El-Erian warnt vor weltweiten Folgen steigender US-Anleiherenditen
vor 49 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Der Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian warnt vor weltweiten Folgen deutlich gestiegener US-Anleiherenditen und sieht vor allem Frankreich, Großbritannien und Japan unter Druck. Höhere Renditen in den USA zwingen andere Staaten dazu, ihre eigenen Finanzprobleme entschlossener anzugehen.
via dts Nachrichtenagentur
Steigende Renditen auf US-Staatsanleihen setzen nach Einschätzung des Kapitalmarktexperten Mohamed El-Erian Regierungen in Europa und weltweit zunehmend unter Druck. Anleger könnten in den USA inzwischen deutlich höhere Erträge erzielen, weshalb andere Länder mehr bieten müssten, um Kapital anzuziehen, sagte er dem „Handelsblatt“.US-Anleihemarkt mit Signalwirkung für die WeltEl-Erian betonte, die Entwicklungen am US-Anleihemarkt blieben nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Am verwundbarsten seien aus seiner Sicht derzeit Frankreich, Großbritannien und Japan. Steigende Refinanzierungskosten träfen dort auf bereits hohe Schuldenstände und enge fiskalische Spielräume.In den vergangenen Wochen waren die Renditen längerfristiger US-Staatspapiere spürbar gestiegen.
Das US-Finanzministerium reagierte darauf mit einer Reihe ungewöhnlicher Eingriffe am Kapitalmarkt, um die Situation zu stabilisieren.
Diese Maßnahmen hatten jedoch nur kurzfristige Wirkung, die Effekte verpufften laut El-Erian rasch wieder.Ungleichgewicht am Markt für StaatsanleihenDer Kapitalmarktexperte sieht den US-Anleihemarkt in einem anhaltenden Ungleichgewicht. Auf der einen Seite sei der Kapitalbedarf großer Technologiekonzerne extrem hoch, gleichzeitig müsse auch die US-Regierung zusätzliche Anleihen begeben, um ihren Finanzierungsbedarf zu decken.
Auf der anderen Seite gebe es weniger Käufer, die diese zusätzlichen Papiere aufnehmen könnten.Dieses Missverhältnis treibe die Renditen nach oben, erklärte El-Erian, der auch an der renommierten Wharton Business School lehrt und unter anderem den Versicherungskonzern Allianz berät. Die höheren Zinsen erschwerten politische Anstrengungen rund um den Globus, etwa bei Investitionsprogrammen oder der Stabilisierung öffentlicher Haushalte.Folgen für andere StaatenNach Einschätzung El-Erians wird die Situation in den USA andere Staaten dazu zwingen, ihre eigenen strukturellen Probleme entschiedener anzugehen.
Länder, die bereits vor steigenden Zinsen mit hohen Schulden, schwachem Wachstum oder politischer Unsicherheit zu kämpfen haben, könnten besonders unter Druck geraten.
Finanzministerien und Notenbanken stünden damit vor der Aufgabe, Stabilität an den Märkten zu sichern und gleichzeitig langfristige Reformen zu gestalten.Lesen Sie diese Meldung gern weiter – und leiten Sie den Artikel an Freunde weiter.
Die Warnung von Mohamed El-Erian knüpft an eine Phase erhöhter Nervosität an den globalen Anleihe- und Kapitalmärkten an. Steigende Renditen auf US-Staatsanleihen gelten seit jeher als Referenz für die weltweiten Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen. Da viele institutionelle Investoren ihre Portfolios stark an US-Titeln ausrichten, erzeugen Renditesprünge dort eine Kettenreaktion in anderen Märkten.Hintergrund: US-Renditen als globale LeitgrößeUS-Staatsanleihen werden als besonders sicher eingestuft und bilden für viele Anleger den Vergleichsmaßstab für Risiko und Rendite. Legen ihre Renditen deutlich zu, müssen andere Emittenten – von europäischen Staaten bis zu Unternehmen in Schwellenländern – höhere Zinsen bieten, um Kapital zu erhalten.
Das kann Haushalte und Unternehmensfinanzierungen belasten und in hoch verschuldeten Ländern schnell zu politischen Spannungen führen.Hinzu kommt, dass die US-Regierung zur Finanzierung ihrer Defizite erhebliche Summen am Markt aufnehmen muss. Gleichzeitig sind große Tech-Konzerne auf fortlaufende Kapitalzufuhr angewiesen, was die Konkurrenz um Anlagemittel verschärft. Wenn die Nachfrage der klassischen Käufergruppen, etwa Notenbanken oder große Fonds, nicht Schritt hält, steigen die Renditen weiter – mit globalen Folgen.Besondere Verwundbarkeit einzelner LänderEl-Erian hebt mit Frankreich, Großbritannien und Japan drei Industrieländer hervor, deren Staatsfinanzen und Schuldenniveaus besonders genau beobachtet werden.
Steigende Finanzierungskosten können dort bestehende fiskalische Spielräume einengen und Diskussionen über Konsolidierung oder Reformen verschärfen.
Für die Geldpolitik bedeutet das ein schwierigeres Umfeld, weil Inflationsbekämpfung und Schuldentragfähigkeit stärker miteinander in Konflikt geraten können.Für Anleger und Bürger beeinflussen solche Entwicklungen mittelfristig Kreditkosten, Sparrenditen und die Stabilität öffentlicher Haushalte. Steigende Anleiherenditen erschweren vielen Regierungen die Umsetzung politischer Projekte, können aber auch Reformdruck erhöhen.
El-Erians Hinweis, andere Staaten müssten „etwas gegen ihre eigenen Probleme unternehmen“, zielt darauf, dass strukturelle Defizite und hohe Schulden ohne nachhaltige Finanzpolitik in einem Umfeld höherer Zinsen schwerer beherrschbar werden.