Berlin: Bauindustrie warnt vor Vergesellschaftung ab 10.000 Wohnungen

heute 12:43 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hält die Berliner Pläne für kontraproduktiv und warnt vor negativen Folgen für Investitionen. Ein Ökonom beziffert den möglichen Abstand zwischen Marktwert und vorgesehenem Entschädigungsrahmen auf neun Milliarden Euro.

Hausfassade (Archiv)
Hausfassade (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Bauindustrie kritisiert Berliner VergesellschaftungspläneNach Abschluss der Sondierungen in Berlin kritisiert der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller und der Ökonom Michael Voigtländer warnen vor Schäden für Bautätigkeit und Investitionen.Müller fordert neuen Bau-TurboMüller sagte der „Rheinischen Post“, die Sondierungsergebnisse wirkten bei genauerer Betrachtung gegen den Wohnungsbau. Eine Verstaatlichung von Wohnungsbeständen schaffe keine neuen Wohnungen und führe auch nicht zu deren Sanierung.Die Signalwirkung für den Standort Deutschland sei bereits jetzt verheerend, erklärte Müller. Internationale Investoren bauten dort, wo Rechtssicherheit bestehe und sich Projekte wirtschaftlich rechneten.Anzeige | trading-house BörsenakademieKostenlose Trading-Webinare für PrivatanlegerLive lernen, live fragen.

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Der Marktpreis der Wohnungen dürfte bei rund 25 Milliarden Euro liegen, während nur 16 Milliarden Euro zur Verfügung stünden.Koalitionspläne sehen Schwelle vorLinke, Grüne und SPD planen laut ihrem Sondierungspapier für ein mögliches Regierungsbündnis die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne mit mehr als 10.000 Wohnungen.Müller forderte stattdessen einen „Bau-Turbo II“, der über eine bloße Vereinfachung des Genehmigungs- und Planungsrechts hinausgeht. Nach seiner Einschätzung würden die Berliner Pläne weder den Neubau noch die Sanierung bestehender Wohnungen voranbringen.
Die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände knüpft an den Berliner Volksentscheid von 2021 an. Damals stimmten die Berliner dafür, private Immobilienunternehmen ab einer Schwelle von 3.000 Wohnungen zu vergesellschaften.

Das nun vereinbarte Sondierungsergebnis setzt die Grenze höher: Betroffen wären Unternehmen mit mehr als 10.000 Wohnungen.Damit würde der politische Vorstoß auf eine kleinere Gruppe großer Bestandshalter konzentriert. Nach den bisher bekannten Plänen sollen die Bestände in Gemeineigentum überführt werden; als finanzieller Rahmen stehen bis zu 16 Milliarden Euro im Raum. Dem steht nach der Einschätzung des Ökonomen Michael Voigtländer ein Marktwert von rund 25 Milliarden Euro gegenüber. Die Differenz bildet den Kern des Entschädigungsstreits.Rechtliche und politische HürdenDie Umsetzung wäre nicht mit dem Sondierungspapier abgeschlossen.

Erforderlich wären ein konkretes Gesetz, die Klärung der Entschädigung und eine verfassungsrechtliche Prüfung.

Artikel 15 des Grundgesetzes erlaubt grundsätzlich die Überführung von Grund und Boden in Gemeineigentum, verlangt aber eine gesetzliche Regelung und Entschädigung.Für Mieter könnte eine Vergesellschaftung langfristig eine stärkere Gemeinwohlorientierung der Bestände bedeuten.

Kurzfristig löst sie jedoch weder den Mangel an Wohnraum noch die hohen Baukosten.

Die Kontroverse verbindet deshalb zwei unterschiedliche Fragen: den Umgang mit bestehenden Wohnungen und die Schaffung neuer Wohnungen.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Bauindustrie an.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenrbb24: „Rot-Grün-Rot plant Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände“ (18.10.2026)Der Beitrag bestätigt die Schwelle von mehr als 10.000 Wohnungen und stellt sie der Grenze von 3.000 Wohnungen aus dem Volksentscheid von 2021 gegenüber. Im Mittelpunkt steht damit die konkrete Reichweite des politischen Kompromisses.Deutschlandfunk: „Regierungsbildung in Berlin - Grüne und SPD stimmen über Koalitionsverhandlungen ab - Kritik von 20 SPD-Abgeordneten“ (19.10.2026)Der Bericht ordnet die Vergesellschaftungspläne in die weiteren Vereinbarungen der drei Parteien ein und nennt zusätzlich ein Neubauprogramm für 100.000 Wohnungen.

Anders als die Kritik der Bauindustrie liegt der Schwerpunkt damit auf dem Gesamtpaket der möglichen Regierungsbildung und den innerparteilichen Widerständen.Gemeinsam ist den Beiträgen die Darstellung der 10.000-Wohnungen-Schwelle. Offen bleiben vor allem die konkrete gesetzliche Umsetzung, die Höhe der Entschädigung und die weitere politische Zustimmung.

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