Frauenanteil in Länderparlamenten steigt nur gering
01.09.26 08:14 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Frauenanteil in den Länderparlamenten Deutschlands ist zum Stichtag 1. September 2026 nur gering auf durchschnittlich 33,4 Prozent gestiegen. Besonders starke Unterschiede zeigen sich zwischen den Bundesländern und zwischen Landes-, Bundes- und Kommunalebene.
via dts Nachrichtenagentur
Frauen stellen in den Parlamenten in Deutschland weiterhin nur rund ein Drittel der Abgeordneten. In den Länderparlamenten lag ihr Anteil zum Stichtag 1. September 2026 im Schnitt bei 33,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.Leichter Anstieg gegenüber dem VorjahrGegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Frauenanteil in den Länderparlamenten lediglich um 0,2 Prozentpunkte. Damit setzt sich ein langsamer Aufwärtstrend fort, ohne dass sich die Zusammensetzung der Parlamente grundlegend verändert hätte. Längerfristig ist der Zuwachs ebenfalls moderat: Im Jahr 2008, als diese Zahlen erstmals veröffentlicht wurden, lag der Frauenanteil in den Länderparlamenten bei 32,3 Prozent und damit nur rund einem Prozentpunkt unter dem aktuellen Wert.Contraste zwischen den BundesländernZwischen den Ländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Den niedrigsten Frauenanteil verzeichnet der Bayerische Landtag mit 24,6 Prozent. Es folgen der Landtag in Sachsen mit 27,5 Prozent und der Landtag in Sachsen-Anhalt mit 27,8 Prozent. Am nächsten an einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis ist die Hamburgische Bürgerschaft, in der Frauen einen Anteil von 48,8 Prozent erreichen.
Dahinter liegen die Parlamente in Bremen mit 42,5 Prozent sowie Schleswig-Holstein und Berlin mit jeweils 37,7 Prozent.Einfluss jüngster LandtagswahlenDie jüngsten Landtagswahlen haben die Anteile in einzelnen Ländern spürbar bewegt. In Baden-Württemberg führte die Wahl im März 2026 dazu, dass im Landtag anteilig mehr Frauen vertreten sind als zuvor. In Rheinland-Pfalz ging der Frauenanteil im dortigen Landtag nach der ebenfalls im März 2026 abgehaltenen Wahl hingegen leicht zurück. Diese Ergebnisse zeigen, dass Wahlentscheidungen und Listenaufstellungen der Parteien den Frauenanteil in den Parlamenten jeweils neu beeinflussen.Vergleich mit Bundestag und KommunalebeneIm Vergleich ist der Frauenanteil in den Länderparlamenten aktuell etwas höher als im Bundestag. Dort lag der Anteil der Frauen bei 32,4 Prozent und damit 2,4 Prozentpunkte niedriger als nach der letzten Bundestagswahl. Noch geringer ist der Frauenanteil auf der kommunalen Ebene. In den Kreistagen der Landkreise sowie in den Stadträten der Stadtkreise und der kreisfreien Städte betrug der Frauenanteil durchschnittlich 30,7 Prozent.Langfristige Entwicklung in den KommunalvertretungenAuch in den kommunalen Vertretungen zeigt sich ein langsamer, aber kontinuierlicher Anstieg. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Frauenanteil dort um 0,5 Prozentpunkte. Im längerfristigen Vergleich hat sich der Frauenanteil auf kommunaler Ebene deutlicher erhöht als in den Länderparlamenten: Im Jahr 2008 waren erst 25,6 Prozent der Abgeordneten in kommunalen Vertretungen weiblich, inzwischen liegt ihr Anteil bei über 30 Prozent.
Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen, dass Frauen in den politischen Vertretungen Deutschlands weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Zwar liegt der Anteil der weiblichen Abgeordneten in den Länderparlamenten inzwischen etwas über einem Drittel, doch von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis ist die Realität in den meisten Ländern weit entfernt. Die leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr zeigt, dass Veränderungen stattfinden, aber nur sehr langsam.Regionale Unterschiede und politische RahmenbedingungenAuffällig sind die starken Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während einzelne Stadtstaaten bereits nahe an eine Parität herankommen, bleiben große Flächenländer deutlich zurück. Dahinter stehen unterschiedliche politische Kulturen, Parteienlandschaften und zum Teil auch verschiedene Wahlrechtsmodelle. In Ländern mit höherem Frauenanteil spielen etwa parteiinterne Quoten, gezielte Förderprogramme für Kandidatinnen und eine starke Präsenz von Parteien mit hohem Frauenanteil in den Fraktionen eine Rolle. In Ländern mit niedrigeren Werten wirken dagegen oft traditionelle Strukturen und geringere Rekrutierungsanstrengungen für Frauen in der Kommunal- und Landespolitik.Bedeutung für demokratische RepräsentationFür die demokratische Legitimation politischer Entscheidungen ist die Frage der Repräsentanz zentral: Wenn Frauen rund die Hälfte der Bevölkerung stellen, aber nur etwa ein Drittel der Mandate innehaben, spiegelt sich gesellschaftliche Vielfalt in den Parlamenten nur unvollständig wider. Dies betrifft sowohl Themen, die klassische Gleichstellungspolitik berühren, als auch Fragen der Verteilung öffentlicher Mittel, der Ausgestaltung von Familien-, Arbeits- und Sozialpolitik oder der Stadt- und Regionalentwicklung.
Gerade auf kommunaler Ebene, wo konkrete Alltagsentscheidungen getroffen werden, bleibt der Frauenanteil trotz eines langfristigen Anstiegs besonders niedrig.Ausblick: Langsame Fortschritte und mögliche HebelDie langfristige Entwicklung seit 2008 zeigt einen moderaten Anstieg, der jedoch keine sprunghaften Veränderungen erkennen lässt. Diskutiert werden daher seit Jahren unterschiedliche Instrumente, um den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen, etwa verbindliche oder freiwillige Quoten in Parteien, paritätische Wahlrechtsreformen, gezielte Nachwuchsförderung und bessere Vereinbarkeit von Mandat, Beruf und Familie. Ob und wie schnell solche Maßnahmen wirken, hängt von politischen Mehrheiten und gesellschaftlicher Akzeptanz ab. Klar ist jedoch: Ohne zusätzliche Anstrengungen dürfte der Weg zu annähernder Parität in den deutschen Parlamenten noch lange dauern.