Bundeswehr: Generalinspekteur Breuer verteidigt Panzer-Drohnen-Kurs

heute 09:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Generalinspekteur Carsten Breuer weist den Vorwurf zurück, die Bundeswehr setze bei der Modernisierung ihrer Ausrüstung auf überholte Technik. Er verweist auf den Ausbau vernetzter Systeme, Drohnen und Künstlicher Intelligenz sowie auf den nötigen industriellen Aufwuchs bis 2029.

Carsten Breuer (Archiv)
Carsten Breuer (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Generalinspekteur Carsten Breuer hat die Aufrüstungsstrategie der Bundeswehr gegen Kritik verteidigt, das Verteidigungsministerium setze bei der Ertüchtigung der Truppe auf veraltete Technologie. Er betonte, Ziel der Beschaffung sei ein Zusammenspiel klassischer Waffensysteme mit moderner Drohnentechnik und Künstlicher Intelligenz.Panzer als vernetzte Plattform statt „50 Tonnen Stahl“Breuer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, es gehe nicht um die Alternative Kampfpanzer oder Drohne, sondern um beides: Kampfpanzer und Drohne, oder besser Panzer mit Drohne. Moderne Panzer seien heute weitaus mehr als 50 Tonnen Stahl. Sie fungierten auf dem Gefechtsfeld als vernetzte Sensorplattform, die Drohnen steuere, Daten aufnehme und verteile.Kein System, das aktuell beschafft werde, sei ohne unbemannte Elemente und ohne Künstliche Intelligenz denkbar, so der ranghöchste Soldat der Bundeswehr. Die Kritik an einer angeblich rückwärtsgewandten Beschaffung laufe daher ins Leere, da man genau in neue Technologien und zukunftsgerichtete Fähigkeiten investiere.Schnellere Innovation und KamikazedrohnenBreuer wies zudem den Vorwurf zurück, die Bundeswehr sei zu langsam bei der Entwicklung von Innovationen.

Zwar gelinge es Deutschland noch nicht, das Tempo der Ukraine bei technologischen Entwicklungen zu erreichen, man sei aber deutlich schneller geworden.Als Beispiel nannte er Kamikazedrohnen, die innerhalb von acht Monaten erprobt worden seien und zeitnah in die Truppe eingeführt werden könnten.

Damit sollen neue Fähigkeiten geschaffen werden, um auf moderne Gefechtsfelder und veränderte Bedrohungslagen zu reagieren.Engpässe in der Rüstungsindustrie und Zieljahr 2029Mit Blick auf neu bestellte Waffensysteme räumte Breuer ein, dass ihm die Fertigstellung noch zu lange dauere. Nach jahrzehntelanger Unterfinanzierung der Streitkräfte und Phasen, in denen bei Rüstungsvorhaben quasi im Manufakturbetrieb gearbeitet worden sei, müsse nun parallel zu den Bestellungen auch die Rüstungsindustrie wieder wachsen.Deren Tempo könne mit den Aufträgen der Bundeswehr noch nicht Schritt halten.

Breuer machte deutlich, dass bis 2029 ein rascher Aufwuchs und eine hohe Einsatzbereitschaft erreicht werden müssten, um Deutschland und seine Bündnispartner gegen einen möglichen Angriff Russlands verteidigen und damit abschrecken zu können.
Die Aussagen von Generalinspekteur Carsten Breuer fallen in eine Phase, in der Deutschland seine Streitkräfte nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung grundlegend neu ausrichten muss. Im Zentrum steht die Frage, wie klassische Waffensysteme wie Kampfpanzer mit digitalen Technologien, Drohnen und Künstlicher Intelligenz verbunden werden können, um modernen Bedrohungslagen zu begegnen.Digitalisierte Kriegführung und hybride BedrohungenAktuelle sicherheitspolitische Debatten zeigen, dass Streitkräfte zunehmend mit hybriden Angriffen und einem stark wachsenden Einsatz von Drohnen konfrontiert sind. Dabei verschmelzen klassische militärische Mittel mit Cyberangriffen, Sabotage und unbemannten Systemen, was Anforderungen an vernetzte Sensorik, Datenverarbeitung und autonome Entscheidungsunterstützung erhöht. Breuers Verweis auf Panzer als „vernetzte Sensorplattform“ mit Drohnensteuerung spiegelt diesen Trend zur digitalisierten Kriegführung wider.Zugleich wird deutlich, dass Industrie und Militär unter hohem Zeitdruck stehen.

Wenn der Generalinspekteur betont, dass Kamikazedrohnen in wenigen Monaten erprobt wurden und die Rüstungsindustrie ihren Ausstoß bis 2029 erheblich steigern müsse, markiert dies einen deutlichen Bruch mit der früheren, langsameren Beschaffungspraxis. Die Bundeswehr soll rasch von kleinteiligen Einzelprojekten zu industriell skalierten Serienfertigungen kommen.Bedeutung für Sicherheitslage und VerteidigungsfähigkeitPolitisch sind Breuers Aussagen eng mit der Einschätzung verbunden, dass Russland auf absehbare Zeit die zentrale militärische Bedrohung für Europa bleibt. Wenn er ausdrücklich auf die Abschreckung gegenüber einem möglichen Angriff verweist, unterstreicht er die Zielsetzung, Deutschland und seine Bündnispartner in der NATO wieder auf eine höhere Einsatzbereitschaft zu bringen.

Für die Öffentlichkeit ist die Debatte über „alt“ versus „neu“ daher weniger eine Frage einzelner Technologien, sondern der Fähigkeit, Panzer, Artillerie, Drohnen und digitale Systeme zu einem funktionierenden Gesamtverbund zu integrieren.Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Diskussion zudem, dass erhebliche Haushaltsmittel in Wehrtechnik und Infrastruktur fließen werden.

Die Bundeswehr steht damit nicht nur militärisch, sondern auch industriepolitisch im Zentrum eines langfristigen Modernisierungsprozesses, der die Rüstungsproduktion ausweitet und technologische Innovationen beschleunigen soll.

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