Antisemitismus: Von Schnurbein fordert Schutz jüdischer Kinder

heute 06:13 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung fordert mehr gesellschaftliche Normalität für jüdisches Leben und eine führende Rolle Deutschlands in Europa. Zugleich warnt sie vor offenem und schamlosem Antisemitismus ohne ausreichende Konsequenzen.

Orthodoxer Jude (Archiv)
Orthodoxer Jude (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Von Schnurbein fordert Normalität für jüdisches LebenDie neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Katharina von Schnurbein, sieht Deutschland im Kampf gegen Judenhass in einer Vorreiterrolle. Ihr langfristiges Ziel sei, jüdisches Leben in Deutschland so zu normalisieren, dass die Religionszugehörigkeit eines Menschen im Alltag keine besondere Rolle spiele, sagte sie der „Rheinischen Post“.Schutz jüdischer Kinder und SchulenVon Schnurbein nannte als konkrete Ziele, dass jüdische Kinder auf dem Schulhof nicht angefeindet werden und „Jude“ nicht als Schimpfwort verwendet wird. Kinder jüdischer Schulen sollten zudem nicht hinter Polizeischutz und Panzerglas sitzen müssen.Deutschland müsse bei der Bekämpfung von Antisemitismus auch zum europäischen Motor werden, sagte die Antisemitismusbeauftragte. Damit verbindet sie den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland mit einem Anspruch auf stärkere europäische Impulse.Warnung vor offenem AntisemitismusDeutschland sei aktuell an einem Punkt angelangt, wie es ihn seit der Shoah wahrscheinlich nie gegeben habe, sagte von Schnurbein. Antisemitismus werde offen und schamlos verbreitet.Antisemitismus sei immer vorhanden gewesen und nie verschwunden.

Heute befürchteten Menschen, die antisemitische Aussagen machten, jedoch keine Konsequenzen mehr, sagte die Beauftragte.
Von Schnurbein beschreibt Antisemitismus nicht als vorübergehendes Einzelproblem, sondern als dauerhafte Herausforderung, die sich nach ihrer Einschätzung gegenwärtig offener zeigt. Ihre Forderung nach Normalität zielt deshalb nicht nur auf Strafverfolgung, sondern auch auf den Alltag: jüdische Kinder sollen Schulen ohne Anfeindungen besuchen können, und jüdische Familien sollen ihr religiöses Leben sichtbar gestalten können.Die politische Bedeutung ihrer Aussagen liegt in der Verbindung von Schutz und gesellschaftlicher Integration. Polizeischutz und bauliche Sicherheitsmaßnahmen können Anschläge verhindern, ersetzen aber keine Umgebung, in der jüdische Zugehörigkeit nicht automatisch Aufmerksamkeit oder Abwertung auslöst. Für Schulen, Kommunen und Sicherheitsbehörden bedeutet das, antisemitische Vorfälle früh zu erkennen, konsequent zu ahnden und jüdische Perspektiven dauerhaft einzubeziehen.Europäische DimensionMit dem Anspruch, Deutschland solle europäischer Motor werden, verbindet von Schnurbein die nationale Debatte mit einer grenzüberschreitenden Aufgabe. Deutschland verfügt über besondere historische Verantwortung und politische Erfahrung im Kampf gegen Antisemitismus. Daraus folgt die Erwartung, dass Prävention, Bildungsarbeit und der Schutz jüdischer Einrichtungen nicht nur national, sondern auch europäisch abgestimmt werden.Wie weit dieser Anspruch reicht, wird sich daran messen lassen, ob jüdisches Leben im Alltag sichtbar und selbstverständlich sein kann. Dazu gehören sichere Schulwege, ein konsequentes Vorgehen gegen antisemitische Sprache und ein gesellschaftliches Klima, in dem Betroffene nicht ausweichen oder ihre Identität verbergen müssen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenBR24: „Neue Antisemitismusbeauftragte appelliert an Berliner Linke“ (28.10.2026)Der Beitrag bestätigt den Amtsantritt von Katharina von Schnurbein und rückt ihren Appell an die Berliner Linke in den Mittelpunkt. Anders als die dts-Meldung, die ihre grundsätzliche Zielsetzung und die Lageeinschätzung betont, konzentriert sich der Artikel auf die politische Auseinandersetzung in Berlin.Frankfurter Rundschau: „In Berlin versteckt er die Kippa unter einer Baseballmütze“ (27.10.2026)Der Artikel schildert am Beispiel einer jüdischen Familie, warum jüdisches Leben in Deutschland teilweise weniger offen gelebt wird als in Wien, und nennt 8.725 antisemitische Vorfälle im Vorjahr gegenüber 4.886 im Jahr 2023. Damit veranschaulicht er die von von Schnurbein beschriebene Spannung zwischen dem Ziel gesellschaftlicher Normalität und dem Alltag jüdischer Menschen.Beide Beiträge unterstreichen den politischen und gesellschaftlichen Handlungsdruck, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der BR fokussiert politische Verantwortung, die Frankfurter Rundschau konkrete Alltagserfahrungen und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens.

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