Deutschlandtrend: AfD liegt mit 27 Prozent klar vor der Union
03.09.26 18:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine neue Infratest-Umfrage für den ARD-Deutschlandtrend sieht die AfD mit 27 Prozent deutlich vor der Union, während SPD und Linke leicht zulegen. Zugleich erreicht Bundeskanzler Friedrich Merz erneut einen historischen Tiefstwert bei der Kanzlerzufriedenheit.
via dts Nachrichtenagentur
In einer neuen Infratest-Umfrage für den ARD-Deutschlandtrend liegt die AfD mit 27 Prozent deutlich vor der Union, die wie im Vormonat auf 21 Prozent kommt. SPD und Linke gewinnen leicht hinzu, während die FDP weiter unterhalb der Mandatsschwelle bleibt.AfD baut Vorsprung vor Union ausWäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, käme die AfD laut Erhebung auf 27 Prozent und wäre damit klar stärkste Kraft. Zwar verliert sie im Vergleich zu Anfang August einen Prozentpunkt, bleibt aber deutlich vor der Union, die unverändert bei 21 Prozent liegt. Die Grünen halten ihren Wert von 15 Prozent und behaupten damit ihre Position als drittstärkste Kraft.Gewinner der aktuellen Befragung sind die SPD und die Linke. Die Sozialdemokraten verbessern sich um einen Punkt auf nun 13 Prozent. Die Linke steigt ebenfalls um einen Punkt und erreicht 12 Prozent. Die FDP verharrt bei 4 Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag verfehlen.
Alle übrigen Parteien kommen zusammen auf 8 Prozent, ein Minus von einem Punkt.Geringe Zufriedenheit mit BundesregierungMit der Arbeit der Bundesregierung sind derzeit 15 Prozent der Wahlberechtigten sehr zufrieden oder zufrieden.
Das sind zwei Prozentpunkte mehr als Anfang August. Gleichzeitig geben 84 Prozent an, weniger oder gar nicht zufrieden zu sein, auch wenn dieser Wert leicht sinkt.Auch die Bewertung der Arbeit von Union und SPD fällt kritisch aus. 84 Prozent sind mit beiden großen Parteien weniger oder gar nicht zufrieden.
Damit bleibt die Skepsis gegenüber der Regierungskoalition hoch, trotz leichter Bewegungen bei den Zustimmungswerten.Historischer Tiefstwert für Kanzler MerzBundeskanzler Friedrich Merz erreicht erneut einen besonders niedrigen persönlichen Wert. Nur 13 Prozent der Wahlberechtigten sind sehr zufrieden oder zufrieden mit seiner Arbeit, ein Rückgang um einen Punkt gegenüber August. Wie bereits im Juli markiert dieser Wert den niedrigsten Zufriedenheitsstand eines Kanzlers seit Beginn des ARD-Deutschlandtrends.83 Prozent zeigen sich mit der Arbeit des Kanzlers weniger oder gar nicht zufrieden, was ebenfalls einen leichten Rückgang bedeutet.
Die Zahlen unterstreichen den anhaltenden Vertrauensverlust in die Spitzenfigur der Bundesregierung.Bewertung der Ministerinnen und MinisterDeutlich besser fällt die Bewertung für Verteidigungsminister Boris Pistorius aus. Mit ihm sind derzeit 51 Prozent der Wahlberechtigten sehr zufrieden oder zufrieden, auch wenn dies ein Rückgang um zwei Punkte bedeutet.
Außenminister Johann Wadephul erreicht 34 Prozent Zufriedenheit, ein Plus von zwei Punkten.Innenminister Alexander Dobrindt kommt auf 30 Prozent Zufriedenheit, ebenfalls mit einem Plus von zwei Punkten.
Gleichzeitig sind 52 Prozent mit seiner Arbeit unzufrieden, zwei Punkte weniger als zuvor. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil erhält 22 Prozent Zustimmung, ein leichter Rückgang, während 65 Prozent seine Arbeit kritisch sehen.Soziale Ressorts unter DruckIm Bereich Arbeit und Wirtschaft zeigen die Werte eine eher verhaltene Stimmung.
