BND-Operation im Schatten des Eichmann-Prozesses: Ein Agent im Dienste der Bundesregierung

heute 12:47 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Neue Erkenntnisse enthüllen: Der Bundesnachrichtendienst platzierte 1961 mit Kanzleramt-Billigung einen Spitzel im Eichmann-Prozess, um Einfluss auf die Verteidigung zu nehmen und politisch heikle Namen zu schützen.

Bundesnachrichtendienst (Archiv)
Bundesnachrichtendienst (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Ein unerwarteter Fund macht die Runde: Wie Klaus-Dietmar Henke, Zeitgeschichtler und Leiter der unabhängigen Historikerkommission, nach Jahren des Aktenstudiums offenlegt, schleuste der BND einen jungen Juristen gezielt in das Verteidiger-Team Adolf Eichmanns ein.

Blick hinter die Kulissen
Henke stieß bei seinen Recherchen auf Protokolle, die bis dato verschlossen waren.

Ein trockner Fakt — wäre da nicht die Brisanz: Der Anwalt doppelte als BND-Agent, ausgerechnet auf Betreiben und mit Wissen des Kanzleramtes.

Ziel war klar umrissen und fast schon zynisch klug: Jede Spur, die von Eichmann in Richtung Hans Globke, dem engsten Vertrauten Adenauers, führte, sollte elegant gekappt werden.

Globkes Vergangenheit – und die Angst vor Enthüllungen
Globke, der einst das Fundament für die „Nürnberger Gesetze“ legte, war nie Parteimitglied, aber als Jurist doch wesentlich an den Vorbereitungen der Shoah beteiligt. Seltsam eigentlich: Während andere im Nachkriegsdeutschland untergingen, stieg Globke auf und regierte im Hintergrund. Die Bundesregierung war damals offenbar bereit, sämtliche Register – legal, illegal, ganz egal – zu ziehen, damit dieser Mann keinen Schaden nahm.

Mehr als eine Fußnote der Zeitgeschichte
Henkes Buch, „Vergangenheitsabwehr“, widmet sich genau diesen Strippenzügen des frühen BND. Historisch gesehen ist es ein Lehrstück für institutionelles Vergessen-Wollen – und vielleicht auch ein bitteres Eingeständnis, dass in der jungen Bundesrepublik Machterhalt manchmal wichtiger war als die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. Wann erscheinen solche Einsichten mal zur rechten Zeit? Wahrscheinlich nie.
Der Zeithistoriker Klaus-Dietmar Henke deckt auf, dass der BND gezielt einen jungen Anwalt als Spion in den Jerusalemer Eichmann-Prozess einschleuste und dieser direkt auf Anweisung aus dem Kanzleramt agierte.

Neuer Blick auf den Umgang mit Altlasten
Der eigentliche Skandal: Die Bundesregierung versuchte offenbar systematisch, die Rolle von NS-Belasteten wie Staatssekretär Hans Globke zu verschleiern und deren Namen aus den Prozessen, die die Shoah aufarbeiteten, herauszuhalten.

Henkes Recherchen basieren auf bislang nicht zugänglichen Akten, deren Auswertung nun auch das öffentliche Bild des frühen BND und des Umgangs der Adenauer-Regierung mit NS-Kontinuitäten durcheinanderwirbelt.

Weitere Details aus aktuellen Quellen:
1. Laut "Süddeutsche Zeitung" unterstreichen weitere Analysen des Buchs "Vergangenheitsabwehr" das strategische Vorgehen des BND zur Beeinflussung internationaler Wahrnehmung Deutschlands, insbesondere im Kontext von Vergangenheitsbewältigung und politischer Stabilität der frühen Bundesrepublik (Quelle: Süddeutsche Zeitung).
2. Auch "Die Zeit" berichtet von der gezielten Einflussnahme des Bundesnachrichtendienstes auf internationale Prozesse im Kalten Krieg – mit dem Fokus, kompromittierende Aussagen über bundesdeutsche Regierungsmitglieder wie Hans Globke zu verhindern, um außenpolitische Konsequenzen abzuwenden (Quelle: Die Zeit).
3. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hebt die Bedeutung der neu veröffentlichten Akten hervor, da sie erstmals eine direkte Linie zwischen Bundeskanzleramt und BND-Aktivitäten zum Schutz deutscher Nachkriegs-Eliten im Eichmann-Prozess nachweisen (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Zusätzlich fällt auf, wie wenig bisher über die systematische Einflussnahme bekannt war – und wie stark der öffentliche Diskurs über historische Verantwortung immer noch von Geheimhaltung und politischen Erwägungen beeinflusst wird.

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