ESA-Chef Aschbacher stellt Macron-Ziel zur Mondmission infrage

11.09.26 21:23 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

ESA-Chef Josef Aschbacher dämpft Erwartungen an eine europäische Mondmission binnen zehn Jahren und setzt stattdessen auf bemannte Flüge in die Erdumlaufbahn. Zugleich verweist er auf neue Investitionen in private Trägertechnologie und ein satellitengestütztes Sicherheitsprogramm.

Mond (Archiv)
Mond (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher hält eine eigenständige europäische Mondmission innerhalb der nächsten zehn Jahre für unrealistisch. Er reagiert damit auf die Forderung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Europa müsse in diesem Zeitraum eine eigene bemannte Mission zum Mond schaffen.Schrittweise Strategie statt schneller MondflugAschbacher betont, dass es in zehn Jahren möglich sei, europäische Astronauten aus eigener Kraft in den Weltraum zu bringen – jedoch zunächst in eine erdnahe Umlaufbahn. Ziel seien bemannte Flüge zum sogenannten Low Earth Orbit und zu Raumstationen, die als Vorstufe für spätere Missionen zum Mond und darüber hinaus gelten.

Damit skizziert der ESA-Chef eine schrittweise Strategie, bei der der Aufbau eigener Transportkapazitäten und Infrastruktur Vorrang hat.Private Raketen und neue InvestitionenDer geglückte Start einer Rakete des Münchner Unternehmens Isar Aerospace kurz vor einem Weltraumgipfel in Paris hat für Aschbacher einen hohen symbolischen Wert. Das Start-up soll nach seinen Angaben weitere 200 Millionen Euro für die Entwicklung seiner Trägersysteme erhalten.

Der ESA-Chef sieht darin ein Signal, dass Europa verstärkt auf innovative private Anbieter setzt, um den Zugang zum All auszubauen und unabhängiger von ausländischen Raketen zu werden.Weltraumgipfel in Paris und europäische AmbitionenDas Treffen in der französischen Hauptstadt mit rund 2.000 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft bewertet Aschbacher als Erfolg. Europa „wacht jetzt auf“, sagte er mit Blick auf die bisherigen Investitionsunterschiede zu den USA, die nach seinen Angaben bislang etwa das Fünffache für Aktivitäten im Weltraum ausgeben.

Nun stünden zusätzliche Mittel bereit, damit Europa im Wettbewerb mit den USA und China seine Position verbessern kann.Regeln im All und Verhältnis zu den USAAschbacher spricht sich für klare Regeln im Weltraum aus, vergleichbar mit dem internationalen Flugverkehr. Die USA lehnen solche verbindlichen Vorgaben bisher ab. Dass große US-Unternehmen wie SpaceX ihre Teilnahme am Gipfel in Paris auf Druck aus Washington abgesagt haben, wertet der ESA-Chef dennoch nicht als grundsätzlich ablehnende Haltung.

Auf praktischer Ebene funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA nach seinen Worten weiterhin gut, etwa bei gemeinsamen Missionen und Projekten.Satelliten gegen hybride BedrohungenDarüber hinaus beschreibt Aschbacher ein neues Beobachtungssystem, das die ESA mit hochauflösenden Satelliten aufbaut. Es soll helfen, hybriden Bedrohungen aus Russland entgegenzutreten und Vorfälle wie jüngst in Leipzig möglicherweise frühzeitig zu erkennen. Im Idealfall könnte nach seinen Angaben ab etwa 2030 alle 20 bis 30 Minuten von jedem Ort der Erde ein aktuelles Bild vorliegen, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz automatisch auf verdächtige Bewegungen geprüft wird. Für das Programm seien bereits 1,2 Milliarden Euro bewilligt worden, doch ein voll einsatzfähiges System werde noch einige Zeit brauchen.
Die Aussagen von ESA-Chef Josef Aschbacher markieren einen deutlichen Unterschied zwischen politischer Vision und technisch-industrieller Realität der europäischen Raumfahrt. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine eigenständige europäische Mondmission innerhalb von zehn Jahren fordert, betont Aschbacher, dass der erste realistische Schritt bemannte Flüge in eine erdnahe Umlaufbahn und zu Raumstationen sind. Damit setzt er die Priorität auf den Aufbau verlässlicher eigener Zugänge zum All, bevor ambitioniertere Ziele wie eine Mondlandung ins Auge gefasst werden.Europas Weg zur autonomen RaumfahrtDie Einordnung ist eingebettet in eine Phase, in der Europa seine Abhängigkeit von den USA und anderen Raumfahrtnationen verringern will. Aschbacher weist darauf hin, dass die USA bislang ein Vielfaches der europäischen Mittel in Raumfahrtprogramme investieren.

Neue Trägersysteme, etwa von privaten Anbietern wie Isar Aerospace, sollen dazu beitragen, dass Europa wieder über eigene Startkapazitäten verfügt und nicht auf russische oder amerikanische Raketen angewiesen ist. Die zugesagte weitere Finanzierung für das Münchner Start-up zeigt, dass institutionelle und private Raumfahrtakteure enger zusammenrücken.Sicherheitspolitischer Kontext und technologische AufrüstungMit dem geplanten Beobachtungssystem aus hochauflösenden Satelliten greift die ESA zudem sicherheitspolitische Sorgen in Europa auf. Die Möglichkeit, nahezu in Echtzeit Veränderungen am Boden zu erfassen und mit künstlicher Intelligenz auszuwerten, zielt auf die Abwehr hybrider Bedrohungen, insbesondere aus Russland. Vorfälle wie in Leipzig dienen Aschbacher als Beispiel für Situationen, in denen bessere Überwachung und schnellere Lagebilder helfen könnten, Risiken früher zu erkennen.

Zugleich macht er deutlich, dass ein voll einsatzfähiges System Zeit braucht und die bisher zugesagten Mittel nur ein Einstieg in ein langfristig angelegtes Programm sind.Kooperation und Konkurrenz mit den USA und ChinaAschbachers Hinweis auf klare Regeln im Weltraum und die teils kritische Haltung der USA gegenüber solchen Regulierungsansätzen zeigt, dass die europäische Raumfahrtpolitik zunehmend zwischen Kooperation und strategischer Konkurrenz agieren muss. Auch wenn hochrangige US-Unternehmen auf Druck aus Washington einen Gipfel in Paris gemieden haben, betont der ESA-Chef, dass die praktische Zusammenarbeit im Alltag funktioniert. Europa versucht damit, seine Handlungsfähigkeit im All zu stärken, ohne sich von wichtigen Partnern zu lösen.

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