EU-Schienengüterverkehr sinkt 2025 um 1,8 Prozent auf 368 Mrd. tkm
heute 11:21 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Schienengüterverkehr in der EU hat 2025 im vierten Jahr in Folge an Transportleistung verloren, obwohl Politik und Wirtschaft ihn als zentralen Baustein für klimafreundliche Logistik sehen. Besonders stark betroffen sind einige kleinere Mitgliedstaaten, während Deutschland seine Rolle als größter Markt behauptet.
via dts Nachrichtenagentur
Der Schienengüterverkehr in der Europäischen Union ist im Jahr 2025 weiter geschrumpft und verzeichnete einen Rückgang der Transportleistung um 1,8 Prozent. Die beförderte Gütermenge fiel damit von 375,1 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2024 auf 368,2 Milliarden Tonnenkilometer.Eurostat meldet viertes Rückgangsjahr in FolgeNach Angaben des EU-Statistikamts Eurostat handelt es sich bereits um das vierte Jahr in Folge, in dem der Schienengüterverkehr in der EU rückläufig ist. Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Transportleistung seit mehreren Jahren kontinuierlich abnimmt und sich der Trend 2025 fortgesetzt hat.Besonders ins Gewicht fällt dabei der größte Markt der EU: Deutschland blieb der wichtigste Akteur und trug mit einem Drittel zur gesamten Schienengüterverkehrsleistung bei.
Das entspricht 123,5 Milliarden Tonnenkilometern und unterstreicht die zentrale Rolle des deutschen Netzes für den europäischen Güterverkehr.Deutschland führt, Polen und Frankreich folgenHinter Deutschland folgte Polen mit einem Anteil von 14,7 Prozent am EU-Schienengüterverkehr. Dort wurden 2025 insgesamt 54,3 Milliarden Tonnenkilometer erbracht. Frankreich belegte mit 9,3 Prozent und einer Transportleistung von 34,4 Milliarden Tonnenkilometern den dritten Platz.Insgesamt verzeichneten 16 EU-Mitgliedstaaten einen Rückgang der Transportleistung im Vergleich zu 2024, während acht Länder Zuwächse meldeten.
Die Statistik zeigt damit ein uneinheitliches Bild, in dem sich nationale Entwicklungen deutlich unterscheiden.Stärkste Rückgänge in Irland, Lettland und EstlandDie größten Einbußen beim Schienengüterverkehr wurden in Irland registriert, wo die Transportleistung um 35,2 Prozent zurückging. Auch Lettland verzeichnete mit einem Minus von 18,8 Prozent einen deutlichen Rückgang, gefolgt von Estland mit einem Rückgang von 17,3 Prozent.Auf der anderen Seite der Skala stehen Länder mit einem deutlichen Plus. Die stärksten Zuwächse meldeten Griechenland mit einem Anstieg der Transportleistung um 9,3 Prozent, Portugal mit einem Plus von 8,4 Prozent und Frankreich mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent.Pro-Kopf-Betrachtung zeigt große SpannbreiteDeutliche Unterschiede treten auch bei der Transportleistung je Einwohner zutage. Im Verhältnis zur Bevölkerung wurden in Luxemburg 10,7 Tonnen Schienengüterverkehr pro Kopf erbracht, in Österreich 10,5 Tonnen und in Litauen 8,5 Tonnen.
Diese Länder gehören damit zu den Spitzenreitern beim pro Kopf beförderten Gütervolumen.Am unteren Ende der Skala liegen Staaten mit sehr niedrigen Pro-Kopf-Werten. In Irland wurden lediglich 0,03 Tonnen Schienengüter pro Einwohner transportiert, in Griechenland 0,06 Tonnen und in Spanien 0,5 Tonnen.
Die Zahlen machen deutlich, wie unterschiedlich der Stellenwert des Schienengüterverkehrs innerhalb der Europäischen Union ausfällt.
Die aktuellen Zahlen zum Schienengüterverkehr in der EU zeigen eine anhaltende Schwächephase eines Verkehrsträgers, der politisch eigentlich gestärkt werden soll. Seit mehreren Jahren versuchen EU-Kommission und Mitgliedstaaten, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern, um Klimaziele zu erreichen und Straßen zu entlasten.
Dennoch setzen sich strukturelle Probleme durch: Kapazitätsengpässe, veraltete Infrastruktur, heterogene Regelwerke und ein intensiver Preiswettbewerb mit dem Straßengüterverkehr.Belastungsprobe für Klimaziele und LogistikkettenDass die Transportleistung im Schienengüterverkehr nun bereits das vierte Jahr in Folge sinkt, steht im Kontrast zu den Klimastrategien vieler Mitgliedstaaten und der EU-Gesetzgebung zum Green Deal. Jede Verlagerung zurück auf die Straße erhöht Emissionen, Verkehrsdichte und Abhängigkeit von Lkw-Fahrern. Für Industrie und Handel bedeutet ein schwächerer Schienengüterverkehr zugleich weniger Resilienz: Schienenverkehre sind für Massengüter wie Stahl, Chemie, Automobil- und Agrarprodukte zentral, insbesondere auf mittleren und langen Distanzen.Regionale Unterschiede und nationale VerantwortungDie Daten verdeutlichen zugleich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen in den Mitgliedstaaten sind. Deutschland bleibt mit seinem Drittel-Anteil der mit Abstand wichtigste Markt, was die Bedeutung eines funktionierenden deutschen Bahnnetzes für den gesamten EU-Güterverkehr unterstreicht. Stark rückläufige Werte in Ländern wie Irland, Lettland und Estland deuten auf veränderte Verkehrsströme, Strukturbrüche in Häfen oder im Transitverkehr sowie auf wirtschaftliche Schwächen hin. Zuwächse in Griechenland, Portugal und Frankreich zeigen, dass Investitionen, Reformen und neue Logistikströme vor Ort Wirkung entfalten können.Ausblick für Unternehmen und PolitikFür Verlader und Logistikdienstleister stellt sich zunehmend die Frage, ob die Schiene mittelfristig ein verlässlicher Bestandteil ihrer Transportketten bleibt oder ob sie stärker auf Straße und Wasserstraße ausweichen müssen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf nationale Regierungen und die EU, den rechtlichen und infrastrukturellen Rahmen so anzupassen, dass der Schienengüterverkehr wirtschaftlich konkurrenzfähig bleibt. Dazu gehören der Ausbau zentraler Korridore, die Digitalisierung von Betriebsprozessen und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern. Nur wenn diese Weichen gestellt werden, kann der Trend sinkender Transportleistungen gebrochen und die Rolle der Schiene im europäischen Güterverkehr stabilisiert werden.