Bürokratieabbau: 98 Prozent der Unternehmen spüren nichts davon

heute 06:17 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine Forsa-Erhebung im Auftrag der BDA zeigt, dass Unternehmen bislang kaum eine Entlastung durch den angekündigten Bürokratieabbau wahrnehmen. Besonders stark belasten sie Vorschriften, Arbeitskosten und Energiepreise.

Glasfassade an einem Bürohaus (Archiv)
Glasfassade an einem Bürohaus (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Unternehmen spüren kaum Entlastung durch Bürokratieabbau98 Prozent der Unternehmen in Deutschland nehmen einer Forsa-Umfrage zufolge bislang keinen Bürokratie-Abbau wahr. 45 Prozent sehen keine Veränderung, 53 Prozent berichten sogar von einer Zunahme der Belastungen durch Vorschriften und Bürokratie.Die Erhebung wurde im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände durchgeführt und von der „Bild“ berichtet.Vorschriften gelten als größtes WirtschaftsrisikoÜbermäßige Vorschriften und Regulierungen stellen für 83 Prozent der befragten Unternehmen ein großes Risiko für den wirtschaftlichen Erfolg dar. Dahinter folgen hohe Arbeitskosten mit 79 Prozent und hohe Energiepreise mit 72 Prozent.Weitere Sorgen bereiten der Fachkräftemangel und die Unternehmenssteuern. 60 Prozent sehen im Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ein großes Risiko, 58 Prozent nennen zu hohe Unternehmenssteuern.Unternehmen fordern konkrete EntlastungenEine unsichere Nachfrage führen 52 Prozent als Risiko an, eine veraltete Infrastruktur 46 Prozent. Die fehlende Digitalisierung der Verwaltung betrachten 36 Prozent als erhebliches wirtschaftliches Problem.BDA-Präsident Rainer Dulger kritisierte die fortbestehende bürokratische Belastung.

Unternehmer erlebten einen Sisyphos-Effekt: Sie investierten, schafften Arbeitsplätze und kämpften sich voran, würden durch immer neue Vorschriften aber wieder zurückgeworfen.Dulger forderte, das Lieferkettengesetz für Unternehmen mit weniger als 5.000 Beschäftigten abzuschaffen.

Außerdem sollten überflüssige steuerliche Meldepflichten gestrichen werden; Daten, die der Staat bereits habe, dürfe er nicht immer wieder neu verlangen.Befragung unter mehr als 1.000 UnternehmenFür die repräsentative Umfrage wurden 1.006 Unternehmen der Privatwirtschaft mit mindestens zehn Mitarbeitern in Deutschland befragt. Die Befragung fand zwischen dem 28. August und dem 29. September 2026 statt.
Die Umfrage fällt in eine Phase, in der Bürokratieabbau zu den wiederkehrenden wirtschaftspolitischen Vorhaben der Bundesregierung zählt. Für Unternehmen entscheidet sich der Nutzen solcher Programme jedoch nicht an Ankündigungen, sondern daran, ob Meldepflichten entfallen, Verfahren schneller werden und Behörden vorhandene Daten tatsächlich weiterverwenden.Die Ergebnisse ordnen die Bürokratiebelastung in ein größeres Risikobild ein: Unternehmen nennen neben Vorschriften auch Arbeits- und Energiekosten, Fachkräftemangel, Steuern und eine unsichere Nachfrage. Bürokratie ist damit nicht das einzige Problem, kann aber mehrere Belastungen verstärken, wenn Investitionen, Einstellungen oder Genehmigungen durch zusätzliche Verfahren verzögert werden.Entlastung hängt von Umsetzung abDie Forderung nach einer Abschaffung des Lieferkettengesetzes für kleinere Unternehmen zielt auf eine konkrete Schwelle und damit auf eine begrenzte, klar messbare Entlastung.

Eine Streichung steuerlicher Meldepflichten würde dagegen voraussetzen, dass Behörden ihre Informationsbestände sicher austauschen können.

Für Betriebe wäre entscheidend, ob daraus dauerhaft weniger Nachweise und nicht lediglich neue digitale Übermittlungswege entstehen.Die Befragung macht zudem sichtbar, dass Verwaltungsdigitalisierung und Bürokratieabbau eng zusammenhängen.

Solange Verfahren nicht medienbruchfrei funktionieren und Zuständigkeiten schwer erkennbar bleiben, können neue Regeln die tatsächliche Belastung trotz digitaler Angebote erhöhen.

Die politische Wirkung des angekündigten Abbaus wird deshalb daran gemessen werden, ob Unternehmen im Alltag weniger Zeit für Nachweise und mehr Planungssicherheit gewinnen.

Handelssysteme, die für dich handeln!
Indikator. Pro. Automated.
Demo anfordern