AfD bleibt laut Steffen Mau dauerhaft in Parteienlandschaft

heute 14:15 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Soziologe Steffen Mau rechnet nicht damit, dass die AfD bald aus der deutschen Parteienlandschaft verschwindet. Er sieht zugleich CDU und SPD unter Druck, weil sie wichtige gesellschaftliche Gruppen und überzeugende Zukunftsentwürfe verloren hätten.

Steffen Mau (Archiv)
Steffen Mau (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Steffen Mau sieht AfD dauerhaft in deutscher ParteienlandschaftDer Soziologe Steffen Mau hält ein baldiges Verschwinden der AfD aus der deutschen Parteienlandschaft für unrealistisch. Die Partei könne politisch in Schach gehalten werden, werde aber nicht so schnell verschwinden.Polarisierung nimmt aus seiner Sicht schneller zuMau sagte, er habe das Tempo der gesellschaftlichen Polarisierung unterschätzt. Die politische Spaltung werde von Akteuren gezielt verschärft und verfestige sich zunehmend in der Gesellschaft.Die AfD profitiere dabei von verbreiteter Verunsicherung und dem Verlust wirtschaftlicher Zuversicht. Sie nutze gesellschaftliche Aufregung geschickt für sich, verfüge nach Maus Einschätzung in vielen politischen Fragen aber nicht über eine konsensfähige Programmatik.Volksparteien verlieren gesellschaftliche BindungenCDU und SPD sieht Mau in einer tiefen Krise. Beide Parteien hätten den Zugang zu wichtigen gesellschaftlichen Gruppen verloren und litten unter einem inhaltlichen Leerlauf.Die traditionellen Volksparteien seien „fast auf dem Weg der Verzwergung“, sagte der Soziologe. Sie könnten nicht mehr in Zukunftsentwürfen denken.Handlungsfähige Regierungen als VoraussetzungFür die AfD verwendet Mau das Bild eines „politischen Wegelagerers“, der gesellschaftliche Aufregung ausschlachte. Eine dauerhafte Stabilisierung der Demokratie erfordere deshalb vor allem handlungsfähige Regierungen.
Steffen Maus Einschätzung fällt in eine Phase, in der die AfD in bundesweiten Umfragen weiterhin eine starke Position einnimmt. Eine am 5. November veröffentlichte Sonntagsfrage sah die Partei bei 27 Prozent und damit vor der Union und den Grünen.

Das macht den von Mau beschriebenen langfristigen Charakter der Entwicklung politisch relevant: Die AfD ist nicht nur ein kurzfristiges Protestphänomen, sondern verfügt über ein dauerhaft großes Wählerpotenzial.Parallel zeigt sich eine strukturelle Schwäche der Parteien der Mitte. Der Soziologe führt sie auf den Verlust gesellschaftlicher Bindungen, fehlende Zukunftsentwürfe und wirtschaftliche Verunsicherung zurück. Befragungen zur politischen Haltung jüngerer Menschen deuten zudem auf eine stärkere Distanz zur politischen Mitte hin. Für CDU und SPD verschärft das den Druck, wieder erkennbare Angebote für unterschiedliche soziale Gruppen zu formulieren.Politische Folgen für die MitteEine stabile Demokratie hängt dabei nicht allein von der Stärke einer einzelnen Partei ab, sondern auch von der Fähigkeit demokratischer Kräfte, Konflikte politisch zu bearbeiten.

Handlungsfähige Regierungen, nachvollziehbare Entscheidungen und glaubwürdige Antworten auf wirtschaftliche Sorgen können den Resonanzraum für radikale Protestangebote verkleinern. Das kurzfristige politische Ziel, die AfD parlamentarisch einzuhegen, ersetzt deshalb keine längerfristige Auseinandersetzung mit den Ursachen von Polarisierung und Vertrauensverlust.

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