Bundeswehr liegt Russland bei elektronischer Kampfführung hinterher

heute 06:32 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Vizeadmiral Thomas Daum sieht die Bundeswehr bei elektronischer Kampfführung hinter Russland zurück. In Litauen sammelt die Truppe Signale aus Russland und Belarus und wird nach seinen Angaben regelmäßig gestört.

Bundeswehr-Soldat (Archiv)
Bundeswehr-Soldat (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Bundeswehr untersucht elektronische Signale in LitauenDie Bundeswehr ist den russischen Streitkräften bei der elektronischen Kampfführung derzeit unterlegen.

Das sagte der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums, Vizeadmiral Thomas Daum, am Rand der Mission Vigilant Owl in Litauen.Russland habe in den vergangenen 15 bis 20 Jahren massiv in den elektronischen Kampf investiert, während Deutschland lange von einer Friedensphase ausgegangen sei, erklärte Daum.Aufbau einer Vollausstattung dauert anDie Bundeswehr benötige entsprechende Technik inzwischen ebenfalls, sagte der Vizeadmiral. Geräte seien teilweise in der deutschen oder europäischen Industrie und gegebenenfalls auch in den USA verfügbar.Für die Truppe reichten Prototypen jedoch nicht aus. Ziel müsse eine Vollausstattung sein, dafür sei noch ein längerer Weg erforderlich. Nach Daums Darstellung stehen seit der Lockerung der Schuldenbremse mehr Mittel zur Verfügung, um den Aufbau zu beschleunigen.Mission Vigilant Owl sammelt SignaleDie vor wenigen Tagen gestartete Mission Vigilant Owl sammelt und analysiert elektronische Signale aus Russland und Belarus. Daum bezeichnete den Einsatz als reine Aufklärungsmission; die Bundeswehr störe die Streitkräfte beider Länder demnach nicht aktiv.Gleichzeitig beobachte die Bundeswehr Störsysteme, die sich gegen ihre Stellungen in Litauen richteten.

Die Störungen könnten Antennen zeitweise blind machen und träten nach Daums Angaben alle paar Tage auf.Signalwirkung gegenüber MoskauDie Grünen-Sicherheitspolitikerin Sara Nanni begleitete die Truppe mehrere Tage in Litauen.

Sie beschrieb die Mission auch als Signal an Moskau, dass die Bundeswehr russische Aktivitäten beobachtet und Daten für einen möglichen Ernstfall sammelt.
Elektronische Kampfführung umfasst den Einsatz elektromagnetischer Signale, um gegnerische Kommunikation, Ortung und Sensorik aufzuklären, zu stören oder zu täuschen.

Für moderne Streitkräfte ist sie damit eng mit der Nutzung von Funk, Radar, Satellitennavigation und unbemannten Systemen verbunden.Die Mission Vigilant Owl in Litauen ordnet sich in die Überwachung der Nato-Ostflanke ein. Die Bundeswehr sammelt dort elektronische Signale aus Russland und Belarus und wertet sie aus. Dass deutsche Stellungen nach den Angaben des Inspekteurs regelmäßig gestört werden, zeigt die praktische Bedeutung dieser Fähigkeiten im täglichen militärischen Betrieb.Aufbau mit industrieller UnterstützungDer von Thomas Daum beschriebene Nachholbedarf betrifft nicht nur einzelne Geräte, sondern die flächendeckende Ausstattung der Truppe. Zwischen einem einsatzfähigen Prototyp und einer Vollausstattung liegen Beschaffung, Ausbildung, Wartung, sichere Vernetzung und die Integration in Führungs- und Waffensysteme.Für Deutschland gewinnt das Thema auch wegen der Abhängigkeit moderner Streitkräfte von elektromagnetischen Verbindungen an Gewicht. Störungen können Aufklärung und Kommunikation erschweren, ohne dass ein klassischer Angriff auf eine Stellung erfolgt. Die von Daum genannte Lockerung der Schuldenbremse schafft nach seiner Darstellung finanziellen Spielraum; daraus müssen nun konkrete Beschaffungen und dauerhaft verfügbare Fähigkeiten entstehen.Bedeutung für die OstflankeVIGO dient laut Meldung ausschließlich der Aufklärung.

Die Mission liefert damit Daten über gegnerische Systeme und deren Verhalten, während die Bundeswehr selbst nicht aktiv in russische oder belarussische Netze eingreift. Zugleich macht die Mission sichtbar, dass elektronische Aktivitäten an der Nato-Ostflanke bereits im Alltag eine Rolle spielen.

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