03.05.2021 - 09:26 Uhr

Hanf als Nutzpflanze in Brandenburg auf dem Vormarsch

Die Rechtslage zum Thema Hanf, Cannabis sowie Marihuana ist deutschlandweit variabel. Während Marihuana beispielsweise in Deutschland verboten ist, werden Cannabis-Arzneimittel seit 2017 zugelassen. Außerdem gibt es immer wieder politische Diskussionen, Marihuana zu legalisieren und die Anbaugebiete für Hanf als Nutzpflanze zu erweitern. Brandenburg geht nun einen Schritt in diese Richtung.

Brandenburg will Hanf als Nutzpflanze etablieren

Dass Hanf deutlich mehr als nur die Pflanze zur Gewinnung von Rauschmitteln ist, wurde in den letzten Jahren immer publiker. Mit Hanf lassen sich nicht nur Häuser bauen, sondern die Pflanze liefert auch wertvolle Rohstoffe für Verpackungen oder im Fahrzeugbau.

Viele Pflanzen haben es schwer, dem Klimawandel zu trotzen. Gletscher in Deutschland schmelzen, die Durchschnittstemperaturen steigen und immer mehr Flora und Fauna verschwindet vom Globus. Eine Pflanze, die selbst dem Klimawandel trotzen könnte, ist Hanf. Auch die Regierung in Brandenburg hat mittlerweile viele Vorzüge der Nutzpflanze entdeckt und will die Anbauflächen dafür im eigenen Bundesland erhöhen.

Die Regierungsfraktionen bestehend aus SPD, CDU sowie Bündnis 90/die Grünen brachten einen Antrag im Landtag ein, um über die ökologischen sowie wirtschaftlichen Optionen des Hanf-Anbaus im Bundesland zu sprechen. Dabei sollten nicht nur Absatzmöglichkeiten, sondern auch Probleme (beispielsweise mit THC-Grenzwertbetrachtung) näher betrachtet werden. Weiterhin machte sich die Regierungsfraktionen dafür stark, künftig auch mögliche Förderprogramme für den Hanf-Anbau zu prüfen.

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Hanf auch weiterhin keine Rauschmittelzulassung

Bei der neuerlichen Betrachtung der Hanf-Nutzungsmöglichkeiten geht es gemäß dem brandenburgischen Landwirtschaftsminister Axel Vogel nicht darum, die Rauschmittellegalisierung von Hanf anzustoßen, sondern die Betrachtung der Vorzüge für Ökologie und Ökonomie. Denkbar ist es, dass strenge Regeln für den Anbau von Hanf als Nutzpflanze auferlegt werden. Hierzu gehören beispielsweise Regulierungen für die Zulassung des Saatgutes, der Anbauanzeige usw.

Neue Möglichkeiten für Hanf-Nutzung

Hanf eilt noch immer sein schlechter Ruf voraus, denn bekannt wurde die Pflanze vor allem wegen Cannabis, der berauschenden Wirkung und den Dealern. Das Bild der Hanfpflanze befindet sich allerdings im Wandel, denn die Pflanze bietet mehr als illegale Produkte. Nach wie vor ist Marihuana in Deutschland nicht legalisiert, jedoch einige Cannabis-Arzneimittel zugelassen.

Der Fokus von Politikern und Unternehmen richtet sich zunehmend auf das ökologische Potenzial und den ökonomischen Nutzen. Mittlerweile wird Hanf als Verbundstoff beispielsweise in der Fahrzeugindustrie eingesetzt und auch Verpackungsmaterialien können mit seiner Hilfe ökologisch nachhaltig produziert werden. Anwendung findet Hanf auch in Baumaterialien als natürliche Faser mit ökologischem Fußabdruck. Geht es nach der Regierung des Bundeslandes, soll auf den Feldern Brandenburgs schon bald deutlich mehr Hanf (unter Aufsicht) wachsen.

Schleswig-Holstein macht es vor

Was die Politik in Brandenburg bespricht, hat Schleswig-Holstein bereits umgesetzt. Hier wird Cannabis tatsächlich geerntet, völlig legal. Allerdings gelten dafür starke Sicherheitsvorkehrungen, denn der Anbau erfolgt im Auftrag des Bundes. Im Gewerbegebiet Neumünster steht eine Lagerhalle, die von außen äußerst schlicht wirkt, es aber im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat. Hier wird Hanf angebaut und Cannabis geerntet, für medizinische Zwecke.

