Forsa-Umfrage: Mehrheit hält Kanzler Merz für schlechter als Scholz und Merkel

01.09.26 14:46 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine Forsa-Umfrage für RTL und ntv zeigt: Die Mehrheit der Bundesbürger bewertet die Amtszeit von Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich schlechter als erwartet und sieht ihn auch im Vergleich zu Olaf Scholz und Angela Merkel im Minus. Gleichzeitig äußern viele Zweifel an der Sozialpolitik der Großen Koalition, während die Mehrheit an ihre Stabilität glaubt und eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt.

Friedrich Merz und Olaf Scholz (Archiv)
Friedrich Merz und Olaf Scholz (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger zieht nach mehr als 15 Monaten Amtszeit von Bundeskanzler Friedrich Merz eine negative Bilanz. Laut einer Erhebung von Forsa für die Sender RTL und ntv Trendbarometer sind 78 Prozent der Auffassung, dass Merz seine Arbeit als Bundeskanzler schlechter macht, als sie es vor seinem Amtsantritt erwartet hatten.Erwartungen an Kanzler Merz bleiben unerfüllt20 Prozent der Befragten geben an, Merz regiere in etwa so, wie sie es erwartet hatten.

Lediglich ein Prozent ist der Meinung, der Kanzler habe ihre Erwartungen übertroffen.

Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU sagen 59 Prozent, dass Merz schlechter arbeite, als sie es vor seinem Amtsantritt angenommen hatten.Auch im Vergleich mit seinen Amtsvorgängern fällt das Urteil deutlich aus. Nur 17 Prozent der Bundesbürger halten Merz bislang für einen besseren Kanzler als Olaf Scholz, 54 Prozent sehen ihn als schlechteren Kanzler, weitere 28 Prozent erkennen keinen Unterschied zwischen beiden. Im August 2025 hatten noch 31 Prozent Merz für besser und lediglich 19 Prozent für schlechter als Scholz gehalten.Schlechtere Werte als Vorgänger Scholz und MerkelNoch kritischer fällt der Vergleich mit Angela Merkel aus. Nur sieben Prozent halten Merz für einen besseren Kanzler als seine Vorvorgängerin, 71 Prozent dagegen für einen schlechteren.

Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU teilen 57 Prozent diese Einschätzung.Auch bei der Bewertung persönlicher und politischer Eigenschaften schneidet Merz überwiegend schwach ab. 27 Prozent der Bundesbürger halten ihn für kompetent, 16 Prozent bescheinigen ihm, seine Politik verständlich erklären zu können. 15 Prozent halten ihn für vertrauenswürdig und zwölf Prozent sind der Ansicht, dass er wisse, was die Menschen bewege. Lediglich acht Prozent finden, dass Merz im Umgang mit den Bürgern den richtigen Ton trifft.Gemischtes Bild bei den Anhängern der UnionUnter den Anhängern der Union fällt das Urteil zwar freundlicher aus, bleibt aber ebenfalls differenziert. 70 Prozent der CDU/CSU-Anhänger halten den Kanzler für kompetent, 52 Prozent stufen ihn als vertrauenswürdig ein. Gleichzeitig steht auch in diesem Lager eine beträchtliche Minderheit den persönlichen und politischen Eigenschaften von Merz kritisch gegenüber.Kritisch bewertet wird zudem die Sozialpolitik der Bundesregierung insgesamt. Nur 14 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass die bisherige Politik sozial ausgewogen ist und die Interessen von Beziehern niedriger und mittlerer Einkommen ausreichend berücksichtigt. 82 Prozent sind gegenteiliger Meinung.Sozialpolitik der großen Koalition unter DruckBesonders deutlich ist die Kritik an der Sozialpolitik unter den Anhängern des Koalitionspartners SPD: 88 Prozent von ihnen halten die bisherige Politik nicht für sozial ausgewogen.

