Berliner Polizei: Herrmann warnt vor Abwanderung von Beamten

heute 18:01 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kritisiert die Berliner Linke scharf und warnt vor Folgen für die innere Sicherheit. Anlass sind geplante Versetzungen von Polizisten sowie Äußerungen der Linken-Chefin Ines Schwerdtner zu Protesten.

Joachim Herrmann (Archiv)
Joachim Herrmann (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Berliner Polizisten wollen Hauptstadt verlassenBayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat der Berliner Linkspartei vorgeworfen, Polizisten zu diffamieren und Chaoten näherzustehen als Polizeibeamten.

Gegenüber dem Fernsehsender „Welt“ sagte Herrmann, es sei deshalb kein Wunder, dass Polizisten aus Berlin abwandern wollten.Herrmann warnt vor SicherheitsfolgenDer Minister bezeichnete die Entwicklung als alarmierend und erklärte, die Verhandlungen über ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin wirkten auf Polizeibeamte offenbar abschreckend. Zugleich verwies er auf die aus seiner Sicht besonders hohe Kriminalitätsbelastung in der Hauptstadt.Herrmann sagte, Berlin habe bereits heute die höchste Kriminalitätsbelastung aller 16 Bundesländer. Wenn sich die Linkspartei in dieser Lage weiter von der Polizei distanziere und Beamte diffamiere, müsse sie sich nicht wundern, wenn Polizisten der Stadt den Rücken kehren wollten.Kritik an Ines SchwerdtnerDer CSU-Politiker griff zudem die Linken-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner an. Sie hatte sich bei einer Studierenden-Veranstaltung zur Vorbereitung von Sozialprotesten mit den Organisatoren solidarisiert.Herrmann kritisierte insbesondere ihre Äußerungen zu den Zuständen in Frankreich und zur Haltung der Linkspartei, falls Polizisten bei Protesten angegriffen würden.

Darin sehe er ein politisches Weltbild, das die Linke näher an Chaoten als an Polizeibeamte rücke.Warnung an Berlin und den BundHerrmann bezeichnete diese Haltung als „verheerende Botschaft für die Sicherheit in unserer Bundeshauptstadt“. Die Entwicklung sei nicht nur für die Berliner, sondern für alle Menschen in Deutschland ein Alarmzeichen.
Die Debatte über mögliche Versetzungen von Berliner Polizisten fällt in eine Phase politischer Neuordnung in der Hauptstadt. Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl verhandeln Linke, Grüne und SPD über ein rot-grün-rotes Bündnis. Sicherheits- und Innenpolitik gehören dabei zu den Feldern, in denen unterschiedliche politische Grundhaltungen besonders deutlich aufeinandertreffen.Im Mittelpunkt steht einerseits die Frage, wie konsequent der Staat gegen Gewalt bei Demonstrationen und Angriffe auf Einsatzkräfte vorgeht. Andererseits geht es um die politische Bewertung polizeilicher Maßnahmen, etwa bei Protesten, Räumungen und Versammlungen.

Schwerdtners Bezug auf französische Protestmobilisierung verstärkt diese Auseinandersetzung, weil er von politischen Gegnern als Signal mangelnder Distanz zu radikalen Aktionsformen interpretiert wird.Personalfrage mit politischer WirkungEine größere Zahl von Versetzungswünschen könnte für Berlin praktische Folgen haben, wenn dadurch erfahrene Beamte fehlen und die ohnehin hohe Belastung der Polizei steigt. Zugleich ist die Personalbewegung ein politisches Signal: Innenminister anderer Länder können damit um Fachkräfte werben, während Berliner Koalitionsverhandlungen unmittelbar mit Fragen der inneren Sicherheit verknüpft werden.Für die neue Landesregierung wird entscheidend sein, wie sie den Schutz von Einsatzkräften, die Ausstattung der Polizei und den Umgang mit Protesten miteinander verbindet.

Die Auseinandersetzung reicht deshalb über parteipolitische Vorwürfe hinaus und berührt Vertrauen in den Staat sowie die Sicherheitslage in der Hauptstadt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenFOCUS online: „Nach Linken-Sieg in Berlin wollen 72 Polizisten Versetzung - dreimal so viel wie im Gesamtjahr 2025“ (22.10.2026)Der Beitrag nennt nach einer Länderumfrage 72 Berliner Polizisten, die seit Anfang September eine Versetzung angefragt oder beantragt haben.

Damit liefert er den personalpolitischen Hintergrund für Herrmanns Warnung und stellt die Größenordnung in den Mittelpunkt.Frankfurter Rundschau: „Die Linke fordert: Zeit, dass Deutschland bei GenZ-Protesten nachzieht“ (23.10.2026)Der Artikel beleuchtet den Protestbezug der Linken und die Solidarität mit französischen Jugendprotesten.

Anders als der FOCUS-Bericht konzentriert er sich auf die politische Mobilisierung; offen bleibt, welche Folgen die Debatte für die Koalitionsverhandlungen und das Verhältnis zur Polizei hat.Beide Beiträge setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Im Vordergrund stehen einerseits konkrete Versetzungswünsche, andererseits die politische Einordnung der Proteste. Gemeinsam ist ihnen der Bezug zum Berliner Regierungswechsel und zum Konflikt über den Umgang mit Polizei und Demonstrationen.

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