Demokratie-Umfrage: 59 Prozent unzufrieden mit praktischer Umsetzung

18.09.26 06:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv zeigt: Die Mehrheit der Deutschen befürwortet das demokratische System, ist aber mit seiner praktischen Umsetzung deutlich unzufrieden. Besonders groß ist die Distanz in Ostdeutschland und unter AfD-Anhängern.

Menschen in einer Fußgängerzone (Archiv)
Menschen in einer Fußgängerzone (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Sender RTL und ntv zeigt, dass eine große Mehrheit der Deutschen hinter dem demokratischen System steht, zugleich aber mit dessen praktischer Umsetzung unzufrieden ist. Die Befragung unterscheidet zwischen Zustimmung zur verfassungsmäßigen Ordnung und der Zufriedenheit mit der konkreten Funktionsweise der Demokratie.Hohe Zustimmung zum System, deutliche Kritik an der PraxisDemnach sind 68 Prozent der Befragten mit der Demokratie in Deutschland, also dem politischen System, wie es in der Verfassung festgelegt ist, sehr oder eher zufrieden. 32 Prozent äußern sich damit unzufrieden.

Wird dagegen gefragt, wie die Demokratie in Deutschland tatsächlich funktioniert, kehrt sich das Bild um: Nur 41 Prozent zeigen sich zufrieden, während 59 Prozent die praktische Ausgestaltung kritisch sehen.Deutliche Ost-West-UnterschiedeBesonders ausgeprägt ist die Unzufriedenheit mit der praktizierten Demokratie in Ostdeutschland. Dort geben 71 Prozent an, mit der tatsächlichen Funktionsweise unzufrieden zu sein. In Westdeutschland liegt dieser Wert bei 57 Prozent. Unter den 18- bis 29-Jährigen halten sich Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit der praktizierten Demokratie mit 49 beziehungsweise 50 Prozent nahezu die Waage.Parteianhänger bewerten Demokratie unterschiedlichAuch zwischen den Anhängern der Parteien zeigen sich deutliche Unterschiede. Mit dem in der Verfassung festgelegten politischen System sind 90 Prozent der SPD-, 89 Prozent der Grünen-, 87 Prozent der CDU/CSU- und 78 Prozent der Linken-Anhänger zufrieden.

Unter den AfD-Anhängern liegt die Zustimmung zum System bei 41 Prozent.AfD-Anhänger besonders kritisch gegenüber der PraxisNoch schärfer fällt die Kritik unter AfD-Anhängern aus, wenn es um die praktische Funktionsweise der Demokratie geht. Mit der Demokratie, wie sie tatsächlich funktioniert, sind 89 Prozent dieser Gruppe unzufrieden.

Die Umfrage verdeutlicht damit eine verbreitete Distanz vieler Bürger zur Art und Weise, wie politische Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden, bei gleichzeitiger grundsätzlicher Unterstützung der demokratischen Ordnung.
Die neue Forsa-Befragung macht einen zentralen Widerspruch sichtbar: Eine klare Mehrheit der Deutschen bekennt sich zum demokratischen System, zweifelt aber zunehmend an seiner konkreten Funktionsweise. Dass 68 Prozent mit der in der Verfassung verankerten Ordnung zufrieden sind, während 59 Prozent mit der praktizierten Demokratie unzufrieden sind, deutet weniger auf eine Ablehnung der repräsentativen Demokratie als auf Vertrauensprobleme gegenüber politischen Akteuren und Prozessen.Der besonders hohe Wert der Unzufriedenheit in Ostdeutschland mit 71 Prozent knüpft an länger beobachtete Unterschiede zwischen Ost und West an. Gründe, die in Studien häufig genannt werden, sind etwa wirtschaftliche Strukturbrüche seit der Wiedervereinigung, regionale Ungleichheiten und das Gefühl, mit den eigenen Anliegen politisch nicht ausreichend wahrgenommen zu werden.

Die nahezu ausgeglichene Bewertung der praktizierten Demokratie durch 18- bis 29-Jährige zeigt zugleich, dass jüngere Menschen zwar kritisch sind, das System aber nicht grundsätzlich verwerfen.Parteipräferenzen und VertrauenslageDie starken Unterschiede zwischen den Anhängern der Parteien sind ein Hinweis darauf, wie sehr Wahrnehmung von Demokratie mit politischer Identifikation verknüpft ist. Während Anhänger von SPD, Grünen und CDU/CSU das in der Verfassung festgelegte System klar befürworten, ist die Zustimmung unter AfD-Anhängern deutlich niedriger. Die sehr hohe Unzufriedenheit dieser Gruppe mit der praktischen Demokratie spiegelt wider, dass sich viele ihrer Vertreter und Wähler häufig als Opposition zu „den etablierten Parteien" verstehen.Bedeutung für Politik und GesellschaftFür Politik und Institutionen bedeutet das Ergebnis, dass Reformbereitschaft und Transparenz eine wachsende Rolle spielen dürften.

Wenn Menschen das System grundsätzlich bejahen, aber dessen Umsetzung kritisieren, geht es häufig um Themen wie nachvollziehbare Entscheidungen, Bürgernähe, Tempo politischer Prozesse und das Gefühl, beteiligt zu sein. Für Parteien und staatliche Stellen ist die Umfrage damit ein Signal, die Legitimation demokratischer Verfahren nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern aktiv zu stärken – etwa durch bessere Kommunikation, Beteiligungsformate und sichtbare Problemlösungen im Alltag der Bürger.

CFD- & Forex-Broker mit Top-Tools!
Günstig. Schnell. Sicher.
Jetzt Konto prüfen.