Arbeitsministerin Bärbel Bas büßt vier Punkte ein und kommt auf 18 Prozent Zufriedenheit. 59 Prozent äußern Unzufriedenheit, ein Anstieg um vier Punkte. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche liegt mit 13 Prozent Zufriedenheit ebenfalls im unteren Bereich; zugleich sind 62 Prozent mit ihr unzufrieden, vier Punkte mehr als zuvor.Die Zahlen deuten darauf hin, dass wirtschafts- und sozialpolitische Fragen weiterhin kritisch bewertet werden und die zuständigen Ressorts wenig Rückenwind aus der Bevölkerung erhalten.Oppositionsfiguren im VergleichAuch die Spitzenvertreter der Opposition stehen im Fokus der Befragung.
Mit der Arbeit der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel sind 26 Prozent zufrieden, ein Minus von einem Punkt gegenüber Juli. 64 Prozent sind mit ihr unzufrieden, was einem Plus von einem Punkt entspricht.Der Grünen-Parteivorsitzende Felix Banaszak erreicht 12 Prozent Zufriedenheit. 29 Prozent äußern Unzufriedenheit, eine Mehrheit von 59 Prozent kennt ihn jedoch nicht oder möchte sich kein Urteil zutrauen.
Ähnlich ist das Bild bei der Linken-Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner: Mit ihr sind 7 Prozent zufrieden, zwei Punkte weniger als im Juli, während 24 Prozent unzufrieden sind. 69 Prozent kennen sie nicht oder geben kein Urteil ab.UmfragemethodeFür den aktuellen ARD-Deutschlandtrend hat Infratest insgesamt 1.319 Wahlberechtigte befragt. Die Interviews wurden von Montag bis Mittwoch dieser Woche durchgeführt. Die Befragung gilt als repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung und liefert eine Momentaufnahme der politischen Stimmung in Deutschland.Wie immer stellt die Erhebung keine Prognose für den tatsächlichen Wahlausgang dar, sondern spiegelt die aktuelle Meinungslage zum Zeitpunkt der Befragung wider.
Die neuen Zahlen des ARD-Deutschlandtrends markieren eine weitere Verschiebung im Parteiensystem: Erstmals liegt die AfD mit großem Abstand vor der Union, während die früheren Volksparteien SPD und Linke zwar leicht hinzugewinnen, aber klar hinterherlaufen.
Zugleich bleibt die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und mit Bundeskanzler Friedrich Merz auf einem historisch niedrigen Niveau.Parteienstimmung und KräfteverhältnisseMit 27 Prozent wäre die AfD aktuell stärkste Kraft im Bundestag, gefolgt von der Union mit 21 Prozent. SPD, Grüne und Linke kommen zusammen nur knapp über die Marke von 40 Prozent, die FDP würde an der Fünf?Prozent?Hürde scheitern. Damit wäre jede klassische Regierungsbildung deutlich erschwert, zumal alle etablierten Parteien bislang eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen.Die leichte Erholung von SPD und Linke deutet auf Bewegung im linken Lager hin, reicht aber nicht aus, um den Abstand zur AfD zu verkleinern. Parallel dazu zeigen andere aktuelle Umfragen, dass die AfD seit Monaten auf einem hohen Niveau verharrt und in mehreren ostdeutschen Ländern klar führt.Vertrauen in Regierung und KanzlerDie Zufriedenheit mit der Bundesregierung bleibt gering: Nur eine kleine Minderheit bewertet ihre Arbeit positiv, während eine überwältigende Mehrheit unzufrieden ist. Auffällig ist der historische Tiefstand bei der Kanzlerzufriedenheit, der Merz politisch schwächt und der Union die Rolle eines stabilisierenden Gegenpols zur AfD erschwert.Demgegenüber schneiden einzelne Regierungsmitglieder wie Verteidigungsminister Boris Pistorius deutlich besser ab, was auf eine Differenzierung der öffentlichen Wahrnehmung zwischen Kanzleramt und Ressorts hinweist.Ausblick für kommende WahlenVor den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland und der nächsten Bundestagswahl erhöht der Trend den Druck auf die Regierungsparteien und die Union, ihr Profil zu schärfen und Vertrauen zurückzugewinnen.
Die anhaltend hohe Zustimmung zur AfD bleibt ein Warnsignal für die demokratischen Parteien, deren strategische Antworten über künftige Koalitionsoptionen und das Kräfteverhältnis im Bundestag entscheiden werden.