Galeria-Insolvenz: Verdi-Chef sieht Kaufhaus-Konzept nicht tot

heute 10:27 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Verdi-Chef Frank Werneke sieht trotz der erneuten Galeria-Insolvenz Chancen für Warenhäuser. Dafür müssten Eigentümer in Sortiment, Verkaufsflächen und Arbeitsbedingungen investieren; zugleich fordert er Schutz vor subventionierten Billigimporten.

Kaufhaus (Archiv)
Kaufhaus (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Verdi fordert Investitionen in KaufhäuserVerdi-Chef Frank Werneke warnt nach der vierten Insolvenz der Warenhauskette Galeria innerhalb von sechs Jahren vor den Folgen für Beschäftigte und Innenstädte. Zugleich hält er das Kaufhauskonzept für zukunftsfähig, wenn Eigentümer dauerhaft in Sortiment, Verkaufsbedingungen und Ambiente investieren.Kritik an Eigentümern und LohnopfernDas Unternehmen sei wiederholt „Hasardeuren in die Hände gefallen“, sagte Werneke der Funke-Mediengruppe. Die Belegschaft habe über Jahre durch abgesenkte Löhne Opfer gebracht, während Eigentümer sich bereichert und leere Versprechungen abgegeben hätten.Warenhäuser als InnenstadtankerNach Ansicht des Verdi-Chefs sind Kaufhäuser nicht grundsätzlich überholt. Als Beispiele nannte er Galeries Lafayette in Frankreich, El Corte Inglés in Spanien und Breuninger in Deutschland.Attraktive Produkte, gute Verkaufsbedingungen und ein überzeugendes Ambiente seien entscheidend. Bei Galeria habe es in den vergangenen Jahren an solchen Investitionen gefehlt; nun stünden erneut zahlreiche Häuser auf der Kippe.Verdi verlangt andere HandelspolitikIn der Debatte über mögliche Schutzzölle fordert Werneke einen stärkeren Schutz europäischer Märkte vor subventionierten Billigimporten.

Das massenhafte Paketaufkommen von Onlinehändlern aus Fernost sei ein „Killer für die deutschen Innenstädte“.Zölle auf China-ImporteWerneke verwies auf Temu und Shein und kritisierte, dass Waren bislang millionenfach täglich zollfrei nach Deutschland gelangt seien.

Dabei fehlten nach seiner Darstellung häufig ausreichender Arbeitsschutz bei der Herstellung und Produktsicherheit.Die EU erhebe inzwischen Zölle, für die Verdi gekämpft habe. Dadurch seien die Umsätze der Billighändler aus China nach Wernekes Angaben um 40 Prozent zurückgegangen.
Die vierte Insolvenz von Galeria innerhalb von sechs Jahren steht für die wiederkehrende Krise eines Geschäftsmodells, das hohe Kosten für Filialen, Personal und Warenbestände mit dem wachsenden Onlinehandel verbinden muss. Kaufhäuser bleiben in vielen Innenstädten wichtige Ankerpunkte, ihre wirtschaftliche Funktion hängt jedoch davon ab, ob sie ausreichend Kunden anziehen und sich gegen digitale Anbieter behaupten können.Wernekes Hinweis auf Investitionen zielt deshalb auf mehr als die Ausstattung einzelner Häuser. Attraktive Sortimente, zeitgemäße Verkaufsflächen und verlässliche Arbeitsbedingungen sollen den stationären Handel vom reinen Preisvergleich abheben.

Zugleich erhöhen sinkende Löhne und wiederholte Eigentümerwechsel den Druck auf Beschäftigte, während Kommunen bei Schließungen mit Leerständen und einem Verlust an Besucherfrequenz rechnen müssen.Innenstädte zwischen Handel und StrukturwandelDie Debatte über Zölle verbindet die Galeria-Krise mit einem zweiten Problem: Plattformen aus Fernost verkaufen Waren zu sehr niedrigen Preisen und liefern sie direkt an Verbraucher. Höhere Abgaben können Wettbewerbsbedingungen verändern, ersetzen aber keine tragfähige Strategie für einzelne Kaufhäuser. Für Galeria und andere Warenhäuser entscheidet daher vor allem, ob Eigentümer dauerhaft Kapital bereitstellen und die Häuser konzeptionell an veränderte Einkaufsgewohnheiten anpassen.Für Beschäftigte steht kurzfristig die Sicherung von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt. Für Städte geht es zugleich um die Nutzung großer Immobilien und die Frage, ob Kaufhäuser künftig als gemischte Orte mit Handel, Dienstleistungen, Gastronomie oder Kultur funktionieren können.

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