28.05.2021 - 20:07 Uhr

Kommentar in "nd.DerTag": Billig, aber nicht recht/Martin Ling ?ber das "Vers?hnungsabkommen mit Namibia

Berlin - Und der Sieger hei?t Deutschland. Mit dem "Vers?hnungsabkommen" mit Namibia hat die deutsche Bundesregierung einen Coup gelandet: Der V?lkermord an den Herero und Nama wird mehr als 100 Jahre danach symbolisch anerkannt, aber nicht juristisch, so dass Reparationsanspr?che aus diesem Vertrag ...

Berlin - Und der Sieger hei?t Deutschland. Mit dem "Vers?hnungsabkommen" mit Namibia hat die deutsche Bundesregierung einen Coup gelandet: Der V?lkermord an den Herero und Nama wird mehr als 100 Jahre danach symbolisch anerkannt, aber nicht juristisch, so dass Reparationsanspr?che aus diesem Vertrag ausgeschlossen werden k?nnen.

Die Regierung in Namibia hat sich nach sechs Jahren Verhandlungen dazu breitschlagen lassen. Ein finanzielles Trostpflaster von 1,1 Milliarden Euro ?ber die n?chsten 30 Jahre zus?tzlich zur Entwicklungszusammenarbeit gibt es obendrauf. F?r die klamme Regierung in Windhoek hochwillkommen.

Das Abkommen hat mehrere Sch?nheitsfehler. Die traditionellen Herero- und Nama-Verb?nde blieben von den Verhandlungen bis zum Schluss ausgeschlossen. Ihre Parole "Alles ?ber uns, ohne uns, ist gegen uns!" wurde geflissentlich von beiden Regierungen ?berh?rt. Ihre Forderungen nach einer uneingeschr?nkten Entschuldigung und Reparationen, mit denen die wirtschaftlichen Folgen des V?lkermords kompensiert werden k?nnen, blieben unerh?rt. 70 Prozent des Landes in Namibia geh?rt wei?en Farmern, die Herero und Nama sind bis heute marginalisierte Minderheiten weitgehend ohne Land. Dieses Mogelabkommen wird daran ziemlich sicher nichts ?ndern, auch wenn die 1,1 Milliarden Euro vor allem in Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama flie?en sollen. F?r einen V?lkermord, bei dem 1904 und 1908 etwa 65 000 von 80 000 Herero und mindestens 10 000 von 20 000 Nama ums Leben kamen, ist das billig, aber nicht recht.

Au?enminister Heiko Maas kann sich freuen: "Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung ?ber einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen." Mit den Angeh?rigen der Opfer wurde sich weder geeinigt, noch freuen sie sich.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/59019/4927280 nd.DerTag / nd.DieWoche