Autobahnbrücken: Bund saniert 2025 nur 157 Bauwerke

09.10.26 08:13 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

2025 wurden in Deutschland deutlich weniger Autobahnbrücken fertig saniert als im Vorjahr. Für 2026 zeichnet sich erneut eine Zielverfehlung ab, während die Bundesregierung zugleich neue Finanzierungswege für die Autobahn GmbH plant.

Nordbrücke (Archiv)
Nordbrücke (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Der Bund hat 2025 deutlich weniger Autobahnbrücken fertig saniert als im Jahr zuvor. Nach 212 abgeschlossenen Brücken im Jahr 2024 waren es 2025 nur noch 157, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums an die Grünen-Verkehrspolitikerin Swantje Michaelsen hervorgeht.Sanierungsziel wird deutlich verfehltUrsprünglich wollte das Ministerium jährlich 400 Brücken renovieren.

Diese Zielmarke stammt noch aus der Zeit der Ampelkoalition. Als Grund für Verzögerungen nannte das Verkehrsministerium Einschränkungen durch die vorläufige Haushaltsführung.Auch 2026 dürfte das Ziel verfehlt werden. Im ersten Halbjahr wurden nach Angaben des Ministeriums 70 Brücken-Teilbauwerke fertiggestellt. Weitere 100 Teilbauwerke befinden sich demnach im Bau und sollen bis zum Jahresende fertig werden.Politikerin warnt vor Folgen für RegionenDamit käme der Bund 2026 auf voraussichtlich 170 fertiggestellte Teilbauwerke. Das wären weniger als in den Jahren 2022 bis 2024. Im Coronajahr 2021 wurden 124 Brücken fertiggestellt.„Viele Tausend Autobahnbrücken müssen dringend saniert werden“, sagte Michaelsen dem „Spiegel“. Sie verwies auf frühere kurzfristige Vollsperrungen der Rahmedetal- und der Bonner Nordbrücke sowie auf deren Folgen für Verkehrsteilnehmer und betroffene Regionen.Neue Finanzierung für Autobahn GmbH geplantDie geringe Sanierungsquote steht zugleich dem geplanten Einsatz von Teilen des Sondervermögens für Infrastruktur gegenüber. Nach den neuesten Plänen soll Brückensanierung teilweise auch aus Mitteln finanziert werden, die dem Verteidigungsministerium im Rahmen einer Bereichsausnahme für die Verstärkung wichtiger Bauwerke zur Verfügung stehen.Michaelsen fordert, Autobahnneubauten zumindest so lange auszusetzen, bis die Ziele des Brückenmodernisierungsprogramms erreicht sind. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch außerdem einen Gesetzentwurf, der der bundeseigenen Autobahn GmbH künftig die Aufnahme privater Kredite ermöglicht. Eine schnellere Finanzierung garantiere jedoch nicht automatisch eine Beschleunigung von Planung, Genehmigung und Bau.
Die rückläufige Zahl fertiggestellter Autobahnbrücken steht im Zusammenhang mit einem seit Jahren bestehenden Sanierungsstau. Das Modernisierungsprogramm sollte ursprünglich deutlich mehr Bauwerke erfassen, doch Planung, Genehmigung, Baukapazitäten und die Finanzierung müssen ineinandergreifen.

Verzögerungen in einem dieser Bereiche können die Zahl der tatsächlich abgeschlossenen Projekte erheblich reduzieren.Für Autofahrer und Regionen sind die Folgen vor allem dann spürbar, wenn Bauwerke kurzfristig gesperrt oder ihre Nutzung eingeschränkt werden müssen.

Die Beispiele Rahmedetalbrücke und Bonner Nordbrücke zeigen, dass einzelne Ausfälle weit über den unmittelbaren Baustellenbereich hinausreichen können: Umleitungen verlängern Fahrzeiten, belasten Kommunen und erschweren den Güterverkehr.Finanzierung allein beschleunigt keine BaustellenDie geplante Möglichkeit der Autobahn GmbH, künftig private Kredite aufzunehmen, soll die Finanzierung über mehrere Jahre verlässlicher machen.

Sie ersetzt jedoch nicht die notwendigen Kapazitäten bei Planung, Genehmigung und Bauausführung.

Zugleich entsteht ein politischer Zielkonflikt, wenn neue Autobahnprojekte um dieselben personellen und finanziellen Ressourcen konkurrieren wie dringend benötigte Erhaltungsmaßnahmen.Die 2026 vorgesehenen 170 fertiggestellten Teilbauwerke lägen weiterhin deutlich unter dem früheren Ziel von 400 Brücken pro Jahr. Entscheidend wird deshalb sein, ob die zusätzlichen Mittel verbindlich auf den Erhalt konzentriert werden und ob die Autobahn GmbH Projekte schneller bis zur Baureife führen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentaz: „Neues Gesetz zur Straßenfinanzierung: Mehr Macht und Geld für die Autobahn GmbH“ (07.10.2026)Der Beitrag ordnet den Kabinettsbeschluss zur Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH ein und stellt die mögliche Finanzierung aus privaten Krediten sowie aus Teilen der Lkw-Maut heraus. Einen anderen Schwerpunkt setzt er bei der Forderung, zusätzliche Mittel verbindlich für die Sanierung maroder Brücken zu reservieren.n-tv: „Bundesregierung macht Autobahn GmbH für Kredite und Anleihen fit“ (07.10.2026)Der Bericht bestätigt die geplante neue Finanzierungsstruktur und nennt die Unabhängigkeit von jährlichen Haushaltsverhandlungen als Ziel. Im Mittelpunkt stehen dort die organisatorischen und finanziellen Grundlagen des Straßenbaus, während die konkrete Lücke zwischen Sanierungsziel und fertiggestellten Brücken weniger ausführlich behandelt wird.Beide Beiträge verbinden die Reform der Autobahnfinanzierung mit der Frage, wie der bestehende Erhaltungsbedarf schneller abgearbeitet werden kann. Offen bleibt, ob zusätzliche Kreditmöglichkeiten tatsächlich zu mehr Brückensanierungen führen oder auch Neubauvorhaben finanzieren könnten.

Psychologie als Trading-Edge!
Stark. Diszipliniert. Erfolgreich.
Erstgespräch buchen.