Versicherungsschutz mehr verfügbar ist.Memo von anonymen BranchenführungenEine Gruppe hochrangiger Führungskräfte aus einigen der weltweit größten Versicherer, Rückversicherer und Versicherungsmakler hat dazu ein Memo veröffentlicht. Das Dokument trägt den Titel „Ein Warnruf“ und wurde von der gemeinnützigen britischen Organisation Inside Track zusammengetragen.Inside Track ermöglicht Führungskräften, sich anonym über ihre Geschäftsfelder zu äußern. Nach Angaben der Organisation gehören der nun auftretenden Gruppe Manager an, die in Großbritannien, der Schweiz und der Europäischen Union tätig sind.Drei Schritte bis zum RückzugDie Autoren warnen, Regierungen und Kunden könnten sich künftig nicht mehr darauf verlassen, dass Versicherer Schäden vollständig übernehmen.
Als bereits erkennbare Strategie beschreiben sie zunächst steigende Prämien, die den Schutz für viele Kunden unbezahlbar machen könnten.In einem zweiten Schritt würden Leistungen angepasst oder eingeschränkt. Als Beispiel nennt das Memo den Ausschluss von Waldbrandschäden aus Gebäudeversicherungen.Risiko für Hypotheken und ImmobilienAls dritten Schritt beschreiben die Insider den vollständigen Rückzug aus bestimmten Branchen, Regionen und Gemeinden.
Verlören Immobilien dadurch massenhaft ihren Versicherungsschutz, könnte dies nach ihrer Einschätzung in eine neue Finanzkrise münden.Zur Begründung verweisen die Autoren auf die globale Finanzkrise von 2008. Die Destabilisierung des Hypothekenmarktes habe damals maßgeblich zur Krise beigetragen.
„Wir befürchten, dass eine starke Zunahme unversicherter, besonders gefährdeter Immobilien eine ähnliche Entwicklung auslösen könnte“, schreiben die Insider.
Die Warnung verweist auf ein strukturelles Problem des Versicherungsmarktes: Steigende Schäden durch Naturgefahren erhöhen den Druck auf Prämien, Selbstbehalte und Deckungsumfänge. Besonders betroffen sind Regionen mit hoher Gefährdung durch Überschwemmungen, Waldbrände, Stürme oder andere Extremwetterereignisse.Für Eigentümer bedeutet ein Rückzug der Versicherer nicht nur ein höheres persönliches Schadensrisiko. Gebäudeversicherungen spielen auch bei Finanzierung und Beleihung eine zentrale Rolle. Wenn Banken für Immobilienkredite einen ausreichenden Versicherungsschutz verlangen, können unbezahlbare oder nicht verfügbare Policen den Kauf, Verkauf und die Refinanzierung von Immobilien erschweren.Risiken für ImmobilienmärkteDie im Memo beschriebene Abfolge aus höheren Preisen, Leistungsausschlüssen und regionalem Rückzug würde Risiken vom Versicherungssektor auf Haushalte, Unternehmen und Staaten verlagern. Öffentliche Hilfen könnten nach Großschäden zwar kurzfristig stabilisieren, würden aber zugleich die Belastung der öffentlichen Haushalte erhöhen.Der Vergleich mit der Finanzkrise von 2008 zielt auf die Verbindung zwischen Immobilienwerten, Hypotheken und Finanzstabilität. Eine direkte Wiederholung ist damit nicht belegt; die Warnung macht jedoch deutlich, dass fehlender Versicherungsschutz über einzelne Schadensfälle hinaus auf Kreditmärkte und regionale Wirtschaften ausstrahlen kann.Politischer HandlungsdruckIm Mittelpunkt stehen deshalb Prävention, Bauvorgaben, eine bessere Risikoverteilung und die Frage, welchen Anteil Staaten oder gemeinsame Fonds übernehmen sollen.
Für Versicherte bleibt entscheidend, wie sich Prämien, Ausschlüsse und Kündigungsregeln in besonders gefährdeten Gebieten entwickeln.