Bahn-Sanierung: Bilger kritisiert Probleme auf Berlin-Hamburg-Strecke
heute 22:16 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger fordert von der Deutschen Bahn spürbare Verbesserungen bei den Korridorsanierungen. Wettbewerb im Fernverkehr begrüßt er, lehnt ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen aber ab.
via dts Nachrichtenagentur
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat die Deutsche Bahn wegen des Tempos und der bisherigen Ergebnisse bei der Sanierung des Schienennetzes kritisiert. Besonders verwies er auf die Strecke zwischen Berlin und Hamburg und sagte, er sei mit der Umsetzung der Korridorsanierungen überhaupt nicht zufrieden.Bilger bemängelte, dass lange Sperrungen für Pendler schwer zu erklären seien, wenn sich die Lage anschließend nicht ausreichend verbessere. Er kündigte an, sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen und danach eine Bewertung vorzunehmen.Minister fordert bessere Wirkung der BauarbeitenBei den Korridorsanierungen werden unter anderem Gleise, Weichen sowie Bahn- und Sicherheitstechnik modernisiert. Nach Bilgers Darstellung führen die Arbeiten zunächst zwangsläufig zu mehr Verspätungen, seien aber notwendig, damit sich der Zustand der Infrastruktur anschließend verbessert.Auch Autofahrer müssten sich auf deutlich mehr Baustellen einstellen.
Der Minister bezeichnete Einschränkungen während der Sanierungen als unvermeidbar, damit die Infrastruktur langfristig erneuert werden könne.Bilger begrüßt Wettbewerb im FernverkehrDie Pläne des italienischen Zuganbieters Italo, künftig Fahrten in Deutschland anzubieten, begrüßte Bilger. Wettbewerb bringe den Bahnkunden Vorteile, sagte er; neue Verbindungen zwischen Großstädten dürften jedoch nicht dazu führen, dass kleinere Städte schlechter angebunden würden oder das Schienennetz stärker belastet werde.Für die Modernisierung des Landes sieht Bilger durch das Sondervermögen eine gute finanzielle Grundlage. Zugleich verwies er auf frühere Verzögerungen bei Planung und Genehmigungen sowie auf langwierige Verfahren und Klagen.Kein Tempolimit auf Autobahnen geplantEin allgemeines Tempolimit auf Autobahnen lehnt Bilger ab. Es würde seiner Ansicht nach wenig verändern, viele Menschen verärgern und nur einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Die Korridorsanierungen sollen stark belastete Bahnstrecken grundlegend erneuern. Dabei werden Gleise, Weichen sowie Bahn- und Sicherheitstechnik möglichst gebündelt bearbeitet, damit wiederkehrende Einzelbaustellen reduziert und die Zuverlässigkeit des Netzes verbessert werden kann. Für Reisende bedeutet das zunächst jedoch lange Sperrungen, Umleitungen und Ersatzverkehre.Die Strecke Berlin–Hamburg steht beispielhaft für diesen Zielkonflikt. Sie war über Monate von umfangreichen Arbeiten betroffen und ist seit Mitte Juni wieder vollständig freigegeben.
Gleichzeitig laufen im Norden weitere Bauarbeiten, unter anderem auf Verbindungen rund um Hamburg und Schleswig-Holstein. Damit bleibt die Belastung für Pendler und den Regionalverkehr trotz der Freigabe einzelner Fernverkehrsachsen hoch.Finanzierung und UmsetzungMit dem Sondervermögen für Infrastruktur stehen nach Bilgers Darstellung größere finanzielle Spielräume zur Verfügung.
Geld allein beseitigt die Probleme jedoch nicht: Planung, Genehmigungen, Klagen, Baukapazitäten und die Abstimmung zwischen Bund, Bahn und Ländern bestimmen, wie schnell Mittel in sichtbare Verbesserungen umgesetzt werden.
Verzögerungen erhöhen zugleich die Kosten und verlängern die Einschränkungen für Fahrgäste.Mehr Wettbewerb im Fernverkehr könnte zusätzliche Verbindungen zwischen Großstädten schaffen.
Entscheidend bleibt, dass neue Angebote nicht zulasten kleinerer Orte gehen und das ohnehin stark beanspruchte Netz nicht weiter überlasten.
Für Autofahrer und Bahnreisende bedeutet die laufende Modernisierung zunächst mehr Baustellen und Verspätungsrisiken; der politische Anspruch ist, daraus anschließend ein belastbareres Verkehrssystem zu machen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenNDR: „Fahrzeit kürzer als beim ICE: Flixtrain plant ab 2027 Stundentakt zwischen Berlin und Hamburg“ (23.09.2026)Der Beitrag beschreibt den geplanten Ausbau des privaten Fernverkehrs zwischen Hamburg und Berlin ab dem kommenden Jahr. Er bestätigt damit den im dts-Interview betonten Wettbewerbsaspekt, setzt den Schwerpunkt jedoch auf Flixtrain statt auf den von Bilger begrüßten Anbieter Italo.Deutschlandfunk: „Stundentakt zwischen Hamburg und Berlin geplant“ (23.09.2026)Der Bericht hebt den geplanten Stundentakt und Investitionen von rund 2,4 Milliarden Euro in ein eigenes Fernverkehrsnetz hervor. Anders als Bilgers grundsätzliche Wettbewerbsperspektive konzentriert er sich auf das konkrete Angebot und die angekündigte Fahrzeit; offen bleibt die langfristige Belastung der Infrastruktur.Beide Beiträge unterstreichen, dass zusätzliche Konkurrenz auf der Verbindung Berlin–Hamburg bevorsteht. Der dts-Faktenkern erweitert diesen Blick um die Frage, wie Wettbewerb, Sanierungsarbeiten und die Anbindung kleinerer Städte miteinander vereinbar bleiben.