Die japanische Ausnahmekünstlerin Yayoi Kusama ist mit 97 Jahren verstorben

27.08.26 07:18 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Yayoi Kusama, eine der prägenden japanischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Ihr Tod wurde vom Yayoi Kusama Museum und ihrer Stiftung am Donnerstag bestätigt.

Fahne von Japan (Archiv)
Fahne von Japan (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Kusama verstarb bereits am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio – ihr Tod wurde jedoch erst einige Tage später offiziell bekannt gegeben.

Leben zwischen zwei Welten
Die Nachkriegszeit prägte Kusama nachhaltig. In den Jahren von 1958 bis 1972 war sie vor allem in New York aktiv, wo sie mit ihren Experimenten zwischen Happening, Kunstperformance und Pop-Art für Aufsehen sorgte. Viele von Kusamas stärksten Werken und Aktionen stammen aus dieser pulsierenden Zeit, die sie künstlerisch wie menschlich prägte.

Punkte, Weichheit und Grenzgänge
Wer an Kusama denkt, kann die farbig getupften „Polka Dots“ kaum vergessen – ein Motiv, das sie über Jahrzehnte obsessiv immer neu befragte und auf alles „punktete“, was sie umgab: Gemälde, Skulpturen, Möbel oder gar menschliche Körper. Ihre teils phantastisch-bunten Arbeiten wirken auf den ersten Blick spielerisch, tragen aber nicht selten Spuren von Einsamkeit, Sehnsucht und der Suche nach Identität.

Das eigene Museum – sichtbare Spuren in der Kunstgeschichte
Mit der Eröffnung des Yayoi Kusama Museums 2017 in Tokio setzte sie sich selbst denkbar gegenwärtig ein Denkmal. Auch durch ihre experimentelle Arbeit mit sogenannten Soft Sculptures – Skulpturen aus Stoffen, Schaumstoff und anderen flexiblen Materialien – grenzte sie sich kompromisslos vom Herkömmlichen ab. Sie ließ starre Konventionen zerfließen, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Übrigens ist mir oft aufgefallen, wie wenig Berührungsängste Kusama beim Überschreiten von Grenzen hatte – sei es in der Wahl ihrer Medien oder Themen.
Yayoi Kusama, gebürtig aus Matsumoto, wurde besonders durch ihre avantgardistischen Punktemuster und Rauminstallationen weltbekannt. Zu ihren wichtigsten Werken zählen Infinity Mirror Rooms, die Besucherinnen und Besucher in scheinbar endlose Welten entführen – fast wie ein Spiel mit Unendlichkeit und Selbstauflösung.

Kusama hat nicht nur die westliche Kunstszene maßgeblich beeinflusst, sondern führte auch in Japan zu einem neuen Blick auf zeitgenössische Kunst und den Umgang mit psychischen Erkrankungen, über die sie selbst offen sprach.

Derweil wurde Kusamas Kunst aktuell in internationalen Museen erneut aufgegriffen, unter anderem durch Sonderausstellungen in Paris und Berlin, was ihre ungebrochene Relevanz unterstreicht. Ihr Tod markiert einen wichtigen Moment für die Kunstwelt, die nun Bilanz zieht über ihr Wirken zwischen Radikalität, Verletzlichkeit und ikonischer Bildsprache. Kusamas künstlerische Handschrift wirkt – so scheint es – auch nach ihrem Tod weiter fort.


Der erste ausführliche Artikel der Süddeutschen Zeitung betrachtet Kusamas Lebenswerk im Spiegel gesellschaftlicher Tabus und betont, wie mutig Kusama über psychische Krisen, gesellschaftlichen Druck und ihre ganz eigene Vision der weiblichen Kunstöffentlichkeit sprach. In Interviews wird ihr ambivalentes Verhältnis zu Ruhm und Selbstinszenierung hervorgehoben, das besonders in späten Jahren zu einem Wechselspiel aus Rückzug und Medienpräsenz führte. Auch ihre harsche Kritik an der Männerdominanz in der internationalen Kunstwelt wird thematisiert (Quelle: Süddeutsche Zeitung).
Ein Beitrag auf DW.com stellt die Einflüsse von Kusamas Kindheit in einer konservativen Familie dar und beschreibt, wie die Künstlerin früh unter Halluzinationen litt, die in ihren Werken als Muster und sich wiederholende Objekte Ausdruck fanden.

Erwähnt wird auch, dass Kusama sich selbst seit über 40 Jahren freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio behandelt ließ – dies verschaffte ihr Geborgenheit und künstlerischen Freiraum. Das spiegelt sich bis heute in ihren Installationen, etwa den raumfüllenden Spiegelkabinetten, wider (Quelle: DW.com).
Von Der Spiegel erschien ein Nachruf, der Kusamas Rolle als Brückenbauerin zwischen Ost und West betont und schildert, wie sie mit ihren popkulturellen Einflüssen und ihrem Gespür für Inszenierung sowohl Kritiker als auch ein breites Publikum begeisterte. Ihre Fähigkeit, mit frischen Ideen wie großformatigen Kürbis-Skulpturen oder allumfassenden Räumen aus Licht und Farbe zu irritieren, habe ihre Kunst bis zuletzt junggehalten.

Überraschend viele jüngere Künstler:innen nennen Kusama als Einfluss (Quelle: Der Spiegel).

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