Durch die Gesetzesanpassung im März 2017 ist es möglich, dass medizinisches Cannabis auch an deutsche Patienten verschrieben werden kann. Bis dahin wurden die Blüten von ausländischen Quellen importiert, mittlerweile gibt es sie hierzuladen. Die Ernte wird streng kontrolliert, denn so sieht es die gesetzliche Regelung vor. In Schleswig- Holstein dürfen maximal 800 kg/Jahr geerntet werden.

Zukunft Hanf: ökologischer Rohstoff für die Automobilindustrie und andere Bereiche

Vor allem die Automobilindustrie hat Hanf mittlerweile für sich entdeckt. Die Naturfaser ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern äußerst stabil. Der Hersteller Lotus hat beispielsweise den „Eco Elise“ vorgestellt, in dem Karosserieteile und der Spoiler aus Nutzhanf gefertigt sind. Auch andere Hersteller setzen zunehmend auf Hanf als Rohstoff. Das Material hat vor allem gute Sicherheitseigenschaften, denn es brennt im Vergleich zu anderen Materialien nur sehr schlecht. Außerdem sind die hanfgefertigten Formpressteile nicht scharfkantig und haben deshalb ein geringes Verletzungsrisiko.

Die positiven Eigenschaften, vor allem für die Festigkeit und den Brandschutz, macht sich nicht nur die Automobilbranche zunutze. Auch die Bauindustrie setzt zunehmend auf Hanf als Rohstoff. Dass Hanf beim Bau immer beliebter wird, hat auch noch andere Gründe: die geringe Schadstoffbilanz des Materials beispielsweise. Außerdem ist Hanf enorm reißfest, was gerade in Regionen mit Erdbebenrisiko wichtig ist. Außerdem müssen Dehnungsfugen durch die hohe Flexibilität weniger eingehalten werden. Hanf hat eine weitere positive Wirkung: die absorbieren Wirkung. Da Hanf kaum Feuchtigkeit aufnimmt, sie wieder abgibt, werden Schimmelbildung und Pilzbefall verhindert. Außerdem enthält Hanf kein Eiweiß, was den Befall von Insekten in der Bausubstanz verhindert.

 

Hanf wird als Verpackungs- und Dämmmaterial immer beliebter, auch in der Bau- und Automobilindustrie.
Hanf wird als Verpackungs- und Dämmmaterial immer beliebter, auch in der Bau- und Automobilindustrie.
Quelle: pixabay.com @ MichaelGaida (CC0 Creative Commons)

Hanf als Dämmstoff

Hanf hat ebenso gute Eigenschaften als Dämmmaterial, denn es ist nicht nur wärmeisolierend, sondern bietet auch enormen Schallschutz. Durch die Flexibilität lässt sich das Material optimal in Decken oder Böden einbringen und das deutlich leichter als beispielsweise die häufig verwendete Fieberglaswolle. Statt der aufwendigen Arbeiten, bei denen es durch die kleinsten Glassplitter zu Verletzungen kommen kann, ist die Verarbeitung von Hanf als Dämmstoff deutlich einfacher.

Hanf als Verpackungsmaterial: natürlich gut

Auch die Verpackungsindustrie hat längst die Vorzüge des natürlichen Rohstoffes für sich erkannt. Thermoverpackung aus Hanf sind beispielsweise äußerst gefragt. Hier kommen die isolierenden und nicht-feuchtigkeitsspeichernden Eigenschaften des Materials positiv zum Tragen. Hanf sorgt beispielsweise dafür, dass Medikamente, Farben oder Elektronik optimal temperiert ankommen. In Kombination mit Trockeneis und Hanf können die Medikamente beispielsweise bei bis zu -18° versandt werden. Durch die Flexibilität kann die Hanf-Verpackung individuell an die Produkte angeschmiert werden, sodass sich Stöße besser abfedern lassen und Transportschäden vermindert werden.

Auch die Entsorgung der Verpackung ist weniger umständlich und ökologisch nachhaltig. Wer die Hanf-Verpackung nicht mehr benötigt, kann sie in der Biotonne entsorgen oder auf den eigenen Kompost werfen. Hanf-Verpackungen lassen sich aber auch als optimaler Schutz für die Pflanzen im Garten bei eisigen Temperaturen umfunktionieren. Dafür wird die Hanf-Verpackung einfach um die Äste oder Sträucher gelegt und schützt vor Frost.

Durch die Flexibilität der Hanf-Verpackung kann sie sich passgenau auf die Pflanzengröße zuschneiden oder sich komfortabel zurechtbiegen lassen.