Bei den Anhängern von CDU und CSU ergibt sich ein anderes Bild: Dort sehen 56 Prozent die Politik der Bundesregierung als sozial ausgewogen an.Trotz der kritischen Bewertungen für Kanzler und Regierung rechnet eine Mehrheit nicht mit einem vorzeitigen Ende der Koalition. 57 Prozent glauben, dass die Koalition aus Union und SPD auch Ende des Jahres noch Bestand haben wird. 33 Prozent erwarten, dass sie vorher auseinanderbrechen wird.Mehrheit erwartet Fortbestand der KoalitionBesonders zuversichtlich hinsichtlich des Fortbestands der Regierung zeigen sich die Anhänger der SPD mit 77 Prozent und der CDU/CSU mit 71 Prozent. Unter den Anhängern der AfD rechnen dagegen 55 Prozent mit einem vorzeitigen Scheitern der Koalition.Beim Umgang mit der AfD sprechen sich die Bundesbürger mehrheitlich gegen eine Annäherung aus. 60 Prozent finden es richtig, dass CDU und CSU jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen. 35 Prozent sind der Auffassung, die Union sollte künftig auch mit der AfD kooperieren.Klare Mehrheit gegen Zusammenarbeit mit der AfDUnter den Anhängern von CDU und CSU unterstützen 81 Prozent die Abgrenzung gegenüber der AfD. Bei der SPD sind es 82 Prozent, bei den Grünen sogar 91 Prozent und bei der Linken 83 Prozent. Die AfD-Anhänger sprechen sich dagegen zu 92 Prozent für eine Zusammenarbeit mit der Union aus.
Die Umfrage zeichnet das Bild eines Bundeskanzlers Friedrich Merz, dessen Rückhalt in der Bevölkerung deutlich geschwächt ist. Auffällig ist vor allem, dass die Unzufriedenheit nicht nur bei Anhängern anderer Parteien, sondern sogar im eigenen Lager der Union stark ausgeprägt ist. Der Vergleich mit seinen Vorgängern Olaf Scholz und Angela Merkel gerät für Merz klar negativ, was auf eine anhaltende Skepsis gegenüber seinem Regierungsstil und seiner Kommunikationsfähigkeit hindeutet.Einordnung der Kanzler-BewertungBewertungen amtierender Regierungschefs fallen in der Mitte einer Legislatur häufig kritischer aus, weil sich anfängliche Erwartungen mit der politischen Realität reiben.

Dennoch ist der hier gemessene Abstand zu Scholz und vor allem zu Merkel ungewöhnlich deutlich. Dass Merz selbst bei Kernkompetenzen wie Fachkenntnis, Vertrauenswürdigkeit und Bürgernähe nur auf Zustimmungswerte im unteren zweistelligen Bereich kommt, verweist auf ein breites Glaubwürdigkeitsproblem, das über einzelne politische Entscheidungen hinausgeht.Regierungskoalition und SozialpolitikDie verbreitete Einschätzung, die Sozialpolitik der Bundesregierung sei nicht ausgewogen, spiegelt eine anhaltende Verunsicherung vieler Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen wider. Vor allem Anhänger der SPD, die traditionell als Interessenvertreter dieser Gruppen gilt, äußern deutliche Kritik – ein Hinweis auf Spannungen zwischen programmatischem Anspruch und wahrgenommener Realität. Dass hingegen eine relative Mehrheit der Unionsanhänger die Sozialpolitik als ausgewogen betrachtet, zeigt, wie stark parteipolitische Brillen die Wahrnehmung staatlicher Maßnahmen prägen.Koalitionsstabilität und Verhältnis zur AfDTrotz der schlechten Bewertungen für Kanzler und Regierung hält die Mehrheit der Befragten die große Koalition aus Union und SPD für stabil genug, um zumindest bis zum Jahresende fortzubestehen.

Politische Unzufriedenheit übersetzt sich damit nicht automatisch in Erwartungen eines Koalitionsbruchs. Zugleich zeigt die klare Mehrheit gegen eine Zusammenarbeit von Union und AfD, dass die von CDU und CSU gezogene Brandmauer zur AfD in der Gesamtbevölkerung weiterhin Rückhalt findet – auch wenn ein relevanter Minderheitenanteil eine Öffnung befürwortet.

Diese Spannbreite könnte die strategische Lage der Union in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.

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