Dax startet schwächer – Energiepreise und Nahost-Konflikt verunsichern Anleger

02.09.26 09:38 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Dax ist zur Wochenmitte mit leichten Verlusten in den Handel gestartet, während steigende Energiepreise und neue Inflationssorgen die Stimmung prägen. Besonders die Eskalation im Nahen Osten sorgt für Nervosität an den Märkten und treibt Anleiherenditen wie Rohstoffpreise nach oben.

Frankfurter Börse
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via dts Nachrichtenagentur

Der Dax hat den Handel am Mittwoch mit Verlusten aufgenommen und ist am Morgen rund 0,2 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages gestartet.

Gegen 9:30 Uhr notierte der deutsche Leitindex bei etwa 25.915 Punkten und setzte damit seine jüngste Schwächephase fort.Bankwerte führen, Industrie- und Technologieaktien schwächerAn der Spitze des Index standen am frühen Vormittag die Aktien der Deutschen Bank, der Commerzbank und von Adidas. Auf der Verliererseite rangierten Titel des Anlagenbauers Gea, der Immobilienplattform Scout24 sowie des Autobauers Volkswagen.

Die Entwicklung spiegelt die unterschiedlichen Erwartungen der Anleger wider: Während Banken von steigenden Zinsen profitieren können, geraten konjunkturabhängige und zinssensible Branchen stärker unter Druck."Die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Wir erleben gerade eine gefährliche Spirale aus Militärschlägen und Vergeltungsschlägen", sagte Thomas Altmann von QC Partners zur aktuellen Marktlage. Nach einer Phase relativer Gelassenheit sorge die erneute Eskalation im Nahen Osten nun zunehmend für Verunsicherung an den Börsen.Steigende Energiepreise schüren Inflations- und ZinsängsteAltmann verwies insbesondere auf die Entwicklung der Energiepreise und deren Bedeutung für Inflation und Zinsen.

Steigende Öl- und Gaspreise ließen Aktien- und Rentenkurse unter Druck geraten, weil Marktteilnehmer mit einer neuen Inflationswelle rechnen.

Der Gaspreis habe ein Niveau erreicht, das zuletzt im Jahr 2023 gesehen worden sei, sagte Altmann, und warnte davor, dass solche Anstiege bei den Energiekosten zwangsläufig eine neue Teuerungswelle nach sich ziehen dürften.Diese erwartete Inflation werde nach Einschätzung des Marktbeobachters bereits jetzt mit höheren Zinsen an den Märkten eingepreist. So habe die Rendite fünfjähriger Bundesanleihen erstmals seit 2008 wieder die Marke von drei Prozent überschritten.

Höhere Renditen machen Staatsanleihen attraktiver und erhöhen zugleich die Finanzierungskosten für Unternehmen, was zusätzliche Belastung für den Aktienmarkt bedeutet.Gewinnmitnahmen belasten den Dax"Die neuen Sorgen kommen jetzt auch verstärkt beim Dax an", so Altmann weiter. Er verwies darauf, dass der Index erstmals seit zwei Monaten an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen jeweils mehr als ein Prozent verloren habe. Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei den jüngsten Kursrückgängen auch um die lange erwarteten Gewinnmitnahmen nach einer vorangegangenen Aufwärtsbewegung.Als entscheidend für den weiteren Verlauf bezeichnete Altmann die Reaktion der Anleger auf das Unterschreiten einer psychologisch wichtigen Tausendermarke im Index. Wie der Markt diese Schwelle verarbeitet, dürfte maßgeblich bestimmen, ob es bei einer Konsolidierung bleibt oder sich die Verluste ausweiten.Weicher Euro, festerer ÖlpreisAm Devisenmarkt präsentierte sich der Euro am Mittwochmorgen etwas schwächer. Ein Euro wurde mit 1,1573 US-Dollar gehandelt, im Gegenzug kostete ein Dollar 0,8641 Euro. Die leichtere Gemeinschaftswährung spiegelt die Unsicherheit wider, bleibt aber im Vergleich zu den vergangenen Monaten in einer moderaten Handelsspanne.Der Ölpreis legte derweil weiter zu: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete gegen 9 Uhr deutscher Zeit 94,86 US-Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 21 Cent oder 0,2 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des vorherigen Handelstages.

