16.10.2020 - 13:37 Uhr

Bain-Studie zum Aftersales-Gesch?ft / Das Ende des Wachstums bei Kfz-Reparaturen und Ersatzteilen

M?nchen/Z?rich - - Bain-Prognose: Durch Fahrassistenzsysteme reduzieren sich die Aftersales-Ums?tze in den f?nf gro?en europ?ischen M?rkten 2035 um 3,7 Prozent - Angesichts der wachsenden Zahl von Elektrofahrzeugen verringert sich das Umsatzpotenzial um weitere 1,9 Prozent - In den kommenden ...

M?nchen/Z?rich -

- Bain-Prognose: Durch Fahrassistenzsysteme reduzieren sich die Aftersales-Ums?tze in den f?nf gro?en europ?ischen M?rkten 2035 um 3,7 Prozent - Angesichts der wachsenden Zahl von Elektrofahrzeugen verringert sich das Umsatzpotenzial um weitere 1,9 Prozent - In den kommenden Jahren kompensiert ein wachsender Fahrzeugbestand die negativen Effekte, doch ab 2035 schrumpft der gesamte Aftersales-Markt - Autohersteller und ihre angeschlossenen Servicebetriebe trifft der Wandel besonders hart

W?hrend des coronabedingten Lockdowns im Fr?hjahr 2020 ist die Fahrleistung in Westeuropa um 10 bis 15 Prozent gesunken. Dies schm?lert kurzfristig die Ums?tze, die mit Kfz-Reparaturen, Wartung und Ersatzteilen erzielt werden. Doch weitaus bedrohlicher f?r das bislang auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten so stabile und lukrative Aftersales-Gesch?ft der Automobilbranche ist, dass die Serviceums?tze pro Pkw in den kommenden Jahren deutlich und nachhaltig zur?ckgehen werden. Bis 2035 belaufen sich die j?hrlichen Einbu?en auf 5,5 Prozent. In ihrer Studie "Aftersales: Der stille Fluch der Fahrassistenzsysteme" zeigt die internationale Unternehmensberatung Bain & Company die Ursachen f?r das nachlassende Reparatur- und Ersatzteilgesch?ft auf und erl?utert, wie Marktteilnehmer Umsatzr?ckg?nge abfedern k?nnen.

Mehr Sicherheit, weniger Aftersales-Gesch?ft

Die Langfristprognose von Bain widerlegt die verbreitete Auffassung, nach der schon in den n?chsten Jahren vor allem die steigende Zahl von Elektroautos mit weniger verbauten Komponenten das Aftersales-Gesch?ft unter Druck setzen wird. 2035 f?hrt dies in den f?nf gro?en europ?ischen M?rkten Deutschland, Frankreich, Gro?britannien, Italien und Spanien zwar zu einem Umsatzr?ckgang von knapp 2 Prozent. Doch einen nahezu doppelt so hohen Effekt mit minus 3,7 Prozent hat in diesem Zeitraum der Faktor Fahrassistenzsysteme - und damit die zunehmende Automatisierung der Pkw.

"Heute g?ngige Systeme senken die Unfallwahrscheinlichkeit bereits um bis zu 30 Prozent und die Unfallschwere um bis zu 10 Prozent", erkl?rt Bain-Partner und Studienautor Dr. Eric Zayer. "Aus Gr?nden der Sicherheit ist dies sehr zu begr??en. Gleichzeitig verringert sich der Reparatur- und Ersatzteilbedarf erheblich, und wir stehen erst am Anfang des automatisierten Fahrens." Bain-Prognosen zufolge werden 2035 knapp zwei Drittel der weltweit genutzten Fahrzeuge ?ber sogenannte Level-1- und Level-2-Systeme verf?gen, die ein assistiertes oder teilautomatisiertes Fahren erm?glichen. Hinzu kommen dann voraussichtlich weitere 10 bis 15 Prozent Pkw, die mit Level-3-Systemen ausgestattet sind und bestimmte Fahraufgaben beispielsweise auf der Autobahn vollst?ndig ?bernehmen k?nnen.

