25.06.2020 - 07:19 Uhr

Neue Töne im Handelsstreit schicken Börsen wieder auf Talfahrt

Bevor ich zu den schlechten Nachrichten komme, zunächst zu den halbwegs positiven: Nach den starken Anstiegen der Einkaufsmanagerindizes (siehe vorgestrige Börse-Intern) konnte sich gestern erwartungsgemäß auch der ifo-Geschäftsklimaindex weiter von seinem historischen Tief erholen. Das Münchner ifo-Institut meldete für Juni einen Stand von 86,2 Punkten, nach 79,7 im Vormonat (siehe schwarze Linie im folgenden Chart).

ifo-Geschäftsklimaindex

Die Zukunftserwartungen der Unternehmen legten dabei zum zweiten Mal stark zu (grüne Linie), die aktuelle Lage wurde hingegen nach vier Rückgängen in Folge erstmalig wieder besser eingeschätzt (blaue Linie). Damit wird die derzeitige Lage von einer großen Mehrheit der Unternehmen noch weiterhin als schlecht eingestuft.

Nur verhalten optimistisch

Während von den meisten Medien die positive Entwicklung der Geschäftserwartungen hervorgehoben wird, wohl auch beeinflusst von der sehr guten Stimmung am Aktienmarkt, werte ich die Entwicklung des Frühindikators ähnlich wie die der Einkaufsmanagerindizes: Sie deuten allesamt darauf hin, dass es zwar eine Erholung der Wirtschaft geben wird, aber dass die Rückkehr auf das Vorkrisenniveau längere Zeit benötigen wird, als es der rasante Anstieg der Aktienmärkte erwarten lässt. Insbesondere aufgrund der aktuell noch weltweit steigenden Anzahl der Neuinfektionen bin ich nur verhalten optimistisch.

Nach dem US-chinesischen nun der US-europäische Handelsstreit

Zumal ich auch die weiteren potentiellen Risiken aktuell scheinbar höher Gewichte als andere. So zum Beispiel die Gefahr, dass die Stimmung am Aktienmarkt aufgrund der Handelsstreitigkeiten kippen könnte. Zwar wurde in Sachen US-chinesisches Handelsabkommen die Kuh vorerst vom Eis geholt (siehe auch vorgestrige Börse-Intern), doch zündeln die USA nun wieder im Streit mit der EU. Dabei geht es erneut um Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Aufgrund dessen überlegen die USA, wieder an der Zollschraube zu drehen. Erst im März hatte die US-Regierung Zölle angehoben. Nun prüfe sie die Lage und erwäge Änderungen an den Zöllen, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer mit. Neben einem Festhalten an bestehenden Zöllen seien auch Erhöhungen und neue Zölle auf weitere Produkte möglich.

Dow Jones hat sich für Fortsetzung der Abwärtstendenz entschieden

Allein die Ankündigung der Prüfung schickte gestern die Aktienmärkte auf Talfahrt. Der Dow Jones hat dadurch seine abwärts gerichtete Konsolidierung fortgesetzt und dabei das untere Ende des Trendkanals (rot im folgenden Chart) sehr dynamisch angesteuert und sogar unterschritten.

Dow Jones - Chartanalyse

Die vorgestern beschriebene Beschleunigung der Abwärtstendenz scheint damit aktuell wahrscheinlicher als ein bullisher Bruch des Trendkanals. Wobei der Dow Jones im CFD-Handel noch bis auf rund 25.200 Punkte fallen kann, um das untere Ende des dortigen Abwärtstrendkanals zu erreichen.

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse
(Quelle: Comdirect)

Ich fürchte allerdings, dass er dieses Abwärtspotential noch mindestens ausreizen wird. Die aktuelle Abwärtsdynamik mahnt zur Vorsicht!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 (Quelle: www.stockstreet.de)