DFB-Chef Neuendorf verweigert Infantino im März die Stimme
heute 05:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigt an, Gianni Infantino bei der Fifa-Wahl im März nicht zu unterstützen. Zugleich fordert er bis zum 18. November einen Gegenkandidaten und kritisiert den Umgang mit dem Fall Folarin Balogun sowie einen geplanten Investorendeal.
Pressefoto Ulmer/Markus Ulmer via dts Nachrichtenagentur
DFB-Präsident Bernd Neuendorf will bei der Fifa-Wahl im März nicht für Amtsinhaber Gianni Infantino stimmen.
Das sagte Neuendorf dem „Tagesspiegel“ vor dem Uefa-Kongress, der in dieser Woche in Berlin stattfindet.Neuendorf spricht Infantino das Vertrauen abInfantino sei als Fifa-Chef „nicht mehr tragbar“, sagte Neuendorf. Er habe dem Fußball erheblich geschadet und im DFB jegliches Vertrauen verspielt.Neuendorf forderte deshalb die „Rote Karte“ für den Fifa-Präsidenten: „Wir müssen ihn vom Platz stellen.“ Dabei bezog er sich insbesondere auf den Fall des US-Spielers Folarin Balogun.Kritik an Umgang mit BalogunDie Fifa hatte die Sperre nach einer Roten Karte gegen Balogun zurückgezogen, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Für Neuendorf war dieser Vorgang „vollkommen inakzeptabel“.Spätestens danach habe man sich von Infantino und dem von ihm so bezeichneten „System Infantino“ distanzieren müssen, sagte der DFB-Chef.DFB lehnt geplanten Investorendeal abAuch den geplanten Investorendeal kritisierte Neuendorf scharf. Eine Fußball-WM dürfe man nicht an Investoren verkaufen, sagte er und bezeichnete das Vorhaben als „Unding“.Der DFB hätte sich nach Neuendorfs Einschätzung zum Spielball externer Interessen gemacht. Zugleich plädierte er dafür, bis zum 18. November einen Gegenkandidaten für die Fifa-Wahl im März aufzustellen.Gegenkandidat muss nicht aus Europa kommenDer Kandidat müsse nicht zwingend aus Europa stammen, sondern könne auch von einer anderen Konföderation kommen.
Infantino sei seit zehn Jahren im Amt und habe eine Fifa-Kultur etabliert, die einen grundlegenden Wandel erfordere, sagte Neuendorf.Es könne nicht sein, dass derjenige, der für die heutigen Zustände verantwortlich sei, den notwendigen Reformprozess steuere, so der DFB-Präsident.
Bernd Neuendorfs angekündigte Nicht-Unterstützung für Gianni Infantino richtet den Blick auf die bevorstehende Machtentscheidung an der Spitze des Weltfußballs. Der DFB-Präsident verbindet seine Haltung nicht nur mit einzelnen Entscheidungen, sondern mit einer grundsätzlichen Kritik an der Führungskultur der Fifa. Damit wird aus einer nationalen Verbandsposition ein europäisch und international relevantes Signal.Besonders schwer wiegt der von Neuendorf angeführte Fall Folarin Balogun. Die Rücknahme einer Sperre nach einem direkten Gespräch zwischen Donald Trump und Infantino steht dabei für die von Neuendorf kritisierte Vermischung sportlicher Entscheidungen mit politischen Einflussmöglichkeiten.
Für Verbände geht es damit um die Frage, ob Regeln unabhängig von Rang, Herkunft und politischem Gewicht angewendet werden.Wahlkampf mit offenem AusgangDer DFB drängt zugleich auf einen Gegenkandidaten bis zum 18. November. Neuendorfs Hinweis, dieser müsse nicht aus Europa kommen, zeigt, dass die Kritik nicht als rein europäischer Machtkampf angelegt ist. Entscheidend dürfte sein, ob sich mehrere Konföderationen auf eine gemeinsame Alternative verständigen können.Infantino ist seit 2016 Fifa-Präsident und strebt im März eine weitere Amtszeit an. Ein Gegenkandidat müsste deshalb nicht nur öffentlich für Reformen stehen, sondern auch genügend Unterstützung der Mitgliedsverbände organisieren.
Der Streit über den geplanten Investorendeal erweitert die Auseinandersetzung um die wirtschaftliche Kontrolle über zentrale Fifa-Projekte und die Frage, wie weit externe Kapitalinteressen den internationalen Fußball prägen dürfen.