Bundespräsidentenwahl: Midyatli kritisiert späte Kandidatensuche

heute 06:28 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

SPD-Vize Serpil Midyatli und die Grünen in Schleswig-Holstein kritisieren, dass die Koalition noch keinen gemeinsamen Vorschlag für die Nachfolge im höchsten Staatsamt vorgelegt hat. In mehreren Ländern laufen derweil bereits die Vorbereitungen für die Bundesversammlung.

Serpil Midyatli (Archiv)
Serpil Midyatli (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Länder bestimmen Wahlleute trotz offener KandidatenfrageDie langwierige Suche nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten sorgt in den Bundesländern für Unmut, während dort bereits die Nominierung der Wahlleute für die Bundesversammlung läuft. Serpil Midyatli, Vize-Bundeschefin der SPD und schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende, kritisierte, dass die Länder ihre Entscheidungen treffen müssten, obwohl in Berlin weiterhin offen sei, wer kandidieren solle.Midyatli sieht Merz in besonderer VerantwortungDie Abläufe bei der Wahl seien unglücklich aufeinander abgestimmt, sagte Midyatli den „Kieler Nachrichten“, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehören.

Bundeskanzler Friedrich Merz trage eine besondere Verantwortung für die politische Abstimmung auf Bundesebene, weil die CDU das Vorschlagsrecht für einen Koalitionskandidaten beanspruche.Es liege deshalb an Merz, den Abstimmungsprozess so zu organisieren, dass die Abläufe besser ineinandergreifen, sagte Midyatli. Einen abgestimmten Vorschlag der schwarz-roten Koalition gibt es bislang nicht.Merkel führt schleswig-holsteinische Delegiertenliste anZur zwölfköpfigen Delegiertenliste der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein gehört auch Altkanzlerin Angela Merkel. Sie steht auf Platz eins der Liste für die Wahl des Bundespräsidenten im kommenden Januar.Grüne fordern überparteiliche PersönlichkeitAuch die Grünen in Schleswig-Holstein kritisieren die Dauer der Suche. Vize-Fraktionschefin Silke Backsen sagte, für die Spitze des Staates brauche es eine Persönlichkeit, die auf Überparteilichkeit und Integration setze und in schwierigen Zeiten Orientierung gebe.Nach ihren Worten sollte die gesuchte Person die Demokratie entschlossen verteidigen.

Zudem sei es an der Zeit, dass eine Frau das höchste Amt an der Spitze des Staates einnehme.Sorge über Abstimmungsverhalten in NiedersachsenUnmut über die späte Kandidatenbenennung gibt es auch in Niedersachsen.

Dort besteht nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ unter anderem in der CDU-Landtagsfraktion die Sorge, dass Prominente oder andere von den Landtagen nominierte Personen im Januar nicht für den CDU-Vorschlag stimmen könnten.
Die Bundesversammlung soll im Januar das deutsche Staatsoberhaupt wählen.

Nach der dts-Meldung treffen die Länder bereits Vorbereitungen für die Entsendung ihrer Wahlleute, während die Koalition auf Bundesebene noch keinen gemeinsamen Personalvorschlag präsentiert hat.Die Suche konzentriert sich damit nicht nur auf geeignete Persönlichkeiten, sondern auch auf das Verfahren innerhalb der schwarz-roten Koalition. Die CDU beansprucht das Vorschlagsrecht; zugleich wird in der politischen Debatte über mehrere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sowie über eine stärkere Repräsentation von Frauen im höchsten Staatsamt gesprochen.Wahlleute werden vor der Entscheidung nominiertDie zeitliche Spannung entsteht, weil die Länder ihre Delegierten bestimmen müssen, bevor die parteipolitische Abstimmung in Berlin abgeschlossen ist. Das kann die Planung der Landtagsfraktionen erschweren, insbesondere wenn neben Abgeordneten auch gesellschaftlich bekannte Persönlichkeiten als Wahlleute vorgesehen sind.Für Schleswig-Holstein erhält die Debatte durch die Nominierung Angela Merkels zusätzliches Gewicht. Ihre Aufnahme in die zwölfköpfige Delegiertenliste der Landes-CDU macht die Bundesversammlung auch regional sichtbar. Politisch entscheidend bleibt jedoch, ob die Koalition rechtzeitig einen Namen festlegt und damit den Wahlleuten eine klare Orientierung gibt.Überparteilichkeit prägt die ErwartungenDie Kritik aus SPD und Grünen verweist auf Anforderungen, die über die bloße Mehrheitsbildung hinausgehen: Das Staatsoberhaupt soll integrieren, Orientierung geben und die Demokratie verteidigen.

Eine verspätete Nominierung kann deshalb nicht nur organisatorische, sondern auch politische Kosten verursachen, weil sie den Eindruck einer vor allem parteiinternen Personalentscheidung verstärkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenTagesschau: „Steinmeier-Nachfolge: Die Kandidatensuche wird zur ...“ (29.10.2026)Der Beitrag ordnet die Nachfolgesuche als unübersichtlich und parteipolitisch aufgeladen ein. Er bestätigt den offenen Auswahlprozess und setzt den Schwerpunkt auf die Debatte innerhalb von CDU und CSU.WDR 5: „Steinmeier-Nachfolge: Parteipolitik bestimmt die Suche“ (29.10.2026)Der WDR hebt den Zeitdruck vor der Wahl der Bundesversammlung am 30. Januar hervor. Gemeinsam ist beiden Beiträgen die Einschätzung, dass die Entscheidung noch aussteht; unterschiedlich ist der Fokus auf das Verfahren beziehungsweise die parteipolitische Auseinandersetzung.Offen bleibt damit vor allem, wann die Koalition einen abgestimmten Vorschlag vorlegt und welche Persönlichkeit schließlich die Unterstützung der Wahlleute erhält.

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