H?herer Reifenverbrauch kompensiert Umsatzverluste

Der negative Effekt der Elektrofahrzeuge auf die Aftersales-Ums?tze w?re in den kommenden 15 Jahren deutlich ausgepr?gter, w?rde er nicht durch einen steigenden Reifenverbrauch teilweise kompensiert werden. Dieser resultiert aus den Spezifika batteriegetriebener Fahrzeuge. Gr??ere Reifen, eine h?here Traktion bei Beschleunigung und Rekuperation sowie tendenziell mehr Gewicht sorgen daf?r, dass bei E-Autos h?ufiger die Reifen gewechselt werden m?ssen. Dennoch werden die Aftersales-Ums?tze je batteriegetriebenem Fahrzeug bis 2035 um durchschnittlich 16 Prozent zur?ckgehen.

Laut Bain-Prognose federt ein insgesamt steigender Fahrzeugbestand die Umsatzeinbu?en durch Elektrofahrzeuge und Fahrassistenzsysteme bis 2035 ab. Die gesamten Aftersales-Ums?tze in den f?nf gro?en europ?ischen M?rkten Deutschland, Frankreich, Gro?britannien, Italien und Spanien legen bis 2030 noch leicht zu, sinken dann aber wieder auf das Niveau von 2020 (Abbildung). In den Jahren nach 2035 d?rfte sich dieser R?ckgang fortsetzen, denn die umsatzmindernden Effekte der wachsenden Flotte von Elektrofahrzeugen werden sich immer st?rker bemerkbar machen.

Deutscher Markt schrumpft eher

In Deutschland nehmen die Ums?tze bereits in der laufenden Dekade ab und verringern sich bis 2035 um 3,1 Prozent. Das liegt an dem hierzulande stagnierenden Fahrzeugbestand sowie dem gr??eren Anteil h?herwertiger Pkw mit Fahrassistenzsystemen. Zwar hat die Vorliebe der Deutschen f?r besser ausgestattete Fahrzeuge zur Folge, dass die Werkst?tten entgangene Ums?tze zumindest teilweise durch h?here Preise ausgleichen k?nnen. Doch je mehr Fahrassistenzsysteme Sch?den vermeiden oder abmildern, desto st?rker bekommen dies die Servicebetriebe zu sp?ren.

Die Zunahme des automatisierten Fahrens und der Elektrifizierung sowie die daraus resultierenden Auswirkungen treffen die Marktteilnehmer in den f?nf L?ndern mit unterschiedlicher Wucht. Besonders hohe Einbu?en erleiden die Autohersteller sowie die markengebundenen Servicebetriebe. "Servicebetriebe, bei denen die Ertragslage schon heute angespannt ist, k?nnen in eine existenzbedrohende Schieflage geraten", stellt Bain-Partner und Studien-Co-Autor Dr. Marcus Hoffmann fest. "Umfassende strukturelle Ver?nderungen sind notwendig, um das Gesch?ft zu sichern." Auch bei vielen anderen Marktteilnehmern bestehe akuter Handlungsbedarf.

Systematisches Handeln ist das Gebot der Stunde

Die Bain-Studie zeigt den Unternehmen Handlungsoptionen auf, wie sie ihre Marktposition verteidigen k?nnen. Autohersteller brauchen intelligente L?sungen entlang der gesamten Kundenreise. Durch langfristige Service- und Wartungsvertr?ge k?nnen sie die Loyalit?t ihrer Kunden st?rken und diese an sich binden. Weitere Ertragschancen ergeben sich durch die Nutzung der Daten von Fahrassistenzsystemen etwa bei Versicherungsprodukten, aber auch durch zus?tzliche Dienstleistungen wie beispielsweise auf Echtdaten basierende Wartungsintervalle f?r die zunehmend vernetzten Fahrzeuge.

Die Servicebetriebe wiederum werden ihre Werkstattnetze an die Entwicklungen anpassen m?ssen. Das Schrumpfen der klassischen Wartungs- und Reparaturums?tze k?nnen sie zumindest teilweise auffangen, indem sie ihr Leistungsspektrum ver?ndern und erweitern.

Erhebliche Ertragschancen bietet beispielsweise das lange vernachl?ssigte Reifengesch?ft. Branchenkenner Zayer ist ?berzeugt: "Die Servicebetriebe m?ssen jetzt die Loyalit?t ihrer Kunden st?rken sowie in neue Dienstleistungen und Angebote investieren, um die R?ckg?nge im Kerngesch?ft zu kompensieren."

Eine entsprechende Grafik finden Sie hier: https://ots.de/jxO9nC

Bain & Company

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