Arbeitsmarkt: Enzo Weber fordert Abfindungen für Jobwechsel

heute 14:26 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Arbeitsmarktforscher Enzo Weber plädiert für staatliche Abfindungen, die Beschäftigte beim Wechsel in neue Jobs unterstützen. Zugleich schlägt er einen Sonderzuschlag für Menschen mit 45 Beitragsjahren vor, unabhängig davon, ob sie früher in Rente gehen.

Bundesagentur für Arbeit (Archiv)
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via dts Nachrichtenagentur

Weber setzt auf Wechsel in neue JobsEnzo Weber will Abfindungen künftig für den Wechsel in neue Jobs statt zur Entschädigung von Jobverlusten einsetzen.Der Arbeitsmarktforscher sieht Deutschland in einer Erneuerungskrise wegen fehlender Investitionen und Innovationen.Für 45 Beitragsjahre schlägt Weber einen Sonderzuschlag in gleicher Höhe wie die abschlagsfreie Rente vor.Arbeitsmarktforscher Enzo Weber schlägt vor, staatliche Abfindungen künftig zur Unterstützung von Beschäftigten bei einem Jobwechsel einzusetzen.

Der Staat solle damit nicht den Verlust einer Stelle entschädigen, sondern den Übergang in eine neue Beschäftigung fördern.Weiterbildung soll Wechsel erleichtern„Nicht entschädigen für Jobverlust, sondern Jobgewinn unterstützen“, sagte Weber den Sendern RTL und ntv. Er bezeichnete dies als „wirklich mal eine Weltneuheit“.Deutschland stecke in einer Erneuerungskrise, weil Investitionen und Innovationen fehlten und kaum neue Jobs entstünden, erklärte der Forscher. Entscheidend sei, dass Beschäftigte in aufstrebende Branchen wechselten und sich weiterqualifizierten.Mehr Beschäftigung könnte Staat entlastenNach Webers Einschätzung könnte sich die Förderung von Jobwechseln auch für den Staat rechnen.

Entstünden wieder mehr Jobs mit Zukunftsperspektive, könnten daraus zusätzliche Steuer- und Beitragseinnahmen entstehen.Sonderzuschlag statt abschlagsfreier FrührenteMit Blick auf die Rentenreform regte Weber an, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren durch einen Sonderzuschlag zu ersetzen.

Wer 45 Beitragsjahre erreicht habe, solle einen Zuschlag in gleicher Höhe erhalten.Voraussetzung solle anders als bisher nicht sein, dass Beschäftigte tatsächlich früher in Rente gingen.

Der Zuschlag wäre nach Webers Vorstellung damit auch eine Belohnung für diejenigen, die nach Erreichen der 45 Beitragsjahre weiterarbeiten.
Der Vorschlag zielt auf einen Perspektivwechsel in der Arbeitsmarktpolitik: Staatliche Unterstützung soll nicht erst beim Verlust eines Arbeitsplatzes einsetzen, sondern den Übergang in eine zukunftsfähige Beschäftigung erleichtern. Dazu könnten finanzielle Anreize mit Beratung, Weiterbildung und einer konkreten Vermittlung in wachsende Branchen verbunden werden.Hintergrund ist der Strukturwandel, der Beschäftigung nicht nur abbaut, sondern zwischen Branchen und Regionen verschiebt. Für Arbeitnehmer kann ein Wechsel jedoch mit Einkommensrisiken, längeren Qualifizierungszeiten und Unsicherheit verbunden sein. Eine Abfindung für den Jobwechsel könnte diese Hürden senken, müsste aber an klare Bedingungen geknüpft sein, damit sie nicht lediglich freiwillige Kündigungen finanziert.Rentenreform bleibt politisch umstrittenAuch Webers Rentenvorschlag fügt sich in eine laufende Debatte über die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren ein. Aktuelle politische Diskussionen behandeln diesen Punkt weiterhin als offene Frage innerhalb der geplanten Rentenreform. Ein Sonderzuschlag, der auch bei längerem Verbleib im Beruf gezahlt würde, würde den Anreiz verändern: Nicht der frühere Ruhestand, sondern die längere Erwerbstätigkeit stünde im Mittelpunkt.Für die praktische Umsetzung wären Finanzierungsfragen, soziale Ausgewogenheit und der Umgang mit gesundheitlich belasteten Beschäftigten entscheidend. Der Vorschlag verbindet damit zwei große Reformfelder: die Anpassung von Qualifikationen an neue Jobs und die Frage, wie längeres Arbeiten attraktiv gestaltet werden kann.

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