Dax fällt am Mittag um 0,2 Prozent – ZEW-Erwartungen bleiben stabil

15.09.26 12:31 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Dax liegt am Dienstagmittag leicht im Minus, obwohl die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland stabil bleiben. Höhere Energiepreise und logistische Probleme treffen auf robuste Auslandsnachfrage und steigende staatliche Investitionen.

Frankfurter Börse
Frankfurter Börse
via dts Nachrichtenagentur

Der Dax hat sich am Dienstag nach einem bereits eher schwachen Start bis zum Mittag weiter im roten Bereich bewegt. Gegen 12:30 Uhr wurde der Index mit rund 25.385 Punkten berechnet, was einem Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem vorherigen Handelstag entspricht.Gewinner und Verlierer im LeitindexAn der Spitze der Kursliste rangierten zur Mittagszeit die Aktien von Rheinmetall, MTU und Fresenius Medical Care. Am unteren Ende der Tabelle standen die Papiere der Deutschen Bank, des Chemiehändlers Brenntag und des Chemiekonzerns BASF, die zu den größten Verlierern im Leitindex gehörten.ZEW-Index zeigt stabile ErwartungenDas Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) meldete zuvor einen leichten Anstieg der mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren.

"Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben nach Ansicht der vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten stabil", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.Gitzel verwies zugleich darauf, dass viele der befragten Experten ihr Votum noch vor dem jüngsten deutlichen Energiepreisanstieg abgegeben haben dürften.

Die höheren Öl- und Gasnotierungen seien daher nicht vollständig in der aktuellen Umfrage abgebildet, was den Aussagegehalt der Erwartungen mit Blick auf die jüngste Marktentwicklung begrenzt.Belastungsfaktoren und stützende Impulse"Das Wachstum im dritten Quartal wird nicht an die Vorgaben der beiden Vorquartale anknüpfen", so Gitzel weiter. Die höheren Öl- und Gaspreise wirkten als konjunkturelle Belastung, und zusätzlich unterbrechen die niedrigen Pegelstände wichtiger Wasserstraßen die Lieferketten.Zugleich sieht der Volkswirt die deutsche Wirtschaft grundsätzlich mit Rückenwind ausgestattet.

Eine steigende Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten stärke die Industrieproduktion, die Bestellungen aus dem Ausland lagen im zweiten Quartal deutlich über den ersten drei Monaten des Jahres.

Höhere Verteidigungsausgaben und steigende Infrastrukturausgaben der Bundesregierung sollen sich im zweiten Halbjahr positiv niederschlagen.Wachstumsprognose und BauaufträgeGitzel verweist darauf, dass zuletzt etwa die Bestellungen der öffentlichen Hand im Bauhauptgewerbe merklich zugelegt haben.

Trotz aller aktuellen Widrigkeiten werde der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr nach seiner Einschätzung ein Wachstum von rund einem Prozent gelingen.Eurokurs und Ölpreis im FokusDie europäische Gemeinschaftswährung zeigte sich am Dienstagmittag etwas schwächer. Ein Euro kostete 1,1538 US-Dollar, ein US-Dollar war dementsprechend für 0,8667 Euro zu haben.Der Ölpreis setzte seinen Anstieg fort: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 12 Uhr deutscher Zeit 107,50 US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des vorherigen Handelstags.
Der erneute Rückgang des Dax zur Mittagszeit verweist auf eine Phase erhöhter Unsicherheit an den Aktienmärkten, in der kurzfristige Kursbewegungen und mittelfristige Erwartungen auseinanderlaufen.

Während der Leitindex leicht verliert, signalisieren die vom ZEW erhobenen Konjunkturerwartungen eine stabile Sicht der Finanzmarktprofis auf die deutsche Wirtschaft.Konjunkturbild zwischen Belastung und RückenwindDie Aussagen von Thomas Gitzel zeichnen ein differenziertes Bild: Höhere Öl- und Gaspreise sowie niedrige Pegelstände wichtiger Wasserstraßen wirken klar dämpfend, weil sie Energiekosten in die Höhe treiben und Lieferketten stören.

Gleichzeitig verweist Gitzel auf robuste Nachfrage aus dem Ausland und steigende öffentliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur, die als Gegengewicht zur Belastung fungieren.Für private Anleger und Unternehmen bedeutet dies, dass die kurzfristige Volatilität an den Märkten in einem Umfeld stattfindet, in dem ein moderates Wachstum von rund einem Prozent weiterhin für möglich gehalten wird. Die stabilen ZEW-Erwartungen deuten darauf hin, dass die befragten Experten trotz der aktuellen Risiken nicht von einem abrupten Einbruch ausgehen.Bedeutung für Börse, Energiepreise und RealwirtschaftDie leichten Dax-Verluste bei gleichzeitig festeren Energiepreisen spiegeln die Spannung zwischen Konjunkturhoffnung und Kostendruck wider. Steigende Ölpreise verteuern Produktion und Transport, was insbesondere energieintensive Unternehmen belastet.

Die im ZEW-Bericht hervorgehobenen öffentlichen Bauaufträge und die stärkere Auslandsnachfrage können diese Effekte aber teilweise kompensieren – etwa durch zusätzliche Umsätze im Export und Impulse für das Baugewerbe.Für die Realwirtschaft bleibt damit entscheidend, ob sich Energiepreise und logistische Engpässe in den kommenden Monaten entspannen oder weiter verschärfen.

Anleger dürften verstärkt auf Unternehmen achten, die von höheren Staatsausgaben profitieren oder ihre Energieabhängigkeit verringert haben.

Die Kombination aus vorsichtig optimistischen Erwartungen und sichtbaren Risiken könnte die Börsenentwicklung vorerst in einem Spannungsfeld aus Schwankungen und selektiven Chancen halten.

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