Bundesnetzagentur rechnet mit Verfehlung des 80-Prozent-Gasziels
heute 12:59 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die Bundesnetzagentur rechnet vor dem Winter nicht mehr damit, dass die staatlich vorgegebene Zielmarke von 80 Prozent Füllstand in den deutschen Gasspeichern erreicht wird. Präsident Klaus Müller verweist auf alternative Bezugsquellen und begrüßt den Aufbau einer staatlichen Gasreserve.
via dts Nachrichtenagentur
Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die staatlich vorgegebene Zielmarke von 80 Prozent Füllstand in den deutschen Gasspeichern vor dem Winter nicht mehr erreichbar ist. Präsident Klaus Müller sprach von einem technisch kaum noch zu schaffenden und nicht mehr realistischen Ziel.Experten rechnen mit Verfehlen der 80-Prozent-MarkeLaut Müller sind sich inzwischen alle Experten einig, dass die 80-Prozent-Vorgabe für die Speicherfüllstände nahezu ausgeschlossen ist. Er sagte dem Fernsehsender Phoenix, die Marke sei sowohl technisch als auch praktisch nicht mehr zu erreichen.
Damit stellt die Bundesnetzagentur das bisherige Ziel der Politik für den kommenden Winter deutlich infrage.Der Präsident betonte zugleich, dass es sich um eine Einschätzung handele, die auf aktuellen Daten und technischen Rahmenbedingungen beruhe. Die Speicher sollen dennoch weiter befüllt werden, um die Gasversorgung möglichst robust zu halten.Aktueller Füllstand und weitere SpeicherbefüllungDerzeit sind die deutschen Gasspeicher nach Angaben Müllers zu 56 Prozent gefüllt. Dies sei bereits mehr Gas, als im gesamten letzten Winter aus den Speichern entnommen worden sei.
Damit sieht die Ausgangslage zwar besser aus als im Vorjahr, bleibt aber hinter der angestrebten 80-Prozent-Marke zurück.Müller verwies darauf, dass Mitte September noch Zeit bleibe, um die Speicher weiter aufzufüllen.
Händler sollten trotz hoher Preise insbesondere die Monate September und Oktober nutzen, um zusätzliche Mengen einzuspeichern und so vorzusorgen.Rolle von LNG-Terminals und ImportenDie Gasversorgung stützt sich nach den Worten des Bundesnetzagentur-Präsidenten nicht allein auf die Füllstände der Speicher. In den vergangenen Monaten wurden vier Flüssiggasterminals in Betrieb genommen, die zusätzliche Importkapazitäten bereitstellen.
Darüber hinaus bestehen Bezugsquellen aus Norwegen sowie aus den Nachbarländern Belgien, den Niederlanden und Frankreich.Diese Infrastruktur ergänze die Speicher und ermögliche eine diversifizierte Versorgung.
Sie soll dazu beitragen, Engpässe zu vermeiden, auch wenn Speicherziele verfehlt werden.Staatliche Gasreserve soll kommenMüller begrüßte zudem den geplanten Aufbau einer staatlichen Gasreserve. Ein entsprechendes Gesetz befinde sich in der politischen Beratung und müsse nach seiner Ansicht zügig beschlossen werden.
Eine solche Reserve könnte im Falle von Marktstörungen oder außergewöhnlich hoher Nachfrage als zusätzliche Sicherheitslinie dienen.Der Präsident der Bundesnetzagentur machte deutlich, dass eine schnelle gesetzliche Umsetzung wichtig sei, um rechtzeitig vor dem Winter klare Rahmenbedingungen zu schaffen.
Die Kombination aus Speicherfüllständen, Importkapazitäten und einer staatlichen Reserve soll die Gasversorgung in Deutschland insgesamt stabilisieren.
Die Einschätzung von Klaus Müller markiert einen wichtigen Punkt in der deutschen Gaspolitik vor dem kommenden Winter. Wenn der staatlich vorgegebene Zielwert von 80 Prozent Füllstand nicht mehr erreichbar ist, verschiebt sich der Fokus von ambitionierten Zielmarken hin zu einer stabilen, diversifizierten Versorgungslage. Entscheidend ist dabei, dass die derzeitigen 56 Prozent Speicherfüllstand bereits über der Menge liegen, die im letzten Winter insgesamt entnommen wurde.Versorgungslage und AlternativenFür Haushalte und Unternehmen bedeutet dies, dass die Sicherheit der Gasversorgung künftig weniger von einzelnen Speicherzielen abhängt, sondern stärker von der Kombination aus Speichern, Importen und Flüssiggas-Terminals. Die angesprochenen vier LNG-Terminals sowie Liefermöglichkeiten aus Norwegen und den Nachbarstaaten in der EU sind zentrale Bausteine, um Verbrauchsspitzen im Winter abzufedern. Gleichzeitig bleiben hohe Großhandelspreise ein Problem, das sich unmittelbar auf die Endkundenpreise auswirken kann.Staatliche Gasreserve und gesetzliche GrundlagenDer Aufbau einer staatlichen Gasreserve zielt darauf, extreme Marktphasen zu entschärfen und strategische Vorräte zu sichern. Ein entsprechendes Gesetz würde dem Staat Instrumente geben, um bestimmte Mindestmengen vorzuhalten und im Krisenfall gezielt einsetzen zu können.
Für Verbraucher und Industrie wäre dies ein zusätzlicher Schutzmechanismus, der jedoch oft mit Kosten für die öffentliche Hand und indirekt für die Wirtschaft verbunden ist. Wie stark diese Reserve die Preisentwicklung und die Versorgungssicherheit tatsächlich beeinflussen kann, hängt davon ab, wie umfangreich sie ausgestaltet wird und wie schnell die gesetzliche Grundlage verabschiedet wird.