Die Kombination aus höheren Energiepreisen, gestiegenen Inflationssorgen und anziehenden Renditen sorgt damit zu Wochenmitte für ein angespanntes Umfeld an den Finanzmärkten.
Der schwache Handelsstart des Dax spiegelt eine Kombination aus geopolitischer Verunsicherung und geldpolitischen Sorgen wider. Die erneute Eskalation im Nahen Osten verstärkt die Angst vor Lieferengpässen und neuen Preisschüben bei Energie, was die Inflationserwartungen an den Märkten erhöht.Geopolitik, Energiepreise und InflationMilitärische Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben historisch immer wieder zu deutlichen Ausschlägen bei Öl- und Gaspreisen geführt. Steigende Energiepreise wirken in der Regel wie eine zusätzliche Steuer auf Unternehmen und Verbraucher: Produktionskosten nehmen zu, Haushalte haben weniger Spielraum für andere Ausgaben, und die Teuerungsraten ziehen an. In einem Umfeld, in dem viele Anleger auf sinkende Inflationsraten und perspektivisch niedrigere Zinsen gehofft hatten, treffen neue Energiepreisschocks daher auf besonders sensible Märkte.Wenn Marktteilnehmer mit einer neuen Inflationswelle rechnen, steigen häufig auch die Renditen von Staatsanleihen, weil höhere Zinsen der Notenbanken erwartet werden.

Genau dies zeigt sich derzeit bei den fünfjährigen Bundesanleihen, deren Rendite nach der dts-Meldung erstmals seit 2008 wieder über drei Prozent liegt. Für Aktien bedeutet das gleich doppelt Gegenwind: Finanzierungskosten steigen, und im Vergleich zu Anleihen verlieren risikoreichere Anlagen an Attraktivität.Marktpsychologie und technische MarkenDie Bemerkung Altmanns zu Gewinnmitnahmen verweist auf einen typischen Mechanismus an den Börsen.

Nach längeren Kursanstiegen nutzen viele Investoren Unsicherheit oder negative Nachrichten, um Gewinne zu sichern. Wenn ein Index wie der Dax dann an zwei Tagen hintereinander um mehr als ein Prozent nachgibt, verstärkt das den Eindruck eines Stimmungsumschwungs. Technische Marken – etwa runde Tausendergrenzen – wirken zudem als psychologische Barrieren: Werden sie unterschritten, können automatische Verkaufsorders ausgelöst und weitere Anleger verunsichert werden.Dass sich unter den Tagesgewinnern vor allem Deutsche Bank und Commerzbank finden, passt in dieses Bild. Banken profitieren tendenziell von höheren Zinsen, weil sich ihre Zinsmargen verbessern können.

Gleichzeitig leiden zinssensible Branchen und hoch bewertete Wachstumswerte stärker unter steigenden Renditen, was die Spreizung im Index erklärt.Ausblick: Volatilität und Abhängigkeit von DatenFür die kommenden Tage dürfte die Entwicklung an den Märkten stark von neuen Nachrichten aus dem Nahen Osten sowie von Inflations- und Konjunkturdaten abhängen.

Jede Meldung, die auf eine Entspannung beim Energieangebot oder auf eine Stabilisierung der Inflation hindeutet, könnte die Verluste begrenzen oder eine Erholung einleiten.

Umgekehrt würde eine weitere Eskalation mit zusätzlichen Preissprüngen bei Öl und Gas den Druck auf Aktien- und Anleihemärkte erhöhen.Für private Anleger bedeutet die Lage erhöhte Volatilität: Kurse können in kurzer Zeit stark schwanken, ohne dass sich die fundamentalen Unternehmensperspektiven grundlegend ändern. Eine diversifizierte Aufstellung über verschiedene Anlageklassen und Regionen kann in einer solchen Phase helfen, Risiken zu streuen, ersetzt aber nicht die individuelle Risikoabwägung.

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