AfD liegt vor SPD: Weidel beansprucht Regierungsauftrag in MV

heute 19:09 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

AfD-Chefin Alice Weidel reklamiert nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern einen Regierungsauftrag für ihre Partei, die in Hochrechnungen knapp vor der SPD liegt. Alle anderen Parteien außer dem BSW bleiben jedoch bei ihrer Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD.

AfD-Wahlparty in Schwerin am 20.09.2026
AfD-Wahlparty in Schwerin am 20.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sieht AfD-Chefin Alice Weidel für ihre Partei einen klaren Regierungsauftrag. In ersten Hochrechnungen liegt die AfD vor der bisher regierenden SPD und beansprucht mit Verweis auf das Wahlergebnis die Führung bei der Regierungsbildung.Weidel reklamiert Mandat für RegierungsbildungWeidel erklärte am Wahlabend, die Wähler hätten der AfD ein „klares Mandat“ für einen Regierungsauftrag gegeben.

Sie kündigte an, dass nun Gespräche geführt würden und die AfD mit jedem zusammenarbeiten werde, der ihre Positionen teilt. Die Forderung nach Regierungsverantwortung knüpft unmittelbar an das Abschneiden der Partei bei der Wahl an.AfD vor SPD, andere Parteien deutlich dahinterLaut den jüngsten Hochrechnungen von ARD und ZDF erreicht die SPD im Schnitt 35,8 Prozent und liegt damit etwas hinter der AfD, die auf 37,6 Prozent kommt. Die Linke kommt mit deutlichem Abstand auf 7,0 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 5,5 Prozent. Die CDU liegt bei 5,3 Prozent, während das BSW mit 4,9 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde liegt.Zittern für BSW und kleine ParteienOb CDU und BSW sicher in den Landtag einziehen, ist nach den Hochrechnungen noch nicht endgültig entschieden.

Die FDP verfehlt mit 1,1 Prozent deutlich den Wiedereinzug, während Sonstige zusammen auf 3,0 Prozent kommen.

Damit konzentriert sich die parlamentarische Vertretung auf wenige Parteien, unter denen AfD und SPD deutlich dominieren.Isolation der AfD trotz FührungsanspruchAuch wenn Weidel einen Regierungsauftrag für die AfD reklamiert, bleibt die Partei politisch isoliert. Bis auf das BSW schließen alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Damit stellt sich die Frage, wie sich unter diesen Vorzeichen eine stabile Regierungsmehrheit im Landtag bilden lässt.
Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert eine weitere Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in Ostdeutschland. Mit den aktuell vorliegenden Hochrechnungen liegt die AfD erstmals vor der SPD und beansprucht mit Verweis auf das Ergebnis einen Regierungsauftrag. Zugleich bleibt das etablierte Parteiensystem bei seiner klaren Abgrenzung gegenüber der AfD, was die Regierungsbildung erheblich erschwert.Politische Ausgangslage in SchwerinMecklenburg-Vorpommern wurde bisher von einer Regierung unter Führung der SPD regiert, die lange Zeit klar stärkste Kraft war. Dass die AfD nun mit 37,6 Prozent vor der SPD mit 35,8 Prozent liegt, zeigt den anhaltenden Trend starker Wahlergebnisse für die Partei in mehreren ostdeutschen Bundesländern. Zugleich bleibt die Fragmentierung des Parteiensystems sichtbar: Linke, Grüne, CDU, BSW und kleinere Parteien konkurrieren um deutlich geringere Stimmenanteile.Koalitionsoptionen und BlockadenDa alle im Landtag vertretenen Parteien – mit Ausnahme des BSW – eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, entsteht eine Blockadekonstellation: Die stärkste Kraft kann ihren Anspruch auf Regierungsverantwortung politisch kaum umsetzen, solange keine andere Partei von dieser Linie abrückt. Möglich erscheinen daher Konstellationen, in denen Parteien ohne AfD und eventuell ohne BSW Mehrheiten suchen, etwa durch große oder ungewöhnliche Koalitionen. Ob eine solche Mehrheit rechnerisch zustande kommt, hängt von den endgültigen Sitzverteilungen ab.Bedeutung über Mecklenburg-Vorpommern hinausDie Debatte um einen „Regierungsauftrag“ für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern wird bundesweit aufmerksam verfolgt. Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie Parteien und Institutionen mit einer rechtspopulistischen Partei umgehen, die in Teilen des Landes zur stärksten Kraft geworden ist. Für die Bundespolitik erhöht das Ergebnis den Druck, Antworten auf strukturelle Probleme in Ostdeutschland zu finden, die sich in solchen Wahlausgängen spiegeln – etwa wirtschaftliche Perspektiven, demografische Entwicklungen und Vertrauen in demokratische Institutionen.

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