Autoindustrie: VDA-Chefin Müller warnt IG Metall vor Status quo
20.09.26 13:43 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Kurz vor einem bundesweiten Protesttag der IG Metall in der Autoindustrie ruft VDA-Präsidentin Hildegard Müller Beschäftigte und Gewerkschaften zu mehr Veränderungsbereitschaft auf. Sie warnt davor, am bisherigen Niveau von Kosten und Arbeitszeiten festzuhalten, wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen will.
via dts Nachrichtenagentur
Vor dem bundesweiten Aktionstag der IG Metall in der Autoindustrie fordert VDA-Präsidentin Hildegard Müller von Gewerkschaften und Beschäftigten mehr Bereitschaft zu Veränderungen. In einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" wirft sie jenen, die angesichts der Krise Reformen ablehnen, vor, die Realität zu verleugnen.Müller warnt vor Festhalten am Status quoDie Beschäftigten wollen am Montag gegen Sparpläne und mögliche Verlagerungen von Arbeitsplätzen protestieren.
Müller stellt dem die Aufforderung entgegen, nicht am Status quo festzuhalten.
Der internationale Wettbewerb erfordere Veränderungen von allen Beteiligten, schreibt sie. Produktion in Deutschland sei kein Naturgesetz, die Auslastung von Werken kein Selbstläufer.Vergleich von Arbeitskosten und ArbeitszeitenAls wesentlichen Wettbewerbsnachteil nennt die VDA-Präsidentin die hohen Arbeitskosten und die kürzeren Arbeitszeiten in Deutschland. Eine Arbeitsstunde koste in der deutschen Autoindustrie fast 65 Euro, in Tschechien 24 Euro und in Polen 18 Euro. Zugleich würden in Deutschland durchschnittlich 1.300 Stunden im Jahr gearbeitet, in Tschechien dagegen 1.800 Stunden und in Mexiko mehr als 2.000 Stunden.Appell an Gewerkschaften und BeschäftigteMüller verbindet diese Zahlen mit einem klaren Appell an die Tarifpartner. Sie fordert Gewerkschaften und Beschäftigte auf, sich aktiv an notwendigen Veränderungen zu beteiligen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie zu sichern. Der anstehende Protesttag der IG Metall zeigt zugleich, wie kontrovers die Frage nach Kosten, Arbeitszeit und Standortentscheidungen derzeit in der Branche diskutiert wird.
Die Ankündigung eines bundesweiten Aktionstags der IG Metall in der Autoindustrie fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche für den Standort Deutschland. Die Branche ringt gleichzeitig mit der Transformation zur Elektromobilität, hohen Energiepreisen, zunehmenden regulatorischen Anforderungen und einem harten globalen Wettbewerb. Vor diesem Hintergrund zielt der Appell von VDA-Präsidentin Hildegard Müller an Beschäftigte und Gewerkschaften auf mehr Bereitschaft zu strukturellen Anpassungen.Die IG Metall wiederum reagiert mit Protesten gegen Sparprogramme und mögliche Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland. Sie warnt seit längerem davor, dass ein einseitiger Fokus auf Kosten und Produktivität Beschäftigung und Qualifikation in Deutschland gefährden könne. Der Aktionstag ist Ausdruck dieses Konflikts: Unternehmen und Branchenverband betonen Kosten, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit, während die Gewerkschaft Arbeitsplatzsicherheit, Tarifbindung und soziale Abfederung der Transformation in den Vordergrund stellt.Strukturwandel und StandortdebatteDer Hinweis Müllers auf hohe Arbeitskosten und vergleichsweise kurze Arbeitszeiten in Deutschland ist Teil einer breiteren Debatte, ob und wie der Produktionsstandort im internationalen Vergleich konkurrenzfähig bleibt. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass innovationsstarke, tarifgebundene Standorte durchaus erfolgreich sein können, wenn Investitionen, Qualifizierung und Mitbestimmung zusammenkommen.
Entscheidend wird sein, ob Unternehmen, Politik und Gewerkschaften tragfähige Kompromisse finden, die Kostendruck und Beschäftigungssicherung ausbalancieren.Ausblick für Beschäftigte und IndustrieFür die Beschäftigten bedeutet der Konflikt, dass neue Qualifikationen, flexible Arbeitsmodelle und mögliche Standortanpassungen wahrscheinlicher werden.
Zugleich bleibt der Druck auf Unternehmen hoch, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.
Wie der Aktionstag der IG Metall und die Reaktionen darauf ausfallen, wird ein Signal dafür sein, ob der Dialog zwischen Sozialpartnern eher konfrontativ oder konstruktiv verläuft – und damit auch, wie die Autoindustrie den laufenden Strukturwandel gestaltet.