Deutsche Unternehmen investieren 5,6 Milliarden Euro in China
14.09.26 09:56 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Trotz geopolitischer Spannungen erhöhen deutsche Unternehmen ihre Investitionen in China und finanzieren diese zunehmend aus dort erwirtschafteten Gewinnen. Zugleich ziehen sich einige Firmen aus dem Markt zurück, während andere ihr Engagement ausbauen.
via dts Nachrichtenagentur
Deutsche Unternehmen haben ihr Engagement in China im ersten Halbjahr 2026 weiter ausgebaut und zusätzlich rund 5,6 Milliarden Euro investiert. Gleichzeitig finanzieren sie den Ausbau zunehmend aus im Land erwirtschafteten Gewinnen.Investitionsvolumen steigt gegenüber VorjahrNach einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank lag das Investitionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 um rund ein Drittel über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Im längerfristigen Vergleich bewegt sich der aktuelle Betrag jedoch im üblichen Rahmen, sodass von einem deutlichen Plus gegenüber 2025, aber keiner außergewöhnlichen Ausschlägen im historischen Trend gesprochen werden kann.Die Zahlen zeigen, dass deutsche Unternehmen trotz eines zunehmend anspruchsvollen Umfelds weiterhin substanzielle Mittel in den chinesischen Markt lenken.
Dabei geht es sowohl um den Ausbau bestehender Standorte als auch um die Anpassung an veränderte Wettbewerbsbedingungen und regulatorische Vorgaben.Gespaltene Entwicklung seit 2017Hinter der stabilen Gesamtentwicklung verbirgt sich eine deutlich gespaltene Lage. Einige Firmen haben ihr China-Geschäft in den vergangenen Jahren reduziert, insbesondere aufgrund des schwierigen Umfelds und eines starken Konkurrenzdrucks. Seit 2017 übersteigt der Wert der aufgelösten Beteiligungen den der neu eingegangenen Beteiligungen.Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Unternehmen demnach jährlich rund zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen in China, lösten aber gleichzeitig bestehende Beteiligungen im Wert von durchschnittlich 3,6 Milliarden Euro pro Jahr auf. Unter dem Strich floss damit in diesem Zeitraum rechnerisch jedes Jahr ein Betrag von etwa 1,6 Milliarden Euro aus China ab.Mehrheit setzt weiter auf China-MarktTrotz dieser Abflüsse bleibt der chinesische Markt für die Mehrheit der deutschen Unternehmen wichtig. Laut Angaben der AHK Greater China wollen über 85 Prozent der deutschen Tochterfirmen ihr Engagement in China mindestens halten.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen plant sogar, ihre Investitionen weiter zu erhöhen.Damit bleibt China für viele deutsche Firmen ein zentraler Baustein ihrer internationalen Wachstums- und Produktionsstrategie. Die Unternehmen sehen dort nach wie vor relevante Chancen, etwa durch die Größe des Binnenmarkts, die industrielle Infrastruktur und Kooperationen mit lokalen Partnern.Investitionen zunehmend aus Gewinnen vor OrtDie Art der Finanzierung hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verändert. Die erforderlichen Mittel stammen zunehmend aus Gewinnen, die direkt im China-Geschäft erzielt und anschließend im Land reinvestiert werden.
2025 beliefen sich diese reinvestierten Gewinne auf rund 7,8 Milliarden Euro.Im Zeitraum von 2017 bis 2024 lag der durchschnittliche Wert der jährlich reinvestierten Gewinne noch bei etwa 5,4 Milliarden Euro. Der Anstieg deutet darauf hin, dass deutsche Unternehmen ihre Aktivitäten in China stärker aus eigener Ertragskraft vor Ort finanzieren und weniger auf neue Kapitalzuflüsse aus Deutschland setzen.
Titel
Die Zahlen aus der aktuellen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft markieren eine wichtige Weggabelung in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China. Einerseits bleibt der Standort für viele deutsche Unternehmen ein zentraler Absatz- und Produktionsmarkt, andererseits zeigt die Bilanz der aufgelösten Beteiligungen seit 2017, dass sich ein Teil der Firmen aus China zurückzieht oder sein Engagement deutlich reduziert. Damit wirkt sich der globale Trend zu mehr Risikoabwägung und politischer Vorsicht auch in den Unternehmensentscheidungen aus.Strategische Bedeutung des China-GeschäftsFür viele deutsche Konzerne bleibt China trotz wachsender geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten einer der wichtigsten Märkte weltweit. Die wachsende Mittelschicht, starke industrielle Wertschöpfungsketten und technologische Kompetenz machen das Land zu einem zentralen Bestandteil globaler Liefer- und Produktionsnetze. Dass über die Hälfte der befragten deutschen Tochtergesellschaften weitere Investitionen plant, unterstreicht den strategischen Stellenwert des China-Geschäfts für Umsatz, Innovation und Kostenstruktur.De-Risking statt RückzugDie gleichzeitige Zunahme von aufgelösten Beteiligungen und die stärkere Finanzierung aus lokal erwirtschafteten Gewinnen deuten darauf hin, dass viele Unternehmen ihr China-Engagement neu austarieren.
Statt eines abrupten Rückzugs setzen sie auf De-Risking: direkte Kapitalzuflüsse aus Deutschland werden begrenzt, während profitable Aktivitäten vor Ort aus sich selbst heraus weiterentwickelt werden. So werden politische und währungsbedingte Risiken reduziert, ohne auf Marktchancen zu verzichten.Ausblick für die deutsche WirtschaftFür die deutsche Volkswirtschaft bedeutet diese Entwicklung, dass die Abhängigkeit von China nicht kurzfristig verschwindet, sich aber qualitativ verändert. Entscheidend wird sein, wie Unternehmen ihre globale Präsenz zwischen China, Europa und anderen Wachstumsregionen ausbalancieren.
Für Beschäftigte, Zulieferer und Standorte in Deutschland hängt viel davon ab, ob deutsche Firmen künftig mehr Wertschöpfung zurückholen oder China weiter als zentralen Produktions- und Absatzmarkt nutzen.
Die jetzt gemessenen Investitions- und Gewinnzahlen liefern dafür einen wichtigen Frühindikator.