Brantner fordert nach neuer Pisa-Studie bundesweite Bildungsreform
heute 00:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Grünen-Chefin Franziska Brantner reagiert auf das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der neuen Pisa-Studie mit scharfer Kritik und der Forderung nach einer bundesweiten Bildungsreform. Sie will Bund und Länder zu deutlich engerer Zusammenarbeit verpflichten, damit Bildungschancen nicht länger vom Wohnort abhängen.
via dts Nachrichtenagentur
Nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der neuen Pisa-Studie stellt Grünen-Chefin Franziska Brantner das Bildungssystem infrage und fordert eine grundlegende bundesweite Bildungsreform. Sie verlangt, dass Bund und Länder enger zusammenarbeiten, um Bildungschancen unabhängig vom Wohnort und der einzelnen Schule zu gewährleisten.Brantner kritisiert föderales "Klein-Klein"Brantner sagte der "Rheinischen Post": "Wir müssen endlich raus aus dem föderalen Klein-Klein." Die Länder blieben zwar für Bildung verantwortlich, doch sie und der Bund müssten aus ihrer Sicht viel stärker zusammenarbeiten, voneinander lernen und erfolgreiche Konzepte verbindlich übernehmen.
Gute Bildung dürfe nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind geboren werde, an welche Schule es komme oder welche Lehrkraft es zufälligerweise unterrichte.Forderung nach bundesweiter Bildungsreform"Wir brauchen keinen weiteren Bildungsgipfel und keine nächste Kommission", erklärte die Grünen-Vorsitzende weiter. Stattdessen plädiert sie für eine grundlegende bundesweite Bildungsreform. Deutschland leiste sich nach ihren Worten seit Jahrzehnten ein bildungspolitisches Desaster, das man längst nicht mehr schönreden könne.Freiheitsversprechen und ChancenEin zentraler Punkt für Brantner ist das mit Bildung verknüpfte Freiheitsversprechen.
"Ein wichtiger Teil unseres Freiheitsversprechens ist, dass du Chancen bekommst und es sich lohnt, sich anzustrengen", sagte sie. Dieses Versprechen werde mit der neuen Pisa-Studie ihrer Ansicht nach erneut gebrochen.
Deshalb müsse man es durch eine umfassende Reform erneuern.
Die Kritik von Grünen-Chefin Franziska Brantner knüpft an eine lange Reihe schwacher internationaler Vergleichsstudien für das deutsche Bildungssystem an. Schon seit den ersten Pisa-Ergebnissen zu Beginn der 2000er-Jahre wird immer wieder bemängelt, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft und vom Wohnort abhängt. Der Verweis darauf, dass gute Bildung nicht vom Bundesland oder der einzelnen Lehrkraft abhängen dürfe, greift diese Sorge unmittelbar auf.Brantner stellt mit ihrer Forderung nach einer "grundlegenden bundesweiten Bildungsreform" das bisherige Verständnis der föderalen Zuständigkeiten in der Bildungspolitik zur Diskussion. Dass die Länder formal verantwortlich bleiben sollen, sie aber zugleich deutlich enger mit dem Bund kooperieren und erfolgreiche Konzepte verbindlich übernehmen sollen, zielt auf eine stärkere Vereinheitlichung von Standards und Strukturen, ohne das Grundgesetz offen infrage zu stellen.
Damit bewegt sich die Forderung im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach bundesweit vergleichbaren Chancen und der gewachsenen Tradition starker Länderkompetenzen in Schulfragen.Hintergrund der Pisa-DebatteDie neuerliche Pisa-Studie, auf die sich Brantner bezieht, reiht sich in einen Trend ein, wonach deutsche Schülerinnen und Schüler sowohl bei Kompetenzen in Kernfächern als auch bei Chancengerechtigkeit im internationalen Vergleich hinter vielen anderen Industrienationen zurückliegen. In der öffentlichen Debatte wird dabei häufig kritisiert, dass Reformen meist kleinteilig und auf einzelne Bundesländer beschränkt bleiben, statt bundesweit abgestimmte Veränderungen anzustoßen.
Brantners Hinweis auf ein seit Jahrzehnten bestehendes "bildungspolitisches Desaster" nimmt diese Kritik auf und verdichtet sie politisch.Bedeutung und mögliche FolgenFür Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ist die Forderung nach einer grundlegenden Reform vor allem mit der Hoffnung verbunden, dass der Bildungserfolg weniger vom Zufall des Wohnorts und der individuellen Schulbiografie abhängen könnte. Konkrete Schritte wären etwa bundesweit enger abgestimmte Lehrpläne, gemeinsame Qualitätsstandards und bessere Vergleichbarkeit von Abschlüssen.
Gleichzeitig dürfte die Diskussion über eine stärkere Rolle des Bundes in der Bildungspolitik erneut die Frage nach Verfassungsänderungen oder neuen Kooperationsmodellen aufwerfen. Ob und wie sich diese Forderungen politisch durchsetzen, hängt maßgeblich von der Bereitschaft der Länder ab, Teile ihrer Gestaltungsspielräume gemeinsam zu koordinieren.