28.05.2021 - 19:22 Uhr

Tragik eines Kardinals / Raimund Neu? zum Fall Woelki - Apostolische Visitation im Erzbistum K?ln

K?ln - Rainer Maria Kardinal Woelki ist in K?ln als Aufkl?rer angetreten. Und nun ist das Vertrauen in ihn so ersch?ttert, dass Papst Franziskus die dramatische Entscheidung getroffen hat, die Situation im Erzbistum K?ln durch Apostolische Visitatoren untersuchen zu lassen. Das ist eine ...

K?ln - Rainer Maria Kardinal Woelki ist in K?ln als Aufkl?rer angetreten. Und nun ist das Vertrauen in ihn so ersch?ttert, dass Papst Franziskus die dramatische Entscheidung getroffen hat, die Situation im Erzbistum K?ln durch Apostolische Visitatoren untersuchen zu lassen. Das ist eine tragische Entwicklung - zumal K?ln die Aufarbeitung des Umgangs mit sexualisierter Gewalt mit mehr Konsequenz betrieben hat als andere Bist?mer, in denen Gutachten auf sich warten lassen oder - in Berlin - zensiert ver?ffentlicht werden. Und deren Bisch?fe dennoch unbehelligt agieren.Den Auftrag der Visitatoren - von der Berliner Nuntiatur unter Verwendung alter Rechtschreibung und feinster Ehrentitel mitgeteilt - sollte man genau lesen. Um konkrete Fehler geht es erst in zweiter Linie. Zuerst genannt wird die pastorale Situation im Erzbistum. Im Vordergrund steht also jene Vertrauenskrise, die zuletzt durch die D?sseldorfer Proteste und den Brandbrief der 14 Dechanten deutlich wurde. Ja, Woelki hat Fehler gemacht. Niemals h?tte er ?ber den Fall des ihm pers?nlich verbunden D?sseldorfer Pfarrers O. selbst entscheiden d?rfen. Niemals h?tte er einen durch den Kontakt zu einem jungen Prostituierten vorbelasteten Geistlichen auch noch bef?rdern d?rfen - und das, w?hrend eine von ihm selbst angestrengte Untersuchung gegen den Mann lief. Bemerkenswert, dass beide F?lle in D?sseldorf anzusiedeln sind, jener Stadt, der Woelki aus seiner Zeit als junger Geistlicher und dann als Weihbischof so eng verbunden ist. Auch das ist tragisch: 2014 war Woelki der Wunschkandidat in K?ln, gerade weil er aus dem Erzbistum stammte - nun bringen ihn diese alten Bindungen zus?tzlich in die Bredouille. Ein Bischof mit ausw?rtigen Wurzeln h?tte es einfacher.Viel schwerer als solche Fehler in der Sache wiegt aber, dass Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann den Eindruck haben entstehen lassen, sie w?rden sich hinter juristischen Schrifts?tzen verschanzen. Ganz fair sind solche Vorw?rfe nicht: Die Aufarbeitung von Missbrauchsf?llen setzt eine saubere juristische Kl?rung voraus, und f?r die hat Woelki anders als mancher Amtsbruder gesorgt. Aber dazu muss das kommen, was jeden guten Pfarrer auszeichnet: Herzenstakt und Empathie. Man darf Woelki glauben, dass Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen ihn pers?nlich zutiefst ersch?ttern. Aber die Gl?ubigen haben zu wenig davon gesp?rt. Woelki wird gemeinsam mit den Visitatoren pr?fen m?ssen, ob er in dieser Hinsicht noch die Chance auf einen Neubeginn hat.

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