Deutsche Dienstleistungspreise steigen im 2. Quartal 2026 um 3,7 Prozent
18.09.26 08:19 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die Dienstleistungserzeugerpreise in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 so stark gestiegen wie seit 2022 nicht mehr. Besonders der Verkehrs- und Logistiksektor verzeichnet deutliche Preissprünge infolge höherer Treibstoff- und Energiekosten.
via dts Nachrichtenagentur
Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen in Deutschland haben im zweiten Quartal 2026 um 3,7 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2025 gelegen.
Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stiegen die Preise um 1,6 Prozent.Destatis meldet stärksten Anstieg seit Ende 2022Einen stärkeren Anstieg der Erzeugerpreise für Dienstleistungen im Vorjahresvergleich hatte es zuletzt im vierten Quartal 2022 mit plus 4,5 Prozent gegeben.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führten neben allgemeinen Preisanpassungen zu Jahresbeginn insbesondere die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreise zu den teils deutlichen Preissteigerungen im zweiten Quartal 2026.Innerhalb des Dienstleistungssektors verzeichnete der Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit plus 6,2 Prozent den stärksten Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders deutlich erhöhten sich die Preise für die Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt.Transport- und Logistikleistungen verteuern sich kräftigDie Preise für die Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt lagen um 20,7 Prozent über dem zweiten Quartal 2025 und um 23,4 Prozent über dem ersten Quartal 2026. Die gestiegenen Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs, die Blockade der Straße von Hormus sowie von den Reedereien erhobene Zuschläge führten zu einer deutlichen Erhöhung der Frachtraten.Auch die Preise für Speditionsleistungen stiegen mit plus 6,2 Prozent zum Vorjahresquartal und plus 4,5 Prozent zum Vorquartal spürbar an. Im Straßengüterverkehr erhöhten sich die Preise um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, ebenfalls vor allem aufgrund gestiegener Treibstoffkosten.Moderaterer Anstieg bei Lager- und InformationsdienstenIm Bereich Lagerung und lagereiverwandte Dienstleistungen nahmen die Preise um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Unternehmen begründeten diese Entwicklung unter anderem mit höheren Personal- und Energiekosten, etwa für den Betrieb von Kühlhäusern.Im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 Prozent. Die Preise für leitungsgebundene Telekommunikation lagen 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau, während drahtlose Telekommunikation mit plus 1,2 Prozent einen etwas geringeren Anstieg verzeichnete.Software, Immobilien und freie Berufe werden teurerIm Vergleich zum zweiten Quartal 2025 stiegen die Preise für Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene Dienstleistungen um 1,4 Prozent, die Preise für Software und Softwarelizenzen um 1,1 Prozent. Neben allgemeinen Kostensteigerungen nannten die befragten Unternehmen auch höhere Lizenzkosten als Ursachen.Im Wirtschaftsabschnitt Grundstücks- und Wohnungswesen erhöhten sich die Preise gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,5 Prozent. Die Mieten für Wohn- und Gewerbeimmobilien stiegen um 1,7 Prozent, deutlich stärker mit plus 5,4 Prozent legten die Preise für die Vermittlung und Verwaltung von Immobilien zu. Unternehmen verwiesen hierzu auf steigende Mieten und einen erhöhten Verwaltungsaufwand.Höhere Gebühren und Löhne treiben DienstleistungspreiseIm Bereich freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen stiegen die Preise gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um 2,8 Prozent. Besonders kräftig verteuerten sich Dienstleistungen des Rechnungswesens mit plus 6,0 Prozent sowie Rechtsberatungsleistungen mit plus 4,1 Prozent.Mitverantwortlich waren laut Destatis neue Vergütungsordnungen, die Mitte 2025 in Kraft traten und höhere Gebühren für Rechts- und Steuerberatungsberufe vorsahen.
Als weitere Ursachen gaben die Unternehmen allgemeine Preiserhöhungen zu Jahresbeginn als Reaktion auf gestiegene Allgemeinkosten und Löhne an.Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen unter KostendruckIm Wirtschaftsabschnitt Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen erhöhten sich die Preise gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,5 Prozent. Die Preise für Reinigungsleistungen stiegen dabei mit plus 3,7 Prozent vergleichsweise stark.Als Gründe wurden unter anderem gestiegene Tariflöhne zu Jahresbeginn genannt. Etwas weniger stark, aber weiterhin deutlich legten die Preise für die befristete Überlassung von Arbeitskräften zu, sie stiegen um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch hier nannten die Unternehmen insbesondere höhere Tariflöhne und gestiegene sonstige Betriebskosten seit Jahresbeginn als Ursachen.
Der kräftige Anstieg der Erzeugerpreise für Dienstleistungen im zweiten Quartal 2026 zeigt, dass die Kostenwelle in der deutschen Wirtschaft inzwischen tief im Dienstleistungssektor angekommen ist. Besonders deutlich wird dies im Bereich Verkehr und Lagerei, wo Treibstoffpreise und Frachtsurcharges direkt auf die Transportkosten durchschlagen.
Für Unternehmen, die stark auf Logistik angewiesen sind, steigen damit die laufenden Betriebskosten, was mittelfristig auch Verbraucherpreise erhöhen kann.Belastung durch Iran-Krieg und EnergiepreiseDie Behörde verweist ausdrücklich auf die Folgen des Iran-Kriegs und die Blockade der Straße von Hormus als zentrale Treiber der Preisentwicklung im Transportsektor. Höhere Treibstoffpreise verteuern See- und Straßengüterverkehr ebenso wie Speditionsleistungen.
Die Reedereien reagieren mit Zuschlägen, was die Frachtraten zusätzlich erhöht. In einer exportorientierten Volkswirtschaft wie Deutschland wirkt sich diese Entwicklung auf zahlreiche Branchen aus, vom Maschinenbau über die Chemie bis zum Handel.Breite Kostensteigerungen in DienstleistungsbranchenAuch andere Dienstleistungsbereiche melden spürbare Preisaufschläge. Im Informations- und Kommunikationssektor sowie bei Datenverarbeitung und Software spiegeln sich allgemeine Kostensteigerungen und höhere Lizenzgebühren wider. Im Grundstücks- und Wohnungswesen machen sich steigende Mieten und ein höherer Verwaltungsaufwand bemerkbar. Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienste reagieren unter anderem auf neue Vergütungsordnungen und gestiegene Löhne, während Reinigungs- und Zeitarbeitsunternehmen höhere Tariflöhne und Betriebskosten weitergeben.Folgen für Unternehmen und VerbraucherFür viele Betriebe bedeutet der verbreitete Kostendruck, dass Spielräume für Preissenkungen oder Sonderkonditionen kleiner werden.
Wenn Dienstleister ihre erhöhten Aufwendungen weiterreichen, steigen die Endpreise in Industrie, Handel und privaten Haushalten schrittweise mit. Die Entwicklung der Dienstleistungserzeugerpreise wird damit zu einem wichtigen Indikator dafür, wie stark externe Schocks wie der Iran-Krieg und strukturelle Kostensteigerungen auf die Breite der Wirtschaft durchwirken.