AfD-Anhänger: 73 Prozent halten System für Scheindemokratie

heute 06:30 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

73 Prozent der AfD-Anhänger bezeichnen das politische System laut einer neuen Allensbach-Umfrage als Scheindemokratie. Gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber der Politik auch in der Gesamtbevölkerung deutlich.

AfD-Logo (Archiv)
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via dts Nachrichtenagentur

73 Prozent der AfD-Anhänger halten das derzeitige politische System für eine Scheindemokratie ohne Mitsprache der Bürger. Das geht aus einer im Auftrag der FAZ durchgeführten Allensbach-Umfrage hervor, für die vom 4. bis 16. September 1.051 Menschen befragt wurden.Deutlicher Abstand zur GesamtbevölkerungNur 37 Prozent der AfD-Anhänger sehen die Demokratie als beste Staatsform an. In der Gesamtbevölkerung teilen rund zwei Drittel diese Einschätzung.Mit der demokratischen Grundordnung sind 69 Prozent der AfD-Sympathisanten generell unzufrieden. In der Bevölkerung insgesamt bildet diese Haltung hingegen eine Minderheit.Mehrheit fordert grundlegende Veränderung83 Prozent der AfD-Anhänger sind der Ansicht, dass das politische System grundlegend verändert werden muss. Unter den Anhängern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien bleibt diese Position eine Minderheitenmeinung.Besonders verbreitet ist die Forderung laut Umfrage in Ostdeutschland und in schwächeren sozialen Schichten.

Dort sind auch die Sorgen über die Zukunft größer: 48 Prozent berichten von zunehmenden Zukunftsängsten, in höheren sozialen Schichten sind es 22 Prozent.Misstrauen gegenüber der Politik nimmt zuNur sieben Prozent der Befragten haben großes Vertrauen darin, dass die Politik die richtigen Entscheidungen trifft und die Herausforderungen bewältigt. 53 Prozent äußern begrenztes Vertrauen, jeder Dritte misstraut der Politik.Vor fünf Jahren lag der Anteil der Misstrauischen noch bei 17 Prozent. Bereits während der Ampelregierung war er auf 28 Prozent gestiegen.

Insgesamt fühlt sich jeder Zweite durch politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen stark belastet; lediglich sechs Prozent zeigen sich davon weitgehend unbeeindruckt.
Die Umfrage fällt in eine Phase, in der politische Unzufriedenheit und parteipolitische Polarisierung in Deutschland gleichzeitig zunehmen.

Besonders deutlich wird der Abstand zwischen AfD-Anhängern und der Gesamtbevölkerung bei der Bewertung der Demokratie: Während 37 Prozent der AfD-Sympathisanten sie als beste Staatsform ansehen, gilt das für rund zwei Drittel der Bevölkerung.

Der Unterschied beschreibt nicht lediglich Unzufriedenheit mit einzelnen Regierungen, sondern eine grundsätzlichere Distanz zur bestehenden politischen Ordnung.Bemerkenswert ist zugleich, dass die Kritik an den Institutionen mit sozialen und regionalen Belastungen verbunden ist. Die Umfrage weist auf größere Zukunftsängste in schwächeren sozialen Schichten und auf eine stärkere Zustimmung zu grundlegenden Veränderungen in Ostdeutschland hin. Damit werden politische Einstellungen mit wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlichen Krisenerfahrungen und dem Eindruck mangelnder Einflussmöglichkeiten verknüpft.Vertrauen als politische HerausforderungFür Parteien und staatliche Institutionen liegt die Bedeutung der Zahlen vor allem in der wachsenden Distanz zwischen demokratischer Ordnung und ihrer konkreten Wahrnehmung im Alltag. Wenn Misstrauen gegenüber der Politik zunimmt, reicht es nicht, Entscheidungen formal korrekt zu treffen; ebenso entscheidend sind nachvollziehbare Verfahren, erkennbare Wirkung und politische Responsivität.Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass alle AfD-Anhänger dieselben Motive haben oder demokratische Institutionen vollständig ablehnen.

Sie zeigen jedoch eine außergewöhnlich starke Konzentration systemkritischer Einstellungen in dieser Wählergruppe. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die übrigen Parteien, Sorgen über soziale Sicherheit, politische Repräsentation und staatliche Leistungsfähigkeit konkreter zu bearbeiten.Politische FolgenMit 83 Prozent befürwortet eine große Mehrheit der AfD-Anhänger eine grundlegende Veränderung des politischen Systems. Das kann den Parteienwettbewerb weiter zuspitzen, weil die AfD damit nicht nur über einzelne Sachfragen, sondern über die Legitimität des bestehenden politischen Rahmens mobilisiert. Zugleich macht der geringe Anteil stark Vertrauender in der Gesamtbevölkerung deutlich, dass die Herausforderung über die Anhängerschaft einer einzelnen Partei hinausreicht.

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