AfD-Politiker Siegmund verknüpft Rüstungsproduktion mit Remigrationsoffensive

heute 12:59 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der AfD-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, verknüpft die geplante Ansiedlung eines Rüstungsunternehmens mit einer von seiner Partei geforderten „Remigrationsoffensive". Grünen-Chef Felix Banaszak reagiert mit scharfer Kritik und warnt vor einer Missachtung rechtsstaatlicher Grenzen.

Ulrich Siegmund am 07.09.2026
Ulrich Siegmund am 07.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

Der sachsen-anhaltische AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund befürwortet eine Stärkung der Rüstungsproduktion, wenn diese einer von der AfD geforderten „Remigrationsoffensive" zugutekommt. In diesem Zusammenhang stellt er einen direkten Bezug zwischen Ausrüstung für Sicherheitsbehörden und konsequenten Abschiebungen her.Siegmund knüpft Rüstungsproduktion an Remigrationspläne„Rüstungsproduktion ist ein weites Feld", sagte Siegmund der „Welt am Sonntag". Dazu zählten aus seiner Sicht nicht nur Waffen, sondern auch Ausrüstung, Fahrzeuge, Schutztechnik und weitere Hilfsmittel, auf die Bundeswehr, Polizei und Sicherheitsbehörden angewiesen seien.

Genau diese Bereiche müssten gestärkt werden, um Recht durchzusetzen, Abschiebungen konsequent zu vollziehen und eine „echte Remigrationsoffensive" zu ermöglichen, so Siegmund im Kontext der geplanten Ansiedlung des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems in Sangerhausen.Aussagen zur inneren Sicherheit und LandesverteidigungBereits am Vortag hatte Siegmund zur möglichen Ansiedlung erklärt, seine Fraktion verteufle nicht pauschal die Produktion von Rüstungsgütern. Man brauche diese nach seiner Darstellung bei späteren „Remigrations- und Abschiebeoffensiven" sowie im Sinne der inneren Sicherheit, der eigenen Stabilität und auch der Landesverteidigung.

All dies sei der AfD bewusst, betonte er, und falle „nicht vom Himmel".Scharfe Kritik von Grünen-Chef BanaszakGrünen-Chef Felix Banaszak bezeichnete die Rüstungsaussage von Siegmund als „verstörend". Die Worte offenbarten aus seiner Sicht, wie sehr die AfD bereit sei, über rechtsstaatliche Grenzen hinwegzugehen, um ihre Ziele durchzusetzen.

Wer offen davon spreche, Rüstungsgüter gegen Menschen einzusetzen, um sie aus dem Land zu drängen, meine nichts anderes als den Einsatz von Waffengewalt im Inneren zur Befriedigung von Abschiebefantasien, sagte er dem Nachrichtenportal T-Online.Appell an das BSW und Kritik an möglichen KooperationenBanaszak appellierte in diesem Zusammenhang an das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), „Leute wie Siegmund" nicht weiter als ernstzunehmende Gesprächspartner zu behandeln. Die Aussage mache aus seiner Sicht überdeutlich, dass es der AfD nicht um normalen politischen Wettbewerb gehe, sondern um die Bereitschaft, Rechtsstaat und Menschenwürde der eigenen Agenda zu opfern. Wer das nicht erkenne und weiterhin über eine Zusammenarbeit mit der AfD nachdenke, müsse sich nach den Worten des Grünen-Chefs fragen lassen, ob das Grundgesetz noch Leitlinie des eigenen Handelns sei.
Die Äußerungen des sachsen-anhaltischen AfD-Fraktionschefs Ulrich Siegmund zur Rüstungsproduktion im Zusammenhang mit einer von seiner Partei geforderten „Remigrationsoffensive" fügen sich in die seit Jahren laufende Debatte über migrationspolitische Konzepte der AfD ein. Der Begriff „Remigration" steht dabei in der Kritik, weil er in politischen und wissenschaftlichen Analysen als strategisches Schlagwort für eine weitreichende Rückführung oder Verdrängung von Menschen mit Migrationsgeschichte aus Deutschland beschrieben wird.Bemerkenswert ist in diesem Fall die explizite Verbindung von Rüstungsproduktion mit innenpolitischen Zielen wie Abschiebungen und einer „Remigrationsoffensive". Während Rüstungsvorhaben in Deutschland bislang überwiegend mit Bündnisverpflichtungen, Landesverteidigung und sicherheitspolitischen Erwägungen begründet werden, rückt Siegmund in seinen Aussagen den Einsatz von Ausrüstung und Technik für Abschiebungen sowie die Durchsetzung innenpolitischer Ziele in den Vordergrund. Das erklärt, warum politische Gegner diese Wortwahl als Überschreitung rechtsstaatlicher Grenzen interpretieren.Politische Frontlinien und Rolle ostdeutscher StandorteZugleich wird deutlich, wie sehr wirtschafts- und sicherheitspolitische Fragen in strukturschwachen Regionen mit identitätspolitischen Konflikten verschränkt sind. Die geplante Ansiedlung eines Rüstungsunternehmens wie Elbit Systems in Sangerhausen berührt lokale Interessen an Arbeitsplätzen und Investitionen, trifft aber auf bundespolitische Auseinandersetzungen über Waffenexporte, militärische Kooperationen und den Umgang mit Migration. Positionen wie die von Siegmund zeigen, wie regionale Standortdebatten von Teilen des politischen Spektrums genutzt werden, um migrationspolitische Forderungen zu zuspitzen.Signalwirkung für mögliche BündnisseDie Reaktion von Grünen-Chef Felix Banaszak verweist über den konkreten Fall hinaus auf die Frage, wie andere Parteien mit der AfD umgehen.

Wenn er das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) direkt adressiert, macht er deutlich, dass Äußerungen wie die von Siegmund als Prüfstein für mögliche Gesprächskanäle und Kooperationsoptionen dienen.

Für Leserinnen und Leser ist damit verbunden, dass die Diskussion um „Remigration" und den Einsatz von Sicherheits- und Rüstungstechnik im Inneren nicht nur eine Frage einzelner Aussagen bleibt, sondern Einfluss auf das gesamte Parteiensystem und die Bereitschaft zu politischen Bündnissen haben kann.

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