Politik

Landesregierung nimmt Risiko für Aus der Uni Lübeck in Kauf

am 04.06.2010 Schleswig-Holsteins schwarz-gelbe Landesregierung hat bei ihrer geplanten Schließung des Fachbereichs Medizin in Lübeck offenbar ein komplettes Aus der Universität in Kauf genommen. Dies geht aus der Risikobewertung eines am Freitag bekannt gewordenen Papiers aus dem Wissenschaftsministerium hervor. Darin heißt es wörtlich: «Die Universität zu Lübeck ist nach der Schließung des Fachbereichs Medizin in Lübeck nicht überlebensfähig». Ein Ministeriumssprecher sagte auf ddp-Anfrage in Kiel, es handele sich «um eine denkbare Variante, ein Worst-Case-Szenario».

Das Papier war vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität im Internet (luebeckkaempft.asta.uni-luebeck.de/wordpress) veröffentlicht worden. Auf vier Seiten werden denkbare Kürzungsmöglichkeiten im Medizinbereich analysiert. Bei einem Aus der Uni könnte demnach auch die Fraunhofer-Projektgruppe für Marine Biotechnologie (EMB) ihre Arbeit nicht fortführen.

Bislang gebe es keine Anzeichen, dass das Fraunhofer-Projekt gefährdet sei, sagte der Ministeriumssprecher. Das EMB beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter. Im Juni will die Fraunhofer-Gesellschaft darüber entscheiden, ob das Projekt zu einem vollwertigen Fraunhofer-Institut befördert wird. Dies wäre mit einem Anstieg der Mitarbeiterzahl auf 150 und einem Institutsneubau für rund 30 Millionen Euro in Lübeck verbunden.

Grünen-Fraktionschef Robert Habeck griff Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) wegen dessen Aussagen, keine Zweifel an der Aufwertung zum Institut zu haben, scharf an. «Bei aller Verklausulierung, das nennt man dann wohl Unwahrheit», sagte Habeck. Die Haushaltsstrukturkommission habe «die Öffentlichkeit hinters Licht führt». Der hochschulpolitische Sprecher der SPD, Martin Habersaat, forderte die Koalition auf, die absehbaren Folgen der Beschlüsse der Kommission für die Hochschulen offenzulegen.

Laut ihrem Ende Mai verabschiedeten Sparpaket wollen CDU und FDP das Medizin-Studium in Lübeck ab dem Wintersemester 2011/2012 auslaufen lassen und ab diesem Zeitpunkt keine neuen Studenten mehr aufnehmen. Stattdessen soll das Profil der Hochschule im mathematisch-naturwissenschaftlichen sowie medizintechnischen Bereich gestärkt werden.

ddp/akl/pon





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