Betriebsrente: GDV will Kleinunternehmen mit Basisprodukt erreichen
heute 10:53 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft will die betriebliche Altersvorsorge für Klein- und Kleinstbetriebe vereinfachen. Ein standardisiertes Basisprodukt soll Arbeitgeber bei Haftung und Verwaltung entlasten.
via dts Nachrichtenagentur
Die Versicherungswirtschaft will die betriebliche Altersvorsorge auch für Klein- und Kleinstunternehmen öffnen.
Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), kündigte dazu vor dem Sozialpartnerdialog Anfang Oktober ein standardisiertes Basisprodukt an.GDV sieht Hürden bei kleinen BetriebenSchumann sagte den Funke-Zeitungen, die betriebliche Altersvorsorge solle „für jede Pommesbude“ möglich werden.
Vor allem Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten fehle ein einfaches Angebot, das sich schnell umsetzen lasse.Als zentrales Hemmnis nannte Schumann die Arbeitgeberhaftung.
Für Betriebe sei es abschreckend, über Jahrzehnte für die späteren Betriebsrenten einstehen zu müssen. In Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten habe deshalb bislang nur jeder Vierte eine betriebliche Altersvorsorge.Standardprodukt soll Haftung begrenzenNach dem Vorschlag des GDV soll der Arbeitgeber den Vertrag einrichten und anschließend nur noch die Beiträge zahlen. Um die weitere Abwicklung soll sich ein anderer Anbieter kümmern; die Arbeitgeber sollen dadurch „weitgehend von Haftung und Aufwand entlastet“ werden.Der Versicherungsverband will das Modell auch außerhalb des Sozialpartnermodells ermöglichen. In diesem tariflichen Rahmen sind Arbeitgeber von einer Garantiepflicht für die spätere Rentenhöhe entbunden, müssen aber Zusagen über die Höhe der Beiträge machen.
Gewerkschaften und Arbeitgeber überwachen dort gemeinsam die Anlage der Gelder.Millionen Verträge als GrundlageDer GDV will nach Schumanns Worten an die bestehenden Regelungen für Direktversicherungen anknüpfen.
Grundlegende Änderungen seien deshalb nicht erforderlich.Geplant ist außerdem eine Administrationsplattform. Beiträge könnten an eine zentrale Stelle überwiesen und über die Vertragsnummer automatisch dem jeweiligen Vertrag zugeordnet werden.
Das erleichtere auch den Wechsel des Versicherers und den Übergang eines Vertrags bei einem Arbeitgeberwechsel.Sozialpartnerdialog soll Richtung vorgebenDer Sozialpartnerdialog zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern Anfang Oktober soll klären, wie die Betriebsrente stärker verbreitet werden kann. Sobald die Vorstellungen von Politik und Sozialpartnern feststünden, könnten Versicherer entsprechende Angebote auf den Markt bringen.Nach Angaben Schumanns liegen bereits mehr als 16 Millionen Verträge der Versicherer in der betrieblichen Altersvorsorge, überwiegend als Direktversicherungen.
Insgesamt verfügen in Deutschland bislang 52 Prozent der Arbeitnehmer über eine betriebliche Altersvorsorge, das entspricht rund 20 Millionen Beschäftigten.
Die betriebliche Altersvorsorge erreicht bislang vor allem Beschäftigte in größeren und tarifgebundenen Unternehmen.
Klein- und Kleinstbetriebe stehen dagegen vor besonderen organisatorischen und rechtlichen Hürden: Sie müssen Verträge auswählen, Beiträge verwalten und sich mit Fragen der Arbeitgeberhaftung auseinandersetzen.
Ein standardisiertes Angebot könnte diese Zugangsschwelle senken.Der Vorschlag des GDV zielt darauf, die bestehende Struktur der Direktversicherung stärker zu nutzen.
Ein Vertrag, der beim Arbeitgeberwechsel mitgenommen werden kann, würde zudem die zunehmende Mobilität von Beschäftigten berücksichtigen.
Eine zentrale Administrationsplattform könnte Abläufe vereinfachen, setzt aber klare Regeln für Zuständigkeiten, Datenschutz, Kosten und die Zuordnung der Beiträge voraus.Entscheidend bleibt die HaftungDie politische Bedeutung liegt in der Abgrenzung zum Sozialpartnermodell. Dort verzichten Arbeitgeber unter bestimmten Bedingungen auf Garantien zur späteren Leistung, während Gewerkschaften und Arbeitgeber die Anlage und Ausgestaltung gemeinsam organisieren.
Der GDV will ein vergleichbar einfaches Prinzip auch außerhalb dieses tariflichen Rahmens ermöglichen.Für Beschäftigte würde ein breiterer Zugang die zusätzliche Altersvorsorge verbessern, sofern Beiträge regelmäßig gezahlt werden und die Kosten des Produkts die Rendite nicht übermäßig mindern. Für Arbeitgeber wäre entscheidend, dass die versprochene Entlastung von Haftung und Verwaltung rechtssicher ausgestaltet wird. Die Gespräche Anfang Oktober sollen klären, ob ein solches Basisprodukt mit den Vorstellungen von Politik und Sozialpartnern vereinbar ist.