Befristete Verträge: 26 Prozent der Firmen planen mehr davon
25.09.26 17:08 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
26 Prozent der befragten Unternehmen wollen künftig stärker auf Befristungen setzen – mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Besonders verbreitet ist das Instrument in der Industrie und in Großunternehmen.
via dts Nachrichtenagentur
Deutsche Unternehmen wollen künftig deutlich häufiger befristete Arbeitsverträge einsetzen.
Das geht aus einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstad und des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo unter 469 Personalverantwortlichen hervor, über die der „Spiegel“ berichtet.Im dritten Quartal 2026 planten 26 Prozent der befragten Firmen, mehr Befristungen zu nutzen.
Vor einem Jahr waren es 12 Prozent.Industrie setzt besonders stark auf BefristungenBereits heute arbeiten 30 Prozent der befragten Betriebe mit befristeten Verträgen. In der Industrie liegt der Anteil bei 42 Prozent, im Handel bei 22 Prozent und im Dienstleistungssektor bei 24 Prozent.Besonders häufig greifen Großunternehmen auf Befristungen zurück: 59 Prozent setzen sie ein. Bei Kleinbetrieben ist es etwa jedes fünfte Unternehmen.Mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und PersonalSachgrundlose Befristungen sind grundsätzlich auf zwei Jahre begrenzt. Unternehmen können befristete Verträge auslaufen lassen, ohne dass dafür eine Kündigung erforderlich ist.Neben Befristungen wollen 33 Prozent der Befragten künftig stärker mit Arbeitszeitkonten arbeiten. 21 Prozent planen eine intensivere Nutzung von Überstunden, 15 Prozent setzen verstärkt auf Outsourcing.Wirtschaftlicher Druck prägt ArbeitsalltagDer wirtschaftliche Druck war für 44 Prozent der Betriebe das prägende Thema der vergangenen zwölf Monate. In der Industrie berichteten 17 Prozent der Unternehmen, dass Restrukturierung und Stellenabbau das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Führungskräften bestimmten – mehr als doppelt so viele wie im Handel.Dienstleistungsunternehmen nannten überdurchschnittlich häufig die Einführung neuer Arbeitsmodelle. Diese stehen den Angaben zufolge oft im Zusammenhang mit Kostendruck und dem Einsatz künstlicher Intelligenz.
Die geplante stärkere Nutzung befristeter Verträge fällt in eine Arbeitsmarktphase, in der sich konjunkturelle Erholung und Beschäftigungsrisiken überlagern. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für Deutschland 2026 zwar ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent. Zugleich dürfte die Zahl der Erwerbstätigen 2026 um rund 210.000 und 2027 um weitere 140.000 sinken.Für Unternehmen können Befristungen in unsicheren Zeiten ein Instrument sein, um Personal an schwankende Auftragslagen anzupassen.
Das gilt besonders für Branchen mit hohen Investitions-, Export- oder Transformationsrisiken.
Die in der Umfrage genannten Alternativen – Arbeitszeitkonten, Überstunden und Outsourcing – zeigen, dass Betriebe nicht nur bei Neueinstellungen, sondern auch bei der Organisation bestehender Arbeit flexibler werden wollen.Folgen für BeschäftigteFür Arbeitnehmer bedeutet ein befristeter Vertrag weniger Planungssicherheit, insbesondere bei Wohnungssuche, Familienplanung und langfristiger finanzieller Vorsorge. Läuft ein Vertrag aus, endet das Arbeitsverhältnis grundsätzlich ohne Kündigung.
Sachgrundlose Befristungen sind gesetzlich grundsätzlich auf zwei Jahre begrenzt; Befristungen mit Sachgrund können unter anderen Voraussetzungen zulässig sein.Die Entwicklung dürfte deshalb auch tarifpolitisch und gesellschaftlich relevant werden.
Während Unternehmen kurzfristig Handlungsspielraum gewinnen, kann eine wachsende Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse die Bindung qualifizierter Fachkräfte erschweren.
Für Berufseinsteiger kann sie den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern, zugleich aber den Übergang in dauerhafte Beschäftigung verzögern.