Bundeswehr-IT-Panne trennt 60.000 Reservisten von Systemen
heute 18:03 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine Störung beim Bundeswehr-IT-Dienstleister BWI legt seit mehr als einer Woche Zugänge zehntausender Reservisten lahm. Das Verteidigungsministerium spricht von betrieblichen Ursachen und schließt einen Cyberangriff aus.
via dts Nachrichtenagentur
Zehntausende Reservisten der Bundeswehr sind seit mehr als einer Woche von zentralen IT-Systemen abgeschnitten.
Hintergrund ist eine gravierende Panne beim bundeseigenen IT-Dienstleister BWI, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen Sprecher des Verteidigungsministeriums berichtet.Ministerium schließt Cyberangriff ausDem Ministerium sind Störungen „einzelner IT-Systeme“ bekannt. Ursachen und Auswirkungen seien entlang der vorgesehenen Prozesse und Meldewege aufgearbeitet worden, sagte der Sprecher dem „Handelsblatt“.Einen Cyberangriff schloss er aus. Es habe „keine Datenabflüsse oder Zugriffe Dritter“ gegeben; Ursache seien „betriebliche Gründe“.Probleme nach SystemupdatesDie BWI erklärte, es sei durch Updates der verarbeitenden Systeme zu einer Beeinträchtigung gekommen.
Dadurch seien einzelne Datensätze derzeit nicht abrufbar.Der IT-Dienstleister arbeitet nach eigenen Angaben daran, den Zugriff wiederherzustellen.
„Wir gehen davon aus, dass dieses Problem zeitnah erledigt ist“, sagte ein BWI-Sprecher.Reservisten verlieren digitale ZugängeNach Angaben aus Bundeswehrkreisen, auf die sich das „Handelsblatt“ ebenfalls beruft, sollen bei einem Massendatenimport die Datensätze derzeit nicht einberufener Reservisten gelöscht worden sein. Betroffen seien rund 60.000 nicht aktive Soldaten.Die Betroffenen hätten keinen Zugriff mehr auf Computer, E-Mails und den Bundeswehr-Messenger. Aus Bundeswehrkreisen wurde die mögliche Bedeutung im Verteidigungsfall als „eine Katastrophe“ bezeichnet.
Der Ausfall betrifft einen zentralen Bestandteil der administrativen Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Reservisten sind außerhalb ihrer aktiven Dienstzeit nicht dauerhaft in militärische Abläufe eingebunden, müssen im Fall einer Einberufung aber schnell erreichbar und in die Kommunikations- und Führungssysteme integrierbar sein. Dass nach der Meldung Computer, E-Mail und Bundeswehr-Messenger betroffen sind, berührt deshalb nicht nur den alltäglichen Zugang zu digitalen Diensten.Besonders relevant ist die Verbindung zwischen Datenpflege und Mobilmachungsfähigkeit. Wenn Datensätze bei einem Massendatenimport nicht abrufbar sind, können organisatorische Prozesse wie Kontaktaufnahme, Einberufung und Zuordnung erschwert werden.
Die Bundeswehr ist zugleich auf eine wachsende Zahl von Reservisten angewiesen, weil sie ihre personellen Fähigkeiten im Verhältnis zu den sicherheitspolitischen Anforderungen erweitern muss. Eine funktionierende digitale Verwaltung wird damit zu einem Bestandteil militärischer Vorsorge.Abgrenzung zum CyberangriffNach den Angaben des Verteidigungsministeriums und der BWI handelt es sich um betriebliche Ursachen beziehungsweise Beeinträchtigungen durch Systemupdates; einen Cyberangriff und Datenabflüsse schloss das Ministerium aus. Entscheidend ist nun, ob die Wiederherstellung des Zugriffs tatsächlich zeitnah gelingt und ob sich die Datensätze vollständig rekonstruieren lassen.
Der Vorgang zeigt unabhängig davon, dass Updates, Datenimporte und Rückfallebenen in sicherheitskritischen Behörden besonders eng kontrolliert werden müssen.