AfD-Spitzenkandidat Siegmund lässt Ministerpräsidenten-Amt offen

heute 08:02 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will erst nach der Wahl entscheiden, ob er bei einem knappen Ergebnis für das Amt des Ministerpräsidenten antritt. Zugleich fordert er eine stabile Mehrheit im Landtag, um die Handlungsfähigkeit des Landes zu sichern.

AfD-Wahlplakat mit Ulrich Siegmund (Archiv)
AfD-Wahlplakat mit Ulrich Siegmund (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lässt offen, ob er sich im Fall einer absoluten Mehrheit seiner Partei zum Ministerpräsidenten wählen lassen will. Ob er bei einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag das Amt anstreben würde, will er erst nach der Wahl entscheiden.Siegmund verweist auf Entscheidung nach der WahlAuf die Frage, ob er bei einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag das Ministerpräsidentenamt anstrebe, sagte Siegmund der "Bild": "Das werden wir am Montag entscheiden.

Gucken wir mal, wie es ausgeht." Damit knüpfte er eine mögliche Kandidatur ausdrücklich an das konkrete Wahlergebnis.Der AfD-Politiker betonte zugleich, ihm gehe es um eine "stabile Mehrheit" im Landtag. Eine bloß rechnerische Mehrheit mit einer einzigen Stimme Vorsprung stellt aus seiner Sicht keine verlässliche Grundlage für die Regierungsarbeit dar.Stabile Mehrheiten als MaßstabSiegmund verwies in dem Zusammenhang auf mögliche krankheitsbedingte Ausfälle von Abgeordneten.

"Was mache ich, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind? Soll ich die dann mit der Trage in den Landtag reintragen zum Abstimmen?", sagte er.Es dürfe nach seinen Worten nicht dazu kommen, dass der "Fortschritt des Landes gelähmt" sei, "weil ein oder zwei Abgeordnete gesundheitsbedingt ausfallen". Der AfD-Spitzenkandidat stellt damit die Stabilität einer Mehrheit über den bloßen formalen Anspruch auf das Amt des Regierungschefs.Debatte über RegierungsfähigkeitMit seinen Aussagen eröffnet Siegmund eine Diskussion über die Voraussetzungen für Regierungsfähigkeit im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Frage, ab welcher Stärke eine Mehrheit als stabil gilt, dürfte im politischen Raum weiter für Gesprächsstoff sorgen.
Die Aussage von Ulrich Siegmund fällt in eine Phase, in der die AfD in mehreren ostdeutschen Bundesländern auf hohe Umfragewerte kommt und sich selbst zunehmend als mögliche Regierungspartei darstellt. In Sachsen-Anhalt hatte die Partei bereits bei vergangenen Landtagswahlen deutlich zugelegt, war aber aufgrund der parteipolitischen Abgrenzung der anderen Fraktionen bislang von Regierungsbeteiligungen ausgeschlossen.Strategische Signale an potenzielle WählerIndem Siegmund eine mögliche Kandidatur zum Ministerpräsidenten nicht klar zusagt, sondern an Bedingungen knüpft, sendet er ein zweifaches Signal. Einerseits präsentiert er die AfD als Kraft, die sich auf stabile Mehrheiten und verlässliches Regieren ausrichtet.

Andererseits vermeidet er eine frühzeitige Festlegung, die ihm im Fall eines knappen Ergebnisses politischen Spielraum lässt. Die Betonung der Handlungsfähigkeit des Landtags auch bei krankheitsbedingten Ausfällen von Abgeordneten zielt darauf, Verantwortungsbewusstsein und Pragmatismus zu betonen.Konfliktlinien und Bedeutung für das ParteiensystemFür das gesamte Parteiensystem in Sachsen-Anhalt bleibt entscheidend, wie andere Fraktionen mit einem starken Abschneiden der AfD umgehen würden.

Bislang schließen die etablierten Parteien Koalitionen mit der AfD aus, was die Bildung stabiler Mehrheiten zusätzlich erschwert. Eine Debatte über knappe Mehrheiten und mögliche Ausfälle von Abgeordneten berührt damit grundlegende Fragen der Regierungsbildung: Wie belastbar sind Mehrheiten, wenn sich Parteien gegenseitig ausschließen, und welche Verantwortung übernehmen jene Akteure, die auf eine absolute Mehrheit ihrer eigenen Partei setzen?Ausblick auf mögliche KoalitionskonstellationenDie Zurückhaltung Siegmunds bei der Frage nach einer Kandidatur könnte auch als Hinweis verstanden werden, dass die AfD ihre Optionen prüfen will, falls sie zwar stark, aber nicht mit einer komfortablen Mehrheit aus einer Wahl hervorgeht. Für Wählerinnen und Wähler bleibt entscheidend, ob aus den Avancen der AfD zur Regierungsverantwortung konkrete Koalitions- oder Tolerierungsmodelle hervorgehen oder ob die Partei weiterhin primär aus der Opposition agiert. Klar ist: Die Diskussion um Mehrheiten, Ausfälle und Handlungsfähigkeit wird die politische Debatte in Sachsen-Anhalt weiter prägen.

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