Chrupalla setzt nach AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt auf Siegmund

07.09.26 18:02 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla zeigt sich nach dem Wahlsieg seiner Partei in Sachsen-Anhalt überzeugt, dass Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Ministerpräsident werden kann und betont dessen mögliche Kompromissbereitschaft. Zugleich spricht er von knappen Mehrheiten und der Pflicht, Wahlversprechen einzuhalten.

Ulrich Siegmund und Tino Chrupalla am 07.09.2026
Ulrich Siegmund und Tino Chrupalla am 07.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

AfD-Fraktionsvorsitzender Tino Chrupalla sieht nach dem Wahlerfolg seiner Partei in Sachsen-Anhalt gute Chancen, dass Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Zugleich stellt er eine mögliche Kompromissbereitschaft Siegmunds in Aussicht und knüpft den Anspruch auf das Amt an stabile Mehrheiten und die Einhaltung von Wahlversprechen.Chrupalla setzt auf Siegmund als MinisterpräsidentChrupalla sagte am Montag den Sendern RTL und ntv, er sei „absolut zuversichtlich“, dass Siegmund das Amt des Ministerpräsidenten erreichen könne. Der AfD-Politiker verwies dabei auf das Wahlergebnis, bei dem Siegmund „mit fast 44 Prozent viele Wähler überzeugt“ habe. Aus Sicht Chrupallas wird es Siegmund gelingen, auch Abgeordnete anderer Parteien für seine Wahl zu gewinnen.Grundsätzlich sei nach Chrupallas Darstellung bereits eine Mehrheit von nur einer Stimme im Landtag ausreichend, um einen Ministerpräsidenten zu wählen.

Entscheidend sei jedoch, dass diese Stimme verlässlich sei und eine gesamte Legislaturperiode über fünf Jahre trage. „Mehrheit ist Mehrheit und man kann es sich im Nachhinein auch nicht aussuchen“, sagte der AfD-Fraktionschef.Kompromissbereitschaft und GesprächsbereitschaftMit Blick auf mögliche Verhandlungen mit anderen Parteien betonte Chrupalla, dass es „immer Punkte“ gebe, bei denen die AfD auf andere zugehen könne. Er wolle konkreten Gesprächen allerdings nicht vorgreifen.

Zugleich sagte er über Siegmund, dieser sei „in einigen Punkten vielleicht sogar kompromissbereit“, was Chrupalla ausdrücklich als Aufgabe der Politik bezeichnete.Damit stellt Chrupalla Siegmund als Spitzenkandidaten dar, der trotz eines klaren Wahlergebnisses zu Gesprächen bereit ist, wenn sich dadurch eine tragfähige Mehrheit für eine Regierung bilden lässt. Gleichzeitig hält er am Anspruch fest, dass die AfD ihr starkes Ergebnis in politische Verantwortung überführen will.Mehrheit, Wahlversprechen und Thüringen-VergleichSiegmund hatte zuvor erklärt, er könne mit einer Mehrheit von nur einer Stimme „auf gar keinen Fall“ Ministerpräsident werden.

Chrupalla zeichnet nun ein anderes Bild und betont, eine solche Mehrheit könne ausreichen, wenn sie verlässlich sei.

Beide Aussagen machen deutlich, dass innerhalb der AfD über die gewünschte Stärke einer Regierung noch diskutiert wird.Chrupalla verwies außerdem auf Wahlversprechen der AfD, „die eingehalten werden wollen und auch sollen“. Dies sei man den Wählern schuldig. Zugleich sagte er, es werde „nicht um jeden Preis“ einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben, die „Konstellation“ müsse stimmen.

Die AfD strebe nach seinen Worten „eine starke Regierung, eine verlässliche Regierung“ an und wolle keine Verhältnisse wie in Thüringen, wo schwierige Mehrheitsverhältnisse und wechselnde Bündnisse die Landespolitik zuletzt geprägt hatten.
Der Vorstoß von AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla, Ulrich Siegmund nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt als möglichen Ministerpräsidenten zu positionieren, markiert den nächsten Schritt der Partei, aus starken Wahlergebnissen konkrete Regierungsmacht abzuleiten.

Sachsen-Anhalt wäre das erste Bundesland, in dem ein AfD-Politiker an der Spitze einer Landesregierung stünde, was die politische Statik in Deutschland deutlich verändern würde.Parlamentarische Mehrheiten und HürdenChrupalla betont ausdrücklich, dass formal bereits eine Mehrheit von einer Stimme im Landtag ausreichen würde, um Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Damit verweist er auf das verfassungsrechtliche Prinzip, nach dem die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen entscheidet.

Zugleich deutet seine Aussage an, dass eine solche hauchdünne Mehrheit im Alltag eines Landesregierungschefs als Risiko gilt, weil jederzeit einzelne Abgeordnete ausscheren könnten.Bemerkenswert ist, dass Siegmund selbst zuvor eine Mehrheit von nur einer Stimme als nicht ausreichend für sein Amt bezeichnet hatte. Chrupalla setzt hier einen anderen Akzent und öffnet kommunikativ den Spielraum für politische Arrangements mit sehr knapper Mehrheit, sofern die beteiligten Abgeordneten als „verlässlich“ gelten.Strategie der AfD und Signal an andere ParteienMit dem Hinweis, Siegmund sei „vielleicht sogar kompromissbereit“, sendet Chrupalla zugleich ein Signal an mögliche Gesprächspartner im Landtag. Die Botschaft lautet, dass die AfD bereit ist, über bestimmte Punkte zu verhandeln, um eine Regierungsbildung zu ermöglichen, ohne nach eigener Darstellung zentrale Wahlversprechen aufzugeben.

Die klare Absage an „Verhältnisse wie in Thüringen“ zeigt, dass die Partei offenbar auf stabile Mehrheiten und Berechenbarkeit setzt, um sich als regierungsfähig zu präsentieren.Für die anderen Parteien im Landtag bedeutet diese Lage, dass sie sich zu der Frage verhalten müssen, ob sie eine von der AfD angeführte Regierung tolerieren oder aktiv verhindern. Damit wird die Debatte über Koalitionsaussagen, Brandmauern und mögliche Minderheitskonstellationen in Sachsen-Anhalt erneut an Schärfe gewinnen.

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