Bundesregierung beteiligt sich an neuen US-Friedensgesprächen in Kiew

07.09.26 12:57 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Bundesregierung unterstützt die neuen US-Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg und war über einen Vertrauten des Kanzlers direkt an Gesprächen in Kiew beteiligt. Dabei steht die Suche nach Wegen zu möglichen Verhandlungen im Mittelpunkt, während Russland laut Berlin weiter auf Maximalforderungen beharrt.

Jared Kushner und Steve Witkoff (Archiv)
Jared Kushner und Steve Witkoff (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung begrüßt die neuen Vermittlungsbemühungen der USA im Ukraine-Krieg und war direkt an Gesprächen in Kiew beteiligt. Ein außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Olaf Scholz nahm an den Verhandlungen teil, die am Vortag in der ukrainischen Hauptstadt stattfanden.Bundesregierung stellt Unterstützung für Gespräche heraus„Ich kann nur sagen, dass es gut ist, dass derartige Gespräche laufen, und ich kann auch bestätigen, dass wir in Person des außenpolitischen Beraters des Bundeskanzlers an diesen Gesprächen mit beteiligt waren“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am Montag mit Blick auf das Treffen in Kiew. Die Teilnahme der E3-Staaten – also Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens – sei nach seinen Worten ausdrücklich von ukrainischer Seite und von den USA gewünscht worden.Ziel: Wege zu einem Verhandlungsprozess auslotenHille betonte, es gehe in Kiew darum, Wege auszuloten, wie es zu einem Verhandlungsprozess kommen könne. An der grundlegenden Ausgangslage habe sich allerdings seit Monaten nichts geändert. Die Ukraine sei demnach bereit, sich auf einen Verhandlungsweg zu machen, Russland verweigere hingegen weiterhin jeden Schritt in diese Richtung und beharre auf Maximalforderungen.Trump-Gesandte besuchen erstmals KiewDie US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner waren am Vortag als Gesandte des früheren US-Präsidenten Donald Trump zu Gesprächen in Kiew eingetroffen.

Der Besuch markierte ihren ersten offiziellen Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt. In diesem Rahmen suchten sie den Austausch mit der ukrainischen Führung und den eingebundenen europäischen Vertretern, um mögliche Optionen für künftige Verhandlungen im Ukraine-Krieg zu sondieren.
Die erneuten Friedensgespräche zum Krieg in der Ukraine unter Beteiligung der USA und europäischer Staaten fügen sich in eine lange Reihe diplomatischer Ansätze seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Immer wieder hatten unterschiedliche Akteure versucht, Gesprächskanäle offenzuhalten, etwa über internationale Gipfel, Vermittlungsbemühungen einzelner Staaten oder Formate wie das sogenannte Normandie-Format. Dass nun Gesandte des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in Kiew auftreten und mit europäischen Vertretern sprechen, zeigt, dass der Konflikt weiterhin als zentrale sicherheitspolitische Frage für die USA und Europa gilt.Politische Bedeutung für Deutschland und die E3Die Beteiligung der Bundesregierung über den außenpolitischen Berater des Bundeskanzlers sowie die Einbindung der E3-Staaten – also Deutschlands, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs – unterstreicht den Anspruch Europas, in Fragen von Krieg und Frieden auf dem eigenen Kontinent eine aktive Rolle zu spielen.

Zugleich bleibt die grundsätzliche Position Deutschlands erkennbar, wonach jede Verhandlungslösung die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine respektieren muss. Die Aussage, die Ukraine sei zu einem Verhandlungsweg bereit, während Russland auf Maximalforderungen beharre, spiegelt die bisherige Erfahrung vieler westlicher Staaten, nach der substanzielle Gesprächsangebote immer wieder an fehlender Kompromissbereitschaft Moskaus gescheitert sind.Mögliche Folgen und Grenzen der InitiativeFür Leserinnen und Leser in Deutschland ist entscheidend, dass solche Gespräche kurzfristig keine grundlegende Veränderung der Lage an der Front bedeuten, wohl aber langfristig den Boden für spätere Verhandlungsformate bereiten können.

Solange Russland grundlegende politische Bedingungen der Ukraine, etwa Rückzug aus besetzten Gebieten, nicht akzeptiert, bleiben die militärischen Auseinandersetzungen der zentrale Faktor. Der Besuch der US-Unterhändler in Kiew und die aktive Beteiligung europäischer Vertreter zeigen dennoch, dass hinter den Kulissen weiter nach Wegen gesucht wird, den Krieg irgendwann zu beenden. Ob diese Initiative dazu einen konkreten Beitrag leisten kann, hängt von der Reaktion Russlands und von der weiteren sicherheitspolitischen Entwicklung ab.

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