03.09.2018 - 14:34 Uhr

Sind Kryptowährungen wirklich die Zukunft?

Kryptowährungen - eine wirkliche Alternative zu Dollar, Euro und Co.?

Kaum ein Tag vergeht, an dem selbst seriöse Wirtschaftszeitungen wie das Handelsblatt über Kryptowährungen berichten. Bitcoin, Ethereum und Ripple heißen die drei bekanntesten der neuartigen Währungen, für die es weder Münzen noch Banknoten gibt. Kryptowährungen sind rein digitale Zahlungsmittel. Die Fachwelt ist sich noch uneins darüber, ob in Zukunft Leitwährungen wie Dollar, Euro und Yen tatsächlich Konkurrenz durch Kryptowährungen bekommen.

 
Quelle: Pixabay

Technische Grundlagen von Kryptowährungen

Mit dem Bitcoin wurde 2009 die erste Kryptowährung öffentlich gehandelt. Mittlerweile listen die internationalen Finanzmärkte mehrere hunderte weitere Kryptowährungen, allein die Marktkapitalisierung des Bitcoins hat bereits die Marke von 100 Milliarden US-Dollar geknackt. Unabhängig von den Namen der jeweiligen Kryptowährung ist das technische Prinzip stets dasselbe:

- Eine üblicherweise im Voraus festgelegte Anzahl von Währungseinheiten wird durch einen öffentlich zur Verfügung stehenden Programmcode digital produziert. Bei diesem als Mining bezeichneten Vorgang erhält jede Einheit einen unikalen Code, grob vergleichbar mit Banknotennummern.

- Ein dezentrales System soll bei Kryptowährungen sicherstellen, dass Transaktionen unabhängig und transparent dokumentiert sind. Hierzu dient die sogenannte Blockchain, die quasi die Aufgabe einer Zentralbank übernimmt. Die Blockchain macht es möglich, mit Kryptowährungen zu handeln und zu bezahlen.

- Bei dem Einsatz einer Währungseinheit prüft die Blockchain, ob der unikale Code gültig ist und gibt sie dann frei. Diese Rechenleistung ist entscheidende Grundlage dafür, dass Anleger Bitcoin und Co. als Alternative zu herkömmlichen Währungen betrachten.

- Aufbewahrt werden Kryptowährungen in einer sogenannten Wallet, dem englischen Wort für Geldbeutel. Der Zugriff auf die dort gelagerten Währungseinheiten ist durch ein Passwort gesichert.

Kryptowährungen in der Praxis

Anfangs galten Kryptowährungen als ein Experiment von Computer-Freaks, doch das Image änderte sich rasch. Rasante Kursentwicklungen bahnten insbesondere für den Bitcoin den Weg als Zahlungsmittel. Großunternehmen wie die Sandwich-Kette Subway oder der IT-Gigant Microsoft akzeptieren Bitcoin als harte Währung zum Tageskurs. Amazon und Starbucks sollen nach Medienberichten diese Option aktuell prüfen. Etwa an Flughäfen und in Start-up-Zentren sind immer häufiger Bitcoin-Automaten zu finden, die im Grunde wie ein Geldautomat funktionieren. Dort lässt sich Bargeld gegen Codes für Bitcoins eintauschen oder kann umgekehrt Bitcoin-Guthaben in klassischen Währungen ausgezahlt werden. An Börsen für Kryptowährungen wird wie mit Devisen gehandelt, die Tagesumsätze erreichen Milliardenwerte. Hier spekulieren Befürworter von Kryptowährungen darauf, dass sich neue Leitwährungen entwickeln.

Gegenwind erhalten Kryptowährungen bislang von Regulierungsbehörden. Ob in den USA oder der EU - die Gesetzgeber tun sich schwer damit, die neuen Währungen legal zu definieren. In Deutschland etwa müssen Bitcoin-Guthaben in der Steuererklärung genannt werden, aber die offizielle Zulassung als Zahlungsmittel steht aus. In den USA verweigert die Börsenaufsicht bislang den Handel mit Kryptowährung-Fonds, obwohl renommierte Fonds-Verwalter entsprechende Anträge gestellt haben. Ein wiederkehrendes Argument für die staatliche Skepsis in Sachen Kryptowährungen: Manipulationen und Betrugsfälle seien nicht ausgeschlossen, der Privatanleger könne die Risiken nicht überblicken. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit sowohl Hackerangriffe auf Blockchains und Wallets, Softwarefehler und Insolvenzen von Verwaltern. Insofern sollte sich jeder, der darüber nachdenkt, größere Beträge in Kryptowährungen zu investieren, klarmachen: Neben der Chance auf Kursgewinne besteht jederzeit die Gefahr, dass Kurseinbrüche Kapital vernichten und das rein digitale System einer Währung fehleranfällig ist.

Was die Noten- und Zentralbanken aber nur ungern zugeben: Sie fürchten, ihre Deutungshoheit über das Geld zu verlieren. Kryptowährungen sind prinzipiell transnational angelegt und erlauben anonyme Transaktionen. Dies schützt sie vor staatlicher Kontrolle und Währungspolitik. Hier reguliert sich der Markt tatsächlich autonom. Für das Krisenland Venezuela sind diese Punkte wichtige Faktoren, mit dem Petro die weltweit erste staatliche Kryptowährung einzuführen. Die Führung in Caracas erhofft sich vom Petro einen Ausweg aus der dortigen Hyperinflation, die sie auf Währungspolitik der USA zurückführt. Auch China überlegt, eine staatliche Kryptowährung zu entwickeln. Wenn man in Kryptowährungen investieren möchte, aber gerade nicht das nötige Kleingeld hat, kann sich mit einem günstigen Sofortkredit Abhilfe schaffen.

Kryptowährungen - der Ausblick

Entscheidend für die Zukunftsperspektiven von Bitcoin und seinen Nachahmern wird sein, ob die großen Industrienationen sich dazu durchringen können, den Kryptowährungen staatliche Anerkennung zu gewähren. Denn erst mit diesem Schritt kommen institutionelle Anleger ins Spiel, könnten Anleihen aufgelegt werden und die Geschäftswelt wäre bereit, Kryptowährungen generell zu akzeptieren. Bis dahin bleiben Ethereum, Ripple und Bitcoin ein Nischenmarkt mit spannenden Aussichten. Die technische Umsetzung von Kryptowährungen ist in der Praxis zwar weitgehend bewiesen, die Umsätze auf den Devisenmärkten aber bewegen sich bisher nur in der Größenordnung von Währungen afrikanischer Staaten.