Audi-Werk Ingolstadt droht Produktion von nur 325.000 Autos
25.09.26 09:51 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Das Audi-Hauptwerk in Ingolstadt könnte 2026 nur rund 325.000 Fahrzeuge bauen und damit deutlich unter seiner Kapazität bleiben. Besonders die Nachfrage nach den dort gefertigten Elektromodellen A6 e-tron und Q6 e-tron belastet die Auslastung.
via dts Nachrichtenagentur
Das Audi-Hauptwerk in Ingolstadt droht in diesem Jahr die schwächste Auslastung seit der Hochphase der Corona-Pandemie. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ könnte die Produktion bei rund 325.000 Fahrzeugen liegen, obwohl das Werk auf 450.000 Pkw jährlich ausgelegt ist.Weniger Fahrzeuge baute Audi in Ingolstadt zuletzt 2021. Zu den konkreten Produktionszahlen für das laufende Jahr äußerte sich der Autobauer auf Anfrage nicht.Elektromodelle unter DruckDie schwache Auslastung hängt dem Bericht zufolge auch mit der Nachfrage nach Elektromodellen zusammen. In Ingolstadt fertigt Audi den A6 e-tron und den Q6 e-tron.Beim Q6 e-tron mache sich insbesondere das Angebot der Wettbewerber BMW und Mercedes bemerkbar. Die neu aufgelegten Elektro-SUVs GLC und iX3 konkurrierten um dieselben Kunden.Volkswagen berät über NordamerikaParallel zur Situation in Ingolstadt plant der Volkswagen-Konzern laut dem Bericht eine eigene Audi-Produktion in den USA. Der Aufsichtsrat berät am Freitag über die Nordamerika-Strategie.Vorgesehen ist demnach, große SUV-Modelle, die derzeit im slowakischen Bratislava gebaut werden, künftig in einem US-Werk zu fertigen.
Genannt werden der Q9 und der Q7, die in diesem Jahr neu aufgelegt wurden. In den USA könnten Anfang der 2030er-Jahre die jeweiligen Facelifts produziert werden.
Audi wollte die Pläne nicht kommentieren.
Das Audi-Werk in Ingolstadt ist auf eine Jahresproduktion von 450.000 Pkw ausgelegt. Die für dieses Jahr erwarteten rund 325.000 Fahrzeuge entsprächen damit rechnerisch einer Auslastung von etwa 72 Prozent. Gegenüber der Werkskapazität bliebe eine Lücke von rund 125.000 Fahrzeugen.Betroffen sind unter anderem der A6 e-tron und der Q6 e-tron, die in Ingolstadt gefertigt werden.
Die Meldung ordnet die schwache Nachfrage nach diesen Elektromodellen in einen intensiven Wettbewerb im Premium-SUV-Segment ein. Zugleich zeigt die Entwicklung, dass unterschiedliche Antriebsarten die Werke des Volkswagen-Konzerns nicht gleichmäßig auslasten: Während die Nachfrage nach Elektroautos zuletzt anziehen kann, sinkt sie bei einzelnen Modellen oder Marken weiterhin zu langsam, um vorhandene Kapazitäten vollständig zu füllen.Auslastung und StandortstrategieDie mögliche Verlagerung großer SUV-Modelle in eine künftige US-Produktion würde die internationale Fertigungsstruktur von Audi verändern. Für Ingolstadt ist dabei entscheidend, welche Modelle künftig dort gebaut werden und wie stark die Elektromodelle ihre Marktposition ausbauen.
Eine geringere Auslastung erhöht den Druck, Produktionsprogramme, Schichtmodelle und Investitionen an die Nachfrage anzupassen.Für Beschäftigte und Zulieferer ist die Entwicklung deshalb über die genannte Fahrzeugzahl hinaus relevant. Eine dauerhaft niedrigere Auslastung belastet die Fixkosten je Fahrzeug und erschwert die Finanzierung neuer Produktions- und Antriebstechnologien.
Die Aufsichtsratssitzung zur Nordamerika-Strategie verbindet die kurzfristige Absatzschwäche in Ingolstadt damit mit einer längerfristigen Entscheidung über Standorte, Modelle und